Pueblo Español: 26.000 Quadratmeter Kopfzerbrechen

Vor genau 50 Jahren eröffnete in Palma dieser Komplex. Bis heute ist nicht klar, wie man ihn rentabel betreiben kann

17.03.2017 | 14:57

Lange bevor der neue Kongress­palast von Palma konzipiert wurde, kam schon einmal jemand auf die Idee, einen Komplex zu bauen, der genug Platz bietet, um große Veranstaltungen abzuhalten und gleichzeitig eine Touristenattrak­tion ist. Vor genau 50 Jahren wurde in Palma mit Pauken und Trompeten das Pueblo Español eröffnet. Das ging anfangs gut. Sogar ein Hotel wollte man dort errichten und per Brücke mit der Anlage verbinden. Heute steht die riesige Infrastruktur vor einer ungewissen Zukunft. Die mit dem deutschen Immobilienunternehmer Matthias Kühn verbundene Eigentümergesellschaft will hier Luxuswohnungen einrichten, seine Lebensgefährtin Norma Duval, die Geschäftsführerin der Anlage, möchte zudem das Angebot an Veranstaltungen ausbauen. Weder das eine, noch das andere aber ist ganz einfach.

Dabei war die Eröffnung des Pueblo Español am 9. März 1967 ein gesellschaftliches Großereignis. Der Bischof von Mallorca gab seinen Segen, die Insel-Elite strömte herbei. Etwa 2.000 Arbeiter hatten für den Star-Architekten Fernando Chueca Goitia zwei Jahre lang an dem etwa 26.000 Quadratmeter großen Komplex gebaut. Es entstanden 15 Gassen und zwölf Plätze zwischen 72 Nachbauten von bekannten, in ganz Spanien verstreuten Gebäuden. Ob die arabischen Bäder von Granada, der Giralda-Turm von Sevilla, das ehemalige Gefängnis von Segovia oder Córdobas Kapuzinerplatz ? das Pueblo Español war und ist ein architektonischer Themenpark, in dem auf kleinem Raum ganz Spanien
erkundet werden kann. Zu Beginn machte das viel her: Restaurants, Souvenirläden, Kunsthandwerker und Flamenco-Shows warben um die Besucher. Margarita García Coll von der Nachbarschaftsvereinigung Son Espanyolet-Son Cotoneret, damals noch ein Kind, kann sich noch lebhaft an die Busladungen voller Urlauber erinnern.

Doch schon damals begannen auch die Probleme mit den Anwohnern, die sich gegen die Abendveranstaltungen wehrten. Gleichzeitig wurde schnell deutlich, wie schwierig es ist, die abseits der gängigen Touristenrouten gelegene Riesen­anlage rentabel zu betreiben – zumal das anfängliche Interesse schnell erlosch. Zu einem ersten Betreiberwechsel kam es 1975, als die vom Tourismusministerium des Franco-Regimes finanziell unterstützte Betreiberfirma Conextur den Komplex an die Vereinigung der spanischen Sparkassen verkaufte. Fünf Jahre später übernahm dann für 450 Millionen Peseten (2,7 Millionen Euro) die mallorquinische Sparkasse Sa Nostra.

Ein erster von etlichen Wiederbelebungsversuchen setzte auf ein größeres gastronomisches Angebot, eine Theaterschule sowie Künstler­ateliers. Großen Erfolg hatte man damit nicht. Jaume Darder, der die Geschäftsführung 1989 übernahm, entsann sich daraufhin der Ursprungsidee. Er schlug vor, die benachbarte Schule Sagrat Cor zu erwerben, dort ein Hotel einzurichten und es mit dem Pueblo Español zu verbinden. Doch man ließ ihn nicht. „Dabei hätten wir einen attraktiven Kongresspalast mit einer eigenen Infrastruktur hinbekommen", sagte er später rückblickend.

2003 übernahm der damals nur so von Finanzkraft und Medienpräsenz strotzende deutsche Immobilien-unternehmer Matthias Kühn die Anlage. Auch er sollte bald feststellen, wie schwierig es ist, hier Geld einzunehmen. Sein nach und nach entwickeltes Konzept bedeutete das Aus für die Krämer und Kunsthandwerker und lautete: aus dem Pueblo Español eine Art neues Puerto Portals zu machen, mit teuren Läden, schicken Lokalen und einem Fünf-Sterne-Hotel mit 30 bis 40 Suiten.

Doch auch Kühn biss sich am Widerstand der über alles auf ihre Ruhe und ihre Parkplätze bedachten Nachbarschaft die Zähne aus. Vor
allem die noch nicht allzu lange dort lebenden Anwohner hätten sich gegen den Lärm gewehrt, bestätigt die Chefin der Nachbarschaftsvereinigung Margarita García Coll.

Dafür ging das spanische Dorf unter Matthias Kühn in die deutsche Vorstellungs- und Lebenswelt der Insel ein: Hier findet alljährlich der zu einer veritablen Institu­tion gewordene Weihnachtsmarkt statt, hier haben RTL ebenso wie ZDF gedreht, hier feiern Inselradio, Mallorca Zeitung und Mallorca Magazin, hier werden deutschsprachige Handwerker-Messen abgehalten. Und in der 950 Quadratmeter großen und mehr als 3.000 Menschen fassenden Sala Magna sind auch schon deutsche Autos präsentiert worden. Kurzum: Als Deutscher auf Mallorca fühlt man sich im spanischen Dorf mittlerweile ein wenig zu Hause.

Wobei das natürlich nicht reicht, um die Anlage mit Leben zu füllen, geschweige denn um Personal- und Unterhaltskosten zu decken. „Wenn Sie wüssten, was wir hier allein an Grundsteuer zahlen!", stöhnt Kühns Lebensgefährtin Norma Duval. Seit gut einem Jahr bemüht sich die bekannte Schauspielerin und Moderatorin darum, mehr Besucher, vor allem Spanier, in die Anlage zu locken. Sie sprüht nur so von Ideen – Gastro-Messen, Musicals, Comedy, Galas – und ist stolz auf das Erreichte: „Wir haben das hier alles sehr schön hergerichtet – ich wünschte, die Leute kämen, um das zu sehen: Es lohnt sich."

Der 50. Jahrestag wäre dazu eine gute Gelegenheit gewesen, doch wie mit so vielen weiteren Veranstaltungen auch war da nichts zu machen: „Anders als bei anderen Betreibern (ein Seitenhieb auf den Korruptionsskandal in der Ortspolizei, Anm. d. Red., S. 8) werden hier wegen jeder Kleinigkeit sündhaft teure Lizenzen fällig", sagt Duval. „Und auch bei jedem noch so leisen Konzert steht sofort die Polizei vor der Tür." Die anschließende Frage ist berechtigt: „Wozu haben wir dann eigentlich ein Amphitheater und eine Sala Magna?"

Matthias Kühn hofft indes darauf, im Pueblo Español doch noch Luxuswohnungen einrichten zu können („keine Ferienwohnungen", unter­streicht Norma Duval). Ein diesbezüglicher Antrag zur Änderung der Nutzungsbestimmungen liegt der Stadt bereits vor, eine Entscheidung aber ist vor der Verabschiedung eines neuen Raumordnungsplans nicht zu erwarten – und das kann dauern. Zudem pochen die Nachbarschaftsvereine schon jetzt auf ein Mitspracherecht. Norma Duval signalisiert Gesprächsbereitschaft, sagt aber auch: „So wie jetzt ist das Pueblo Español unhaltbar. Es kann doch nicht angehen, dass es zu einem Geisterdorf wird. Die Stadt muss doch etwas davon haben."

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