Checkliste für die Pflege auf Mallorca

Keine schöne, aber eine wichtige Frage: Was tun, wenn man als Deutscher auf der Insel hilfsbedürftig wird?

10.03.2017 | 17:25
Auf jeden Fall möchte man möglichst gut betreut sein.

In dem neuen Ratgeber „Sorgenfrei leben unter Spaniens Sonne" gibt der frühere Sozialreferent der deutschen Botschaft in Ma­drid, Rainer Fuchs, Tipps zu Themen wie Wohnsitz, Rente, Erbschaft, Gesundheit und Pflege. Der promovierte Jurist und Ministerialrat a.?D. war auch lange als Referats­leiter für „Internationale und europäische Sozialversicherung" im Bundesministerium für Arbeit und Soziales tätig.

Pflegebedürftigkeit ist ein Thema, mit dem sich niemand gern befasst – solange man wohlauf ist. Etwa drei bis fünf Prozent der Menschen in Deutschland sind früher oder später auf fremde Hilfe angewiesen. Die Pflegebedürftigkeit tritt aber meist erst in höherem Alter auf. Hier die Anteile der deutschen Bevölkerung, die in höherem Alter pflegebedürftig werden:

  • bis 60 Jahre: nur 0,8 Prozent,
  • bei 60–80 Jahre: 4,7 Prozent,
  • über 80 Jahre: 29 Prozent.


Sie sehen, auch im fortgeschrittenen Alter sind die Menschen in der Regel weiterhin aktiv und selbstständig! Und dieser Trend verstärkt sich.

Meist beginnen die Probleme also erst in viel höherem Alter. Und sehr oft mit einem Sturz, gefolgt von längerer Bettlägerigkeit, etwa nach einem Oberschenkel­halsbruch. Die weitaus meisten Menschen möchten in ihren eigenen vier Wänden bleiben, auch wenn sie fremde Hilfe benötigen. So liegt der Prozentsatz der deutschen Heimbewohner bei

  • sechs Prozent der 80- bis ­84-Jährigen,
  • 14 Prozent der 85- bis 89-Jährigen und
  • 28 Prozent der über 90-Jährigen.

Also doch kein Problem?

Mein dringender Rat:

Wenn Mallorca ganz oder zeitweise Ihre neue Heimat geworden ist, treffen Sie bitte rechtzeitig Vorsorge für den Fall, dass Sie einmal auf fremde Hilfe angewiesen sind.

Mein Tipp:

Alle Fragen zur deutschen Pflegeversicherung werden sehr kompetent beantwortet vom Bundesministerium für Gesundheit. Telefon: 0049 (0)30 340 60 66- 02

Vielleicht hilft Ihnen diese kleine Checkliste:

Wollen Sie auch im Fall der Pflegebedürftigkeit in Spanien bleiben? Dann prüfen Sie bitte:

  • Haben Sie genügend Sprachkenntnisse, um mit spanischen Pflegekräften sprechen zu können?
  • Haben Sie auch an den Fall gedacht, dass Ihr Partner nicht helfen kann oder womöglich vor Ihnen verstorben ist?
  • Können Sie eine Pflegekraft finanzieren?
  • Auch mit Ihrer eigenen (Hinterbliebenen-)Rente?
  • Gibt es eine Nachbarschaftshilfe?
  • Helfen Sie anderen Deutschen, die pflegebedürftig sind?
  • Kennen Sie den Standard spanischer Pflegeheime?
  • Können Sie sich vorstellen, dort einmal zu leben?
  • Kennen Sie ein deutsches Pflegeheim in Spanien – und könnten Sie es bezahlen?


Oder aber Sie beabsichtigen, bei Pflegebedürftigkeit nach Deutschland zurückzukehren?

  • Wissen Sie, wohin Sie gehen können oder wollen?
  • Haben Sie noch Freunde oder enge Verwandte in Deutschland?
  • Pflegen Sie Kontakte in die alte Heimat?
  • Denken Sie daran, den Zeitpunkt für eine Rückkehr rechtzeitig zu wählen?

Fallbeispiel:

Erika S. aus Köln ist 82 Jahre alt und lebt seit acht Jahren in ihrem Apartment in Palma. Ihr Mann ist verstorben, und sie bezieht eine kleine Rente, von der sie leben kann, weil die Wohnung bezahlt ist. Nach einem Sturz im
Treppenhaus hat sie einen Oberschenkelhalsbruch erlitten, der nicht verheilen will. Nach einem längeren Krankenhausaufenthalt ist sie wieder zu Hause und weiterhin bettlägerig und hilflos. Sie möchte in ihrem Haus bleiben und nicht in ein Pflegeheim gehen. Ihre Freundin ist während der heißen Sommermonate in Deutschland, andere Deutsche kennt sie nicht. Was kann sie tun?

Antwort:

Zunächst sollte sie beim örtlichen Sozialdienst ihrer spanischen Gemeinde um Hilfe bitten. Wenn niemand sonst helfen kann, wird von dort Hilfe bereitgestellt. Die Telefonnummer kann über den allgemeinen Notruf 112 erfragt werden. Allerdings ist auch hier zu beachten: Voraussetzung sind ausreichende spanische Sprachkenntnisse, denn die Helfer der Gemeinde sprechen zumeist kein Deutsch.

  • Dass vom Sozialdienst ständige ambulante Hilfe in ausreichendem Maße gegeben werden kann, ist eher unwahrscheinlich.
  • Bestenfalls wird man Frau S. in ein staatliches Heim bringen. Die Standards dort entsprechen nicht dem, was wir in Deutschland kennen. Es sind meist eher krankenhausähnliche Bewahranstalten. Dennoch sind Plätze vielerorts kaum verfügbar.
  • Eine Rückkehr nach Deutschland kommt nur mit einem Spezialflugzeug in Betracht. Für diese sehr hohen Kosten gibt es spezielle private Versicherungen. Die gesetzliche Versicherung kommt dafür weder in Deutschland noch in Spanien auf.


Ambulante private Pflege wird heute fast überall in Spanien angeboten. In den Gebieten, in denen viele deutsche Residenten wohnen, gibt es auch deutschsprachige Pfleger. Sie inserieren in den bekannten deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften. Die Kosten für die Inanspruchnahme dieser privaten ambulanten Pflegedienste liegen etwa auf gleichem Niveau wie in Deutschland. Oft reicht die Rente jedoch nicht aus, sie zu bezahlen – was tun?

Frau S. kann deutsches Pflegegeld beanspruchen, das ihr auch nach Spanien gezahlt wird! Dazu mehr in der nächsten Ausgabe!

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