Cooperativa d´Apotecaris: Wo auf Mallorca die Medikamente herkommen

Ein neuer Anbieter macht dem Medikamenten-Großhandel der Cooperativa d´Apotecaris Konkurrenz

22.02.2017 | 02:30
Das Großlager der Cooperativa d´Apotecaris in Palmas Gewerbegebiet Son Castelló verlassen täglich im Schnitt mehr als 50.000 Artikel.
Fotogalerie: So viele Pillen und Döschen haben Sie noch nie auf einem Haufen gesehen.

In einer Apotheke auf Ibiza fehlen an diesem Donnerstagmittag (2.2.) Halstabletten. Das bestellte Päckchen rutscht im Großlager der Cooperativa d´Apotecaris in Palmas Gewerbegebiet Son Castelló aus der Halterung aufs Fließband und einige Meter weiter zusammen mit dem Lieferschein in eine blaue Kiste. Dutzendweise rattern die Kisten über Metallrollen an Sensoren vorbei, manche werden per Hand nachgefüllt, andere reisen direkt in Richtung Verladerampe, wo schon die 25 Lieferwagen bereitstehen.

Der Inhalt der durchschnittlich 4.000 Kisten mit mehr als 50.000 Produkten wird vier Mal täglich in Palma ausgeliefert, zwei Mal täglich ins restliche Mallorca. „Auch wenn eine Apotheke in Capdepera nur eine Schachtel Aspirin bestellt, können wir nicht Nein sagen", so ein Sprecher der Cooperativa d´Apotecaris. Man sei schließlich eine Kooperative, und die rund 400 belieferten Apotheken auf Mallorca, Ibiza und Formentera sind nicht nur Kunden, sondern auch Teilhaber. Kleine Betriebe hätten die gleichen Rechte wie 24-Stunden-Apotheken in Palmas Zentrum oder die großen Krankenhäuser, die nur Kunden, aber keine Teilhaber sind.

Es ist eine altehrwürdige Institution, die seit 1931 besteht und trotz ihrer wirtschaftlichen Bedeutung – die Kooperative ist hinter dem Energieversorger Endesa und der Hotelbranche das umsatzstärkste Unternehmen auf den Balearen – kaum bekannt ist. Einerseits schätzt man Diskretion, in Zeitungsartikeln soll nur der Name des Präsidenten Eladio González genannt werden. Andererseits freut man sich inzwischen über das Interesse der Medien. Denn seit Ende vergangenen Jahres gibt es ernste Konkurrenz in Form der Gruppe Cofares, die der Cooperativa s´Apotecaris einen Teil des Marktanteils von 85 Prozent auf Mallorca, Ibiza und Formentera und des Jahresumsatzes von knapp 170 Millionen Euro abjagen will. Der neue Mitbewerber hat sich noch dazu in Sichtweite des Großlagers niedergelassen – dessen Halle ist vom Versammlungsraum im zweiten Stock aus zu sehen, wo die Gründer der Kooperative ehrwürdig von Gemälden schauen.

„Das war Zufall", meint Carlos González, Präsident der Cofares-Gruppe, gegenüber der MZ – die Zahl möglicher Standorte sei nun einmal begrenzt. Die Balearen seien die einzige Region, in der man bislang als spanischer Marktführer mit einem Anteil von landesweit 26 Prozent nicht präsent war. „Mallorca ist ein interessanter Markt, auch gerade wegen der internationalen Präsenz", so González. Deswegen habe man 5 Millionen Euro investiert und decke aus dem Stand mit zwei täglichen Routen die gesamte Insel ab.

Schon bislang hat Cofares vom Festland nach Mallorca geliefert: Die Holding mit ihren 30 Tochterfirmen ist ebenfalls eine Kooperative und hatte auf den Inseln schon vor der Expansion Teilhaber. Derzeit beliefere man knapp 90 Apotheken auf Mallorca und Ibiza, so González. Das Ziel: ein Marktanteil auf den Balearen von 25 bis 30 Prozent innerhalb von fünf Jahren.

Beim alteingesessenen Platzhirschen gibt man sich angesichts solcher Pläne gelassen, Konkurrenz belebe das Geschäft, heißt es. Dass jetzt eine Erweiterung und Modernisierung des 12.000 Quadratmeter großen Komplexes vorgenommen werde, sei schon vorher geplant worden. Das Sortiment der lieferbaren Medikamente und Mittelchen wächst stetig an – 20.000 Referenzen seien es derzeit. Die Auslieferung der 4.500 am häufigsten nachgefragten Artikel ist inzwischen vollautomatisiert, Roboter suchen sie aus dem Lager heraus. Wegen der Insellage seien die Lagerbestände großzügig angelegt – man stelle sich vor, der Fährverkehr wird durch ein Unwetter unterbrochen. Und falls mal der Strom ausfällt, springen automatisch die hauseigenen Generatoren an.

Die Cooperativa d´Apotecaris bezieht die Medikamente direkt von den Labors, und um im Einkauf günstige Preise zu erzielen, macht die Kooperative inzwischen mit anderen Vereinigungen auf dem Festland gemeinsame Sache. Vor zehn Jahren schlossen sich neun Kooperativen zur Gruppe Farmanova zusammen, im vergangenen Jahr ging diese in der Dachkooperative Bidafarma auf, sie beliefert insgesamt rund 8.000 Apotheken.

Duch die Kooperation habe die Cooperativa d´Apotecaris jedoch ihren eigenständigen Insel-Charakter nicht verloren, wie betont wird. In den fast 80 Jahren Existenz habe man schon viele Umbrüche erlebt und überstanden, heißt es. Daran würden auch neue Phänomene wie der Online-Versand oder ein neuer Mitbewerber nichts ändern.

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