Mallorca-Fliesen bei Immobilienbesitzern weltweit gefragt

Warum auch die Firma Huguet allen Grund zur Freude über den Mies van der Rohe-Architekturpreis 2015 hat

28.07.2015 | 02:30
Vier Monate Arbeit, 44.000 fünfeckige Fliesen: mallorquinischer Bodenbelag in der preisgekrönten Immobilie von Szczecin.

Am Hotspot der Fliesenproduktion auf Mallorca kann man, so man die Augen nicht weit aufmacht, glatt vorbeifahren. Die Firma Huguet liegt versteckt hinter einer Mauer am Südrand der Gemeinde Campos, nur ein Schriftzug in großen Buchstaben verrät, wer hier zugange ist. In mehreren unauffälligen niedrigen Gebäuden produzieren und vermarkten derzeit 18 Mitarbeiter Fliesen und Kacheln mit modernen, aber auch traditionellen Insel-Motiven wie Blüten, Sternen oder Ranken.

Dabei ist die unscheinbare Produktionsstätte im Insel-Südosten jetzt im Fliesen-Business mehr denn je ein Begriff. Die wohl wichtigste europäische Auszeichnung für Architektur, der mit 60.000 Euro dotierte Mies van der Rohe-Preis, ist dieses Jahr an das Büro Barozzi & Veiga aus Barcelona gegangen – für die im Herbst eröffnete blütenweiße futuristische Philharmonie in der westpolnischen Stadt Szczecin (Stettin).
Der Bau sieht einem gerade gelandeten Raumschiff nicht unähnlich und befindet sich auf einem Grundstück, das seit dem Zweiten Weltkrieg brach lag.

„Wir produzierten hier in Campos in vier Monaten 44.000 fünfeckige weißliche Bodenfliesen, mit denen der gesamte Fußboden bewusst ein wenig uneben ausgelegt wurde", sagt die für das Marketing der Firma Huguet zuständige Mitarbeiterin Margalida Barceló. „Außerdem installierten wir futuristische Waschbecken und den meterlangen Empfangstisch an der Rezeption." Mit dem Büro Barozzi & Veiga habe man auch in der Vergangenheit schon zusammengearbeitet. „Die Fliese für Polen heißt Aga und ist anders als die gleich geformte Fliese vom Typ Verena mit mehreren Zentimetern langen Kerben versehen", sagt Margalida Barceló. 22 Stück passen auf den Quadratmeter und bilden ins Auge stechende Sternformen.

Plastikformen und Pulver
Die Arbeiter in Campos stellten die Bodenfliesen mit Hilfe von flachen Plastik-Pressformen her. Sie füllten diese zunächst mit Farben, körnigem trockenen Zement und Marmorpulver. Dann platzierten sie jede Form unter einer besonders leistungsstarken Spezial­maschine, die das Ganze fest zusammenpresste. Danach kamen die Fünfecke eine Woche lang in einen feuchten Raum, wo sie regelmäßig mit Wasser besprengt wurden, bevor es auf der Fähre nach Barcelona und in Lkws nach Polen ging. „Dadurch, dass Feuchtigkeit in das Material zieht, wird es sehr hart, es ist jahrzehntelang unverwüstlich", sagt Toni ­Adrover, der bei dem 1933 gegründeten Familienbetrieb für technische Prozesse zuständig ist. „Öfen benutzen wir nicht."

Die hat man auch noch nie gebraucht, um auf Mallorca Fliesen herzustellen. „Bis vor etwa 100 Jahren hatte jedes Dorf ein bis zwei Fliesen-Fabriken", erzählt Toni Adrover. „Doch als der Tourismusboom in den 60er-Jahren losging und vor allem von Hotels andere Materialien immer stärker nachgefragt wurden, machten fast alle dieser Firmen zu." Übrig blieben Huguet und eine Hand voll Mini-Betriebe. „Wir überlebten, weil wir uns moderneren Einflüssen ­öffneten, uns breiter aufstellten und unter anderem auch Duschwannen herstellten."

Run auf Traditionsfliesen für Immobilien auf Mallorca
Wobei momentan die traditionellen viereckigen bunten Insel-Fliesen namens baldosas hidráulicas wieder beliebter für Immobilien auf Mallorca werden – so beliebt, dass Huguet mittlerweile wieder aufstockt. Die Fliesen werden mit Hilfe von traditionellen Eisen-Pressformen und bis zu fünf Farben hergestellt (ganz früher waren sogar sieben üblich). Auch Räume des Königs-Palastes von Marivent wurden damit bei der letzten Renovierung ausgestattet.

Noch mehr als die Spanier seien Ausländer an diesen Kacheln interessiert, weiß Marketing-Frau Margalida Barceló. „Deutsche, Skandinavier, Schweizer und Briten sind gute Kunden von uns." Auch von dieser Seite kämen verstärkt Aufträge – wie etwa für den gerade unter Federführung der schwedischen Besitzer des Portixol-Hotels im Umbau befindlichen ehemaligen Mallorca Tenis Club in Palma oder auch das vornehme Einrichtungshaus Rialto Living.

Inzwischen exportiert die Firma Huguet sogar schon in ferne Länder wie Australien und Neuseeland. Dort werden auch unorthodoxe Formen nachgefragt: ein- oder mehrfarbige Dreiecke, Rechtecke oder Sechsecke, die auf Wunsch mit klaren geometrischen oder auch mit kubistisch anmutenden Motiven versehen werden. Und derzeit besonders angesagt ist etwas völlig Neuartiges, was vor noch nicht allzu langer Zeit in der Firma ersonnen wurde: Fliesen mit mehreren einfach mal so draufge­träufelten Farbwasserflecken.

Bliebe eigentlich nur, damit auch die Begrenzungsmauer zur Fabrik zu verschönern. Dann würde auch kaum einer mehr achtlos an Huguet vorbeifahren.


Gestatten, Huguet

Die Firma befindet sich am Camí Vell de Ciutat im Westen von Campos. Tel.: 971-65 06 09. www.huguetmallorca.com. Mo-Fr 9-13.30 bzw. 15.30-19 Uhr. Sa 10.30-13 Uhr.

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