Intiminfektionen im Sommer

Wie Frauen möglichst beschwerdefrei durch die Strand- und Poolsaison kommen

08.08.2016 | 08:31
Auch am Beckenrand können Gardnerella, Pilze und Trichomonaden lauern ?
Auch am Beckenrand können Gardnerella, Pilze und Trichomonaden lauern ?

Sommer auf der Insel: So gut wie täglich geht´s ans Meer oder in den Pool. Damit man den Urlaub aber ungetrübt genießen kann, ist es sinnvoll, einige Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. Auch ordnungsgemäß chloriertes Wasser in Pool und Whirlpool schützt nicht zuverlässig vor Bakterien, Pilzen und Co. Bei Frauen kann dies zu Scheideninfektion oder aufsteigender Entzündung von Unterleibsorganen führen. Besonders gefährdet sind Schwangere, ältere Frauen und Diabetikerinnen.

Feuchte Badekleidung sollte möglichst gewechselt oder zügig getrocknet werden, um eine Vermehrung von Keimen in feuchtem Milieu zu vermeiden. Es empfiehlt sich, gegebenenfalls einen Tampon nach dem Schwimmen zügig zu entfernen oder zu wechseln.

Auch die richtige Intimpflege ist wichtig. Der natürliche Säureschutzmantel der Scheidenhaut ist essen­ziell für die Immunabwehr. Der pH-Wert des normalen Scheiden­milieus liegt mit 4,5 bis 5,5 im sauren Bereich. Dafür sorgen Milchsäurebakterien – die normale Besiedelung der Scheide im geschlechtsreifen Alter. Andere Bakterien haben es in einem solchen Milieu schwer, sich zu vermehren. Um diesen Schutz zu erhalten, können Milchsäure-basierte Pflegeprodukte, Scheidenzäpfchen oder Gele angewandt werden, eventuell ergänzt durch Inhaltsstoffe von Kräutern wie Thymian und Gewürznelken. Diese pflegen die Haut im Genitalbereich und wirken wachstumshemmend auf Bakterien und Pilze.

Bei stärkerer Besiedelung der Scheide mit einem bestimmten Bakterium, Gardnerella vaginalis, verschiebt sich der pH-Wert vom ­sauren in den alkalischen Bereich. Es entsteht ein grau-weißer Ausfluss, der typischerweise nach Fisch riecht. Eine Behandlung dieser sogenannten Aminkolpitis erfolgt mit speziellen Scheidenzäpfchen und dauerhaft mit Milchsäurepräparaten. Denn sie neigt dazu wiederzukommen.

Pilzinfektionen machen sich durch weißen, bröckeligen Ausfluss und Juckreiz bemerkbar. Sie zählen mit 40 Prozent zu den häufigsten Vaginalinfektionen bei Frauen. 5–13 Prozent der Frauen erkranken sogar regelmäßig an Scheidenpilz. Hier werden Anti-Pilzmittel in Form von Cremes oder Zäpfchen eingesetzt. Zur Prophylaxe bei chronischem Pilz sind Vaginalkapseln mit Milchsäurebakterien hilfreich. Zurzeit läuft eine Studie, nach der Frauen, die über ein halbes Jahr lang Joghurt mit L. acidophilus zu sich genommen haben, seltener Pilzinfektionen erleiden als Frauen ohne Joghurteinnahme.

Trichomonaden sind einzellige Erreger, die meist durch Geschlechtsverkehr übertragen werden, aber auch durch gemeinsam benutzte Handtücher, in der Sauna oder auch schon mal am feuchten Beckenrand. Oft wird diese Infektion durch eine Aminkolpitis mit dem dafür typischen Geruch überlagert. Die Behandlung erfolgt bei der Frau in der Regel mit speziellen Scheidenzäpfchen, der Partner nimmt parallel dazu den Wirkstoff in Form von Tabletten ein, da es sonst Pingpong-Infektionen gibt.

Gardnerella, Pilze und Trichomonaden haben gemeinsam, dass sie in der Regel zu Juckreiz und Brennen im Genitalbereich führen. Bei einem Drittel bis zur Hälfte ist die Ursache ein Pilz. Daher ist eine frühzeitige sorgsame Ursachenklärung ratsam, um gleich von Beginn an die richtigen Mittel einzusetzen und nicht die sichere diagnostische Abklärung durch eine eventuell begonnene Verdachtsbehandlung zu erschweren. Meist kann ein Blick durch das Mikroskop rasche Klärung schaffen. Gelegentlich sind darüber hinaus Anzüchtung der Keime im Labor und eine Bestimmung ihrer Empfindlichkeit auf Antibiotika erforderlich.

Auch Viren können Genitalinfektionen verursachen, vor allem Herpesviren. Das Herpes-simplex-Virus 1 (HSV1) verursacht meist die Herpesbläschen an den Lippen und anderen Stellen im Kopfbereich, während das HSV2 eher für Infektionen im Genitalbereich verantwortlich ist. Eine Infektion tritt hier hauptsächlich um die Pubertät herum und danach auf, meist durch Geschlechtsverkehr oder anderen engen Körperkontakt, aber auch durch anderweitige Schmier­infektionen mit virushaltiger Flüssigkeit aus geplatzten Bläschen.

Herpesviren bleiben nach einer Ansteckung im Körper. 80 Prozent der Menschen in Deutschland sind HSV1- und 20–30 Prozent HSV2-Träger und damit potenzielle Überträger. Starke sommerliche Sonneneinstrahlung, hormonelle Schwankungen oder eine Schwächung der Immunabwehr können zu einem Aufflammen der Herpesviren und damit zu erneuter Bläschenbildung führen. Die Erstinfektion mit HSV2 kann schwer verlaufen, das Rezidiv ist in der Regel schwächer. Eine Behandlung erfolgt lokal mit Salbe oder Creme. Bei schwereren Verläufen kann die Einnahme von Tabletten über einige Tage erforderlich sein.

Aber nicht jeder Ausfluss bedeutet etwas Schlimmes. Es gehört zur normalen weiblichen Körperfunk­tion, dass, unterschiedlich von Frau zu Frau, Sekret aus Gebärmutterhals und Scheide abgesondert wird. Hormonelle Veränderungen um den Eisprung herum und vor der Periode oder Stress können bei jeder Frau unterschiedliche Wirkung haben. Solange es keine weiteren Symptome gibt, besteht kein Handlungsbedarf. Und sollte es doch zu den beschriebenen Beschwerden kommen, so gibt es gute Möglichkeiten, die Saison auch weiter zu genießen.

Dr. Renate Wiesner-Bornstein ist Frauenärztin an der Clinica Picasso 57 in Palma, Tel.: 971-22 06 66 und 630 720 878, www.clinica-picasso.eu

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