Zecken lauern in Sträuchern und Schafherden

Die Biologin Miriam Monerris nahm erstmals Mallorcas Zecken unter die Lupe. Sie sind wohl etwas harmloser als ihre deutschen Artgenossen

06.07.2016 | 20:23
Schildzecken namens „Rhipicephlaus turanicus" (links) saugen sich gerne an Schafen fest, „Hyalomma lusitanicum" dagegen bevorzugen Igel und Marder.

Wer nach ihnen sucht, hofft in der Regel, nicht fündig zu werden – denn Zecken am Körper sind nicht nur unangenehm, sondern möglicherweise auch gefährlich für die Gesundheit. Die Wissenschaftlerin Miriam Monerris machte sich deshalb auf Mallorca gezielt auf die Suche nach den nur wenige Millimeter großen Tierchen – in Spanien garrapatas genannt –, um herauszufinden, wo auf der Insel welche Zecken vorkommen und welche bakteriellen Krankheitserreger sie übertragen können.

Im Rahmen ihrer nun an der Balearen-Universität vorgelegten Doktorarbeit hat Monerris inselweit zwölf Zeckenarten ausmachen können. Vier davon wurden auf Mallorca erstmals wissenschaftlich erfasst: Ixodes arboricola, Ixodes frontali und Rhipicephalus pusillus, die allesamt der Familie der Schildzecken angehören, sowie Ornithodoros maritimus aus der Familie der Lederzecken.

Unter die Lupe genommen hat die Biologin zum einen verschiedene Schafherden, einmal im Flachland im Inselosten und einmal in einer Bergregion. Bei den Flachland-Schafen konnte Monerris fünf verschiedene Zeckenarten identifizieren, bei den Bergschafen hingegen nur drei. Am häufigsten wurden an den Tieren in beiden Fällen Rhipicephalus turanicus entdeckt, die zur Gattung der Schildzecken gehören. Der Parasitenbefall war bei den Bergschafen mit 84 Prozent sehr hoch, bei den Flachlandschaften lag er bei 66 Prozent.

Zum anderen hat Monerris das Zeckenvorkommen an verschiedenen Stellen an der Küste, in den Bergen und im Inselinneren untersucht. Am geringsten ist es in den Bergen, am höchsten im Inselinneren, was Monerris zufolge an der hohen Anzahl an kleineren Säugetieren und den vielen Viehherden liegen dürfte. Am häufigsten eingefangen hat die Forscherin bei der Probeentnahme mithilfe eines großen Stofftuchs Schildzecken der Gattung Hyalomma lusitanicum. An den untersuchten Vogel- und Säugetierarten fand die Biologin neun verschiedene Zeckenarten. Die meiste Zeckenvielfalt wiesen Marder und Igel auf.

Bei der anschließenden Untersuchung der Zecken auf bakterielle Krankheitserreger hin wurde Monerris in knapp einem Drittel der Fälle fündig. Infiziert waren die Tierchen zum einen mit Borrelien – wobei Monerris nicht auf die Bakterienart Borrelia burgdorferi stieß, die die gefährliche Borreliose oder Lyme-Krankheit verursachen kann und die vor allem vom in Deutschland weitverbreiteten Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) übertragen wird. Zum anderen fand die Forscherin Ehrlichia-Bakterien, die nach dem deutschen Mikrobiologen Paul Ehrlich benannt sind und sowohl bei Menschen als auch bei Tieren, etwa Hunden, Infektionskrankheiten auslösen können, sowie Rickettsien, die beim Mensch unter anderem Fleckfieber verursachen können.

Ob die Zecken auch das FSME-Virus in sich trugen, das zu Hirnentzündung (Frühsommer-Meningo­enzephalitis) führen kann, hat Monerris in ihrer Arbeit nicht untersucht. Dass auch auf der Insel – die anders als etwa der Süden Deutschlands nicht als FSME-Risikogebiet gilt – eine Ansteckung möglich ist, will die Biologin allerdings nicht ausschließen. Um Zeckenbisse zu vermeiden, rät sie, einen großen Bogen um Tierherden und Gebiete mit üppiger Vegetation, insbesondere garriga, die auf der Insel weitverbreiteten Strauchheiden, zu machen.

Bei Wanderungen sollte man außerdem stets lange Hosen tragen – und die Hose am besten in die Socken stecken, wenn solch typische Zeckengebiete passiert werden. Unerlässlich sei es zudem, nach Spaziergängen Kinder und sich selbst nach Zecken abzusuchen und auch das Fell der Haustiere gründlich abzubürsten.

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