Vorsicht vor Infektionen in der Schwangerschaft

Das Zika-Virus ist derzeit in aller Munde. Doch es gibt noch andere Risiken für das Kind. Auch vor Toxoplasmose und Zytomegalie müssen sich Mütter in Acht nehmen

23.03.2016 | 10:33
Von der Fruchtblase geschützt: ein sieben Wochen alter Fötus.
Von der Fruchtblase geschützt: ein sieben Wochen alter Fötus.

Die meisten Schwangeren wissen, dass sie Katzen meiden, Fleisch immer gut durchgebraten essen und Salat vom Feld gut waschen sollen. All das ist wichtig, um sich nicht mit Toxoplasmose zu infizieren. Das ist eine durch einen Parasiten übertragene Erkrankung, die bei einer vorgeburtlichen Infektion zu Schäden an Gehirn und anderen Organen des Kindes führen kann.

Doch es gibt noch mehr Infektionsrisiken. Obwohl zurzeit das Zika-Virus in aller Munde ist, ist die weltweit häufigste angeborene Virusinfektion die Zytomegalie. 0,7 bis 1,5 Prozent aller Lebendgeburten sind von ihr betroffen. Die Zytomegalie kann für das Kind bei einer Erstinfektion kurz vor oder in der Schwangerschaft gefährlich werden. Das Virus wird von Mensch zu Mensch übertragen.

Es zeigen sich oft keine oder nur geringe Symptome ähnlich einem grippalen Infekt, sodass die Infektion häufig gar nicht bemerkt wird. Nur 20 Prozent der betroffenen Frauen haben nach einer Inkubationszeit von vier bis sechs Wochen Lymphknotenschwellungen, Fieber, Halsschmerzen und/oder eine Vergrößerung von Leber und Milz.

Besteht bei einer Schwangeren der Verdacht auf eine Zytomegalie-Infektion, so werden bei ihr Blutuntersuchungen auf Antikörper durchgeführt, um das Risiko für ihr ungeborenes Kind abzuschätzen. Der Nachweis einer Infektion des Kindes in der Schwangerschaft ist nicht einfach. Nur etwa ein Drittel der später symptomatisch infizierten Kinder zeigt im vorgeburtlichen Ultraschall ­Auffälligkeiten wie Wasser im Körper oder Veränderungen im Gehirn. Ab der 20. Schwangerschaftswoche kann eine Untersuchung des Fruchtwassers oder des kindlichen Blutes zur Bestätigung einer Infektion des Fötus sinnvoll sein. Nach der Geburt ist eine Virusbestimmung beim Neugeborenen zum Nachweis einer intrauterinen Infektion nur in den ersten zwei Lebenswochen möglich.

Die überwiegende Zahl der Kinder mit einer angeborenen Zytomegalie-Infektion zeigt bei der Geburt keine Auffälligkeiten. Zehn Prozent der Kinder zeigen nach der Geburt Symptome wie etwa Hautblutungen, Leber- und Milzvergrößerung oder auch Missbildungen am Gehirn. Weitere fünf bis zehn Prozent entwickeln später Hör- und Sehschäden oder eine geistige Unterentwicklung mit Lernschwierigkeiten.

Eine Behandlung ist kompliziert, weil mehr oder weniger experimentell. Bisher durchgeführte Studien zeigen widersprüchliche Ergebnisse. Zurzeit gibt es keine generelle Therapieempfehlung. Die Entscheidung für oder gegen eine der Therapie-Möglichkeiten wird deshalb immer individuell und in Absprache mit den Eltern gefällt. Zum Einsatz kommen spezifische Immunglobuline (Eiweiße, die eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Krankheitserregern spielen) oder sogenannte Virostatika (Stoffe, die die Vermehrung von Viren hemmen). Eine Impfung gibt es leider nicht.

Daher kommt der Vermeidung einer Infektion in der Schwangerschaft die größte Bedeutung zu. Die höchste Infektionsgefahr für Erwachsene geht von Kleinkindern unter drei Jahren aus, in deren Urin und Speichel sich häufig Zytomegalie-Viren finden. Für schwangere Erzieherinnen gilt deshalb in Deutschland ein Beschäftigungsverbot.

Knapp die Hälfte der Schwangeren hat bereits im Laufe des Lebens eine Infektion durchgemacht und ist damit in der Regel nicht als gefährdet anzusehen. Hat man selbst ein Kleinkind unter drei Jahren, ist die Bestimmung des eigenen Immunstatus auch schon vor einer geplanten Schwangerschaft sinnvoll. Durch geeignete Hygienemaßnahmen lassen sich bei Fehlen von schützenden Antikörpern die Risiken deutlich reduzieren: Handschuhe tragen beim Windelwechseln, nicht den Schnuller des Kindes in den Mund nehmen, Essbesteck nicht gemeinsam benutzen, Oberflächen von Möbeln und Spielsachen regelmäßig reinigen ?

Sehr viel häufiger als im ­Mutterleib stecken sich die Neugeborenen bei einer Infektion der Mutter über die virushaltige Muttermilch an. Hierbei zeigt das Kind – außer es handelt sich um sehr unreife Frühgeborene – in der Regel keine Symptome der Infektion. Und es gibt glücklicherweise keine Langzeitfolgen.

Zika: die ersten Empfehlungen
Noch ein Wort zum Zika-Virus: Es wird durch die Gelbfieber­mücke übertragen und betrifft zurzeit Länder in Mittel- und Südamerika. In Europa sind noch keine originären Infektionen bekannt. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist bislang nur bei sexuellen Kontakten von akut Erkrankten beobachtet worden. Wird eine schwangere Frau in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft mit dem Zika-Virus infiziert, so scheint dies bei einem Teil der Kinder zu erheblichen Fehlbildungen des Gehirns zu führen. Die Erkrankungssymp­tomatik ist ähnlich wie bei der Zytomegalie. Eine Impfung gibt es nicht. Die erste Empfehlung ist derzeit, dass Reisende aus Infek­tionsländern sich selbst kontrollieren und gegebenenfalls frühzeitig einen Arzt aufsuchen. Frauen mit Schwangerschaftsvermutung oder Schwangere sollten bis auf Weiteres Reisen in betroffene Länder möglichst vermeiden.

Dr. Renate Wiesner-Bornstein ist Frauenärztin in der Clínica Ginecológica Illetas, Kontakt über Telefon: 971-40 51 52 oder Website www.gynandmore.com

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