Mallorca-Urlaub tut einfach gut

Von der Augenoperation bis zur Kinderwunschbehandlung: Der so genannte Gesundheitstourismus ist auf der Insel stark im Kommen

12.04.2016 | 14:38
Und nach der Behandlung abtauchen in den Pool. Aus dem MZ-Fotowettbewerb „Mein Mallorca".
Und nach der Behandlung abtauchen in den Pool. Aus dem MZ-Fotowettbewerb „Mein Mallorca".

Die Wände sind frisch gestrichen, die brandneuen Laser stehen schon im Behandlungsraum und die Website für die Deutsche Augenklinik in Santa Ponça ist seit Kurzem online. Das Deutsche Facharzt Zentrum (DFZ) hat um- und ausgebaut. „Nicht nur die Räumlichkeiten, sondern auch die Marke, die gesamte Augenklinik ist neu", sagt Geschäftsführer Ulrich Esser. Auf der Website finden Patienten jetzt nicht nur Informationen zu den medizinischen Leistungen und Ärzten, sondern auch die Rubrik „Reiseservice".

Das DFZ reiht sich so ein in eine immer längere Liste von Kliniken und Behandlungszentren, die gezielt auf Medizin- oder Wellnesstourismus setzen. Wer mit einer Laser­behandlung in Santa Ponça seine Brille loswerden will, kann dies samt Vor- und Nachuntersuchung ab sofort mit einem 3- oder 7-tägigen Urlaub auf Mallorca verbinden. Für ein paar hundert Euro mehr sind dann Flug, Transfer und Hotelaufenthalt im Rundum-sorglos-Paket inbegriffen.

Auch die Palma Clinic hat Anfang Februar ein neues Therapiezentrum eröffnet, das medizinische Behandlungen mit ganzheitlicher Vorsorge und Rehabilitation verknüpft. Das Angebot richtet sich insbesondere an Inselresidenten, aber die Palma Clinic steht auch Urlaubern offen. „Wir wollen Menschen, die beispielsweise von einer Operation kommen und auf dem Weg der Besserung sind, eine Weiterbehandlung ermöglichen", sagt Urologe Stefan Kamp.

Unternehmensberatungen wie Deloitte oder McKinsey bescheinigen dem Medizintourismus ebenso wie die Weltorganisation für Tourismus ein enormes Wachstumspotenzial von bis zu 90 Milliarden Euro Umsatz. Nicht nur in Spanien, auch auf den Balearen tun sich viele Betreiber nun zusammen, um diesen Schatz zu heben.

Denn zum einen könnten medizinisch motivierte Urlauber die Nebensaison beleben, zum anderen liegen die Ausgaben pro Kopf in diesem Sektor im Schnitt bei 5.000 Euro. „Gesundheitstouristen geben acht- bis zehnmal mehr aus als Durchschnittsurlauber", sagte Mónica Figuerola dem „Diario de Mallorca". Figuerola ist Geschäftsführerin von Spaincares, der spanienweiten und staatlich geförderten Allianz von Unternehmen des Tourismus- und Gesundheitssektors.

Die Website von Spaincares gleicht einem Online-Reisebüro für Wellness und Gesundheit: Die Suchmaske ist in fünf Sprachen verfügbar, auch auf Deutsch. Interessierte wählen aus, ob sie nach einer Klinik, einer Kur oder einem Pflegeheim suchen, welche Provinz und medizinische Spezialität sie wünschen und in welcher Sprache sie behandelt werden wollen. Spaincares spuckt daraufhin Informationen über passende Kooperationspartner aus. Wer ein Kundenkonto hat, kann direkt online eine Anfrage stellen.

Zum Beispiel in den Krankenhäusern der Gruppe Quirónsalud. Victor Ribot leitet zwei Kliniken der Gruppe auf Mallorca. „Wir bieten fortschrittliche Medizin und qualitativ hochwertige Betreuung", sagt er. Arina Rogozina koordiniert den Gesundheitstourismus für die Kliniken der balearischen Juaneda-Gruppe. „Wir behandeln seit jeher viele Touristen und ausländische Inselresidenten, seit etwa drei Jahren sind wir gezielt im Gesundheitstourismus aktiv", sagt sie. Ähnlich wie das DFZ kooperieren die Kliniken hierfür mit Hotels und Reiseveranstaltern.

Besonders beliebt sind Kinderwunschbehandlungen im Urlaub: Ausländerinnen stellen 80 Prozent der Patientinnen in diesem Bereich. Auch viele deutsche Frauen nutzen das Angebot. „Die Gesetzgebung in Deutschland ist um einiges restriktiver", sagt Rogozina. Zudem sei Ruhe bei Fruchtbarkeitsbehandlungen besonders wichtig, „ein Urlaub ist optimal, um sich zu entspannen."

Sowohl Rogozina als auch die Ärzte vom DFZ betonen: Sprachkenntnisse sind im Gesundheitstourismus besonders wichtig. „Die Patienten fühlen sich sicherer, wenn sie auf ihrer Muttersprache mit dem Arzt sprechen können", sagt Sebastian Beckers, der seit drei Jahren als Augenarzt und medizinischer Direktor für das DFZ arbeitet und gleichzeitig Oberarzt in Inca ist.

Während Juaneda und Quirónsalud mit dem Gesundheitstourismus vor allem auf bereits vorhandene Ressourcen zurückgreifen, kam die Augenklinik in Santa Ponça wegen hoher Investitionskosten auf die Idee, sich vermehrt an Kunden in Deutschland zu richten. Insgesamt hat die Klinik etwa eine Million Euro in ihre Ausstattung investiert. „Wir brauchen ein gewisses Volumen, um die Kosten zu decken", sagt Beckers.

Beckers hatte bereits in der ­Slowakei mit dem Relex Smile gearbeitet, einem der modernsten Lasermodelle auf dem Markt. Es erlaubt Schlüssellochchirurgie, ohne großflächige Öffnung der Hornhaut. Das Gerät in Santa Ponça ist bislang das Einzige auf den Balearen. Auch spanienweit gibt es bislang nur wenige Kliniken mit einem Relex Smile – nicht zuletzt wegen der hohen Kosten.

Mallorcas Gesundheitsexperten sind sich einig: Das medizinische Angebot ist hochklassig. Auch am touristischen Know-how mangelt es nicht. „Die Infrastruktur ist vorhanden. Wichtig ist jetzt, dass Regierung und Privatunternehmen gemeinsam daran arbeiten, Mallorca nicht nur als Ziel für Strandurlauber, sondern auch für den Gesundheitstourismus bekannt zu machen", sagt Rogozina.

Genau diese Mission hat die im November 2015 gegründete Dachorganisation für Gesundheitstourismus auf den Balearen: Der Verband der balearischen Gesundheitseinrichtungen und die eher touristisch angesiedelte Hospitality & Health haben sich in der Plattform IB Alliance for Health zusammengeschlossen. Juaneda wiederum hat am 16. und 17. März unter dem Titel „Turmed Mallorca" einen Workshop zum Gesundheitstourismus organisiert.

Entspannung, Sprache, medizinische und touristische Qualität und immer wieder das gewisse Quäntchen Extrazeit, das die Ärzte investieren – so will sich Mallorca sein Stück vom Gesundheitstourismuskuchen sichern. „Wir bieten Qualität mit guter Betreuung zu einem
interessanten Preis – und der Urlaubs­aspekt kommt dann noch dazu", sagt Sebastian Beckers.

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