La Mola - die Felsnase im rechtlichen Niemandsland von Andratx

Keine Infrastruktur, keine Lizenzen: Die Urbanisation wartet seit Jahren auf eine Lösung. Jetzt bündelt sich der Ärger von Anwohnern und Investoren

15.03.2017 | 09:23
Fotogalerie: Luxus ohne Infrastruktur im Südwesten von Mallorca

Wer den Hafen von Andratx verlässt und mit dem Auto in Richtung La Mola fährt, wechselt schon nach kurzer Zeit in den ersten Gang. Der Asphalt ähnelt einem Flickenteppich, die Schlaglöcher werden auf dem Weg, der sich bergauf zum Leuchtturm schlängelt, immer tiefer. Statt Straßenlaternen stehen am Straßenrand Holz- und Betonpfosten, zwischen denen Stromkabel gespannt sind. Ein Tankwagen kommt gerade heruntergefahren – hier gibt es keine funktionierenden Wasserleitungen, die Anwohner müssen sich selbst versorgen. Auch Gullydeckel sucht man vergebens. Unter den luxuriösen Anwesen mit erhabenem Meerblick, zu denen auch das inzwischen verkaufte Paradiesschlösschen von Carsten Maschmeyer gehört, versehen stattdessen Sickergruben ihren Dienst.

„Wir bekommen ständig Anrufe von Anwohnern und werden gefragt, was denn jetzt passiert", meint Hans Lenz. Nicht, dass der Managing Director bei Engel & Völkers Mallorca Southwest etwas für die Situation könnte. Im Gegenteil, er wartet selbst darauf, dass in La Mola die Kanalisation verlegt wird. Aber nachdem sich das Rathaus in Schweigen hüllt, wird er zum unfreiwilligen Ansprechpartner, auch wenn er nichts Neues vermelden kann. „Seit zwei Jahren haben wir Termine im Rathaus, aber es bewegt sich nichts."

La Mola auf der Felsnase neben dem Hafen ist eine von zehn privaten Urbanisationen, die das Rathaus einst zu Bauland erklärt hatte und die vom teils bis heute ungebremsten Bauboom in Andratx zeugen – jener Gemeinde, in der vor rund zehn Jahren der damalige Bürgermeister Eugenio Hidalgo einen der größten Korruptionsskandale der Insel auslöste. Das schwierige Erbe erklärt zum Teil die heutigen Probleme in La Mola. Hinzu kommen ein Sanierungsprojekt, dessen Dimensionen die Kommunalpolitik überfordern, juristische Streitereien sowie nicht zuletzt eine alles andere als reibungslose Zusammenarbeit zwischen der Baufirma Acciona, die für die Infrastruktur verantwortlich ist, und dem Rathaus von Andratx.

Blockierte Investitionen

Es ist nicht nur das erbärmliche Bild, das die Straßen abgeben. Solange die Infrastruktur der privaten Urbanisation nicht in Angriff genommen wird, kann die Gemeinde auch keine Baugenehmigungen erteilen. Doch während in den anderen Urbanisationen die Arbeiten nach langen Verzögerungen endlich weitgehend abgeschlossen sind, tut sich in La Mola immer noch nichts. Alle Investitionen sind seit Jahren blockiert – und das an einem Standort, der auf Mallorcas Immobilienmarkt in der obersten Liga spielt.

Wie zum Hohn gibt ein Schild, das seit 2009 unten am Parkplatz des Hafens steht, eine Bauphase für alle zehn Urbanisationen von 48 Monaten an. Die Regierung im Rathaus hat seitdem schon zweimal gewechselt, aber in La Mola ist immer noch kein Bagger gesichtet worden. Und Bürgermeister Jaume Porsell lässt sich gegenüber der MZ auch auf keine Zeitangabe ein, wann es so weit sein könnte. „Ich kann nichts machen", so der Politiker der konservativen Volkspartei (PP), „absolut gar nichts."

Die zehn Urbanisationen gammelten seit jeher größtenteils vor sich hin – die privaten Bauträger kümmerten sich nicht oder waren verschwunden, die Gemeinde offiziell nicht zuständig. Während die Preise für die Immobilien und die Zahl vermögender wie auch ­prominenter Ausländer kontinuierlich anstiegen – genannt seien Bond-Regisseur Guy Hamilton, Dieter Wedel oder Helene Fischer –, wurde der Kontrast zum Straßenbild immer größer. Den gordischen Knoten durchschlug 2009 die Mitte-Links-Regierung mit einem ehrgeizigen und komplexen Projekt: Sie beauftragte Acciona im Rahmen eines 44-Millionen-Euro-Vertrags mit Kanalisations- und Straßenbau, bat dafür aber die Anwohner zur Kasse. Die Kosten wurden vorab in vier Quoten und abhängig von der Grundstücksgröße auf die mehr als 2.000 Eigentümer umgelegt.

Was sich ohnehin schon wegen falsch zugestellter Zahlungsaufforderungen, nicht mehr existenter Anwohner oder nicht eindeutig definierter Grünflächen als Dauerproblem erwies, wurde in La Mola – der größten Urbanisation, auf die knapp ein Viertel der Gesamtinvestitionen entfällt – endgültig zum Albtraum. Die einflussreiche katalanische Besitzerfamilie Bascones, die einen beträchtlichen Teil von La Mola urbanisierte, initiierte wegen des Verfahrens eine Klage gegen die Gemeinde und gewann 2012, nachdem die Anwohner zwischenzeitlich die erste Quote bezahlt hatten. Es ging um Formfehler und die Frage, inwieweit vorhandene Infrastruktur verwendet und von der Rechnung abgezogen werden kann.

Folge: Das gesamte Verfahren kam erneut auf den Prüfstand. Gemeinde und Acciona wurde jetzt zum Verhängnis, dass der Vertrag ein Gesamtpaket vorsieht. So ist zu erklären, dass bis heute auch keine andere Urbanisation abgenommen ist – und Acciona noch kein Geld gesehen hat. Dieses verwaltet noch immer treuhänderisch die Gemeinde.

„Ich war von Anfang an dagegen, alle Siedlungen gleichzeitig in Angriff zu nehmen", so Bürgermeister Porsell. „Hätten wir eine nach der anderen gemacht, hätten wir aus den Fehlern lernen können." Warum sich aber mehr als vier Jahre, nachdem das Urteil rechtskräftig wurde, immer noch nichts tut, kann auch Porsell nicht erklären. Das Ziel des Rathauses: In Verhandlungen mit Acciona soll La Mola aus dem Paket herausgelöst werden, um zumindest endlich die neun mit jahrelanger Verspätung fertiggebauten Urbanisationen abnehmen zu können. Dass die Verhandlungen nicht vorankommen, liege an einer langen Reihe kniffliger technischer Probleme, bei denen offensichtlich längst nur noch die Sachbearbeiter durchblicken. „Da geht es um die Tiefe einer Grube, die Stärke einer Wasserpumpe und solche Dinge", meint der Bürgermeister, der sich beim Gespräch fast im Minutentakt von zwei klingelnden Telefonen unterbrechen lässt – im Rathaus scheinen noch mehr Dinge außer Kontrolle geraten zu sein. Acciona sei im Übrigen kein leichter Verhandlungspartner.

Alle warten aufs Rathaus

Bei dem Baukonzern sieht man das etwas anders. „Wir haben schon vor Monaten einen Lösungsvorschlag unterbreitet", sagt Carina Bosch, zuständige Bereichsleiterin bei Acciona, und klingt dabei genauso beherrscht wie verärgert. „Jetzt warten wir darauf, dass die Gemeinde ihn akzeptiert oder einen Alternativvorschlag macht." Auch bei der Frage, ob es ein Kompetenz- oder Ressourcenproblem im Rathaus gebe, bleibt Bosch diplomatisch: „Die Zusammenarbeit zwischen Privatwirtschaft und Kommunen ist nie leicht, es gibt aber auf beiden Seiten guten Willen."

Hinter den Kulissen wird auch über einen kommunalen Sachbearbeiter geschimpft, der sich querlege. Der Bürgermeister will von solchen Personalproblemen aber nichts hören, genauso wenig wie den Vorwurf, dass ihm die ausländischen Residenten in den Urbanisationen – meist Nichtwähler – nicht so wichtig seien. „Mir ist das doch selbst total peinlich." Zwar mögen die Sachbearbeiter nach dem Korruptionsskandal unter Hidalgo entscheidungsscheuer sein und Klagen fürchten. Das verzögere aber ­allenfalls die Vergabe von Lizenzen, so Porsell, und habe mit den jetzigen Problemen in La Mola nichts zu tun.

„Es ist ein bisschen wie beim Topfschlagen", meint Projektmanager Peter Germann vom Bauträger Domus Vivendi empört – wie bei dem Kinderspiel werde immer wieder „heiß, heiß" gerufen, doch die Schläge mit dem Kochlöffel treffen weiter ins Leere. „Was haben die Rathausmitarbeiter bloß die ganzen Jahre gemacht?" Germann steht seit über anderthalb Jahren in intensivem Kontakt mit dem Rathaus, um das 30-Millionen-Euro-Projekt Blue Elements voranzubringen. Auf dem Gelände des abgerissenen Mola Clubs sollen zwei Gebäude mit insgesamt 18 Wohneinheiten entstehen, Blick auf die Cala Marmacen und Meerzugang inklusive.

Der jahrelange Lizenzenstopp betreffe aber nicht nur Bauträger im Luxussegment, sondern alle Anwohner, betont Lenz von Engel & Völkers. In die Jahre gekommene und inzwischen vererbte Häuser auf der ab den 60er-Jahren erschlossenen Felsnase könnten nicht ­umgebaut oder abgerissen werden, Grundstücke kaum verkauft werden, „es gibt ja keine Garantie". Eine Seniorin habe wegen der fälligen Quoten eines von drei Grundstücken verkaufen müssen – ohne dass sich etwas bei der Infrastruktur getan habe, so Lenz: „Wofür zahlen die Anwohner eigentlich Jahr für Jahr ihre Grundsteuern?"

Anhängig sind unterdessen noch mindestens zwei weitere Klagen gegen das Rathaus, wie Anwalt Juan Alemany berichtet – eine davon hatte er im Januar 2015 angestrengt. Sein Argument: Die Quotenregelung sei ein Verwaltungsproblem, das sich nicht auf die Vergabe von Lizenzen auswirken dürfe. Von einem Sieg erhofft sich Alemany, dass das Rathaus angesichts drohender Sanktionen und Entschädigungsforderungen in die Gänge kommt.

Davon würden dann auch die Anwohner der restlichen neun Urbanisationen profitieren. Zwar sind inzwischen zumindest Ses Egos, Ca'n Borras, La Noria und Puig de s'Espart ans Trinkwassernetz angeschlossen. Doch die Eigentümer warten nach Zahlung ihrer vier Quoten noch immer auf die Endabrechnung.

Wenn sich der Ärger bisher noch nicht Bahn gebrochen hat, liegt das wohl auch daran, dass die Urbanisationen keine gewachsenen Siedlungen und viele Anwohner schlecht vernetzte Ausländer sind, die nur zeitweise hier verweilen. Doch eine Initiative der Anwohner auf La Mola sowie Dienstleistern im Hafen wie etwa Anwälten, Maklern oder Hausverwaltern sammelt derzeit die Stimmen der Betroffenen und die wichtigsten Informationen. Damit sich im Rathaus von Andratx doch noch etwas bewegt.

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