Schöner Schein: Fakten und Irrtümer zum Thema Sonnenbaden

Weisheiten über die Folgen gibt es viele, doch nicht alle sind auch richtig

21.06.2015 | 10:17
Urlaub ist die schönste Zeit – aber nicht unbedingt für die Haut. In der Sonne ist Vorsicht geboten

Sonne bessert Hautkrankheiten
Zu pauschal. Zwar kann Sonnenstrahlung bei Hauterkrankungen wie Akne oder Schuppenflechte positiv wirken, bei anderen (etwa Rosazea) hat sie eher gegenteiligen Effekt. Bei Problemhaut unbedingt das persönliche Risikoprofil beim Hautarzt abklären lassen, auch ein exakt abgestimmtes Sonnenschutzmittel ist sehr wichtig. Unreine Haut vor Sonnenexposition medizinisch-­kosmetisch reinigen lassen!

Gegen Sonnenallergie kann man nichts machen
Doch! Bei Lichtdermatosen – einer Überempfindlichkeit auf Sonnenstrahlung – empfiehlt sich ein medizinisch kontrolliertes Hardening beim Dermatologen. Eine solche UV-Lichttherapie, individuell ­dosiert, gewöhnt die Haut schonend an die verstärkte Sonnen­exposition. Richtiger Zeitpunkt: drei bis vier Wochen vor dem Urlaub. Auch wer bestimmte Medikamente nimmt (z. B. Antibiotika oder Antidepressiva), kann sonnenempfindlich reagieren. Das sollten Sie mit dem Arzt abklären!

Spezieller Sonnenschutz
beugt Mallorca-Akne vor Richtig. Viele „Sonnenallergien", wie die Mallorca-Akne, sind ­keine Reaktion auf die Sonnen­strahlen an sich, sondern auf Stoffe in Sonnenschutzmitteln, etwa Fette oder Parfüms. Auf fett- und parfümfreie Gels ausweichen. Etliche Menschen reagieren aber auch auf Emulgatoren, die in den „normalen" Mitteln mit chemischen Filtern enthalten sind. Hier kommt Sonnenschutz mit physikalischen Filtern in Frage. Diese dringen nicht in die Haut ein, sondern enthalten mineralische Mikro­partikel, die sich wie ein Schutzschild auf die Haut legen.

Vorgebräunt gleich geschützt
Falsch! Die Haut sollte immer mit dem angemessenen Lichtschutz­faktor geschützt werden. Das gilt erst recht für Solarienbräune. In Solarien entsteht die Bräune durch UVA-Strahlung, die nicht vor Sonnenbrand schützt, weil der Eigenschutz der Haut – die sogenannte Lichtschwiele– durch UVB-Strahlen entsteht. Vorbräune vom Selbstbräuner schützt gar nicht, da das Wirkprinzip ein anderes ist und kein Eigenschutz aufgebaut wird.

Auch im Schatten muss man cremen
Stimmt absolut. Die Sonne kommt nämlich nicht nur von oben, sondern streut ihre Strahlen auch seitlich ein. Zudem reflektieren Meer und Sand das Licht und verstärken die Strahlung. Wind kann täuschen, weil er die Haut kühlt – den Sonnenbrand merkt man erst am Abend. Auch im Wasser ist es für die Haut gefährlich. Nicht nur, dass Wasser wie ein Brennglas wirken kann, 80 Prozent der UV- Strahlen dringen noch bis ein Meter unter die Wasseroberfläche. Auch eine dünne Wolkendecke hält nur etwa zehn bis 20 Prozent der Strahlung zurück.

Teure Sonnencremes wirken besser
Nein, auch günstige Alternativen können sehr gut schützen, wie Tests belegen. Darauf achten, dass die Sonnencreme auch einen UVA-Schutz enthält (steht auf der Packung); ansonsten sind Konsistenz und Duftstoffe Geschmackssache. Ganz wichtig: beim Eincremen nicht kleckern, sondern klotzen. Viel hilft hier wirklich viel!

Wasserfeste Cremes halten den ganzen Tag
Irrtum! Als „wasserfest" dürfen Sonnenschutzmittel dann bezeichnet werden, wenn sie auch nach ­einer bestimmten Zeit im Wasser noch teilweise schützen. Mehrfacher Wasserkontakt, die natürliche Transpiration und das ­Abrubbeln mit dem Handtuch machen den Schutz jedoch in jedem Fall zunichte. Deshalb gilt: immer wieder nachcremen – und zwar möglichst dick!

Hoher Lichtschutzfaktor und Nachcremen – Sonnen ­unbegrenzt
Nein! Kein Mittel schützt unbegrenzt. Faustregel für die maximale Schutzzeit: individuelle Eigenschutzzeit x Lichtschutzfaktor. Da der LSF der Sonnencreme nur einen Mittelwert angibt und sich auf die relativ unempfindliche Haut des Rückens bezieht, sollte der Anwender immer ein Drittel von der Schutzzeit abziehen. Nachcremen verlängert die Aufenthaltsdauer in der Sonne nicht, sondern ersetzt lediglich die Schutz­substanzen, die durch Schwitzen und Abtrocknen verloren gehen.

Kleidung und Fenster schützen vor Sonnenbrand
Bedingt. Kleidung bietet zwar einen gewissen Schutz, bestimmte UV-Strahlen dringen aber auch durch Textilien. Am besten ist weite, engmaschige Kleidung, dunkel besser als hell. Nasser Stoff lässt die Strahlen durch. Bei starker Sonnenexposition auch unter der Kleidung mit Sonnenschutz eincremen (auch unter Badeanzug, Sportkleidung). Nie vergessen: Kopfschutz und Sonnenbrille! Glas schützt nicht, wenn es keine spezielle Beschichtung aufweist, die zumindest einen Teil der UV-Strahlungsenergie absorbiert. Bei längeren Autofahrten ist es besser, sich durch Sonnencreme und Kleidung schützen.

Tomaten ersetzen Sonnenschutz
Unsinn! Beim Verzehr von Tomaten, Möhren oder Paprika wird zwar ein winziger Schutz vor UV-Licht aufgebaut, doch der kann keinesfalls die Creme mit richtigem LSF ersetzen. Grundsätzlich ist viel Gemüse als „Radikalen­fänger" und Zellschutz natürlich zu empfehlen und eine prima Ergänzung zum Sonnenschutz.

Hausmittel helfen bei Sonnenbrand
Finger weg! Mit Rezepten wie Kühlen mit Quark, Einreiben mit Pflanzensäften, Auftragen von Stärkebrei riskiert man bakterielle Infektionen und allergische Reaktionen! ­Leichte Rötungen lindern kühlende Gels aus der Apotheke. Bei stärkerem Sonnenbrand ab zum Dermatologen! Kortisonhaltige Cremes heilen die Entzündungen, Blasen oder gar Hautabschälungen kann nur der Mediziner hygienisch behandeln.

Regelmäßig zum Hautcheck (mindestens einmal pro Jahr)
Sehr sinnvoll. Der Dermatologe screent die Haut millimetergenau und erkennt so etwaige Schäden im Frühstadium.

Dr. Joachim von Rohr ist Dermatologe, Phlebologe und Allergologe in der Clínica Picasso in Palma. Tel.: 971-22 06 66. www.clinica-picasso.eu

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