Herrenhäuser auf Mallorca sollen touristisch vermarktet werden

Die Initiative „Itinerem" will historische Landgüter, sogenannte possessions, vor dem Verfall retten

04.05.2017 | 06:38
Solleric bei Alaró ist nur eine von 1.254 „possessions" auf Mallorca. Ihre Besitzer haben sich dem Projekt „Itinerem" bereits angeschlossen.

Sie sind einer der Schätze Mallorcas, die posse­ssions, die riesigenhistorischen „Besitzungen". Viele davon laufen Gefahr, zu verfallen oder sind bereits nicht mehr zu retten. „Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit", sagt Diego Zaforteza, der 2015 die Kulturerbe-Vereinigung „Asociación Cultural Patrimonio Histórico del Mediterráneo" gründete und nun mit einer Initiative namens „Itinerem" die Landgüter erschließen und vermarkten will.

Zaforteza ist selbst Mitglied jener einflussreichen Familie, der unter anderem der Nobelhafen Port Adriano gehört. Viele seiner Vorfahren waren Großgrundbesitzer, die possessió Alfàbia mit den bekannten Gärten nahe Bunyola befindet sich noch im Familien­besitz. Wie auch noch viele andere der insgesamt 1.254 possessions, die Diego Zaforteza auf einer 1784 von Kardinal Despuig erstellten Karte gezählt hat.

Zunächst "gesellschaftlichen Nährboden bereiten"

Seit einem halben Jahr arbeitet der Betriebswirt Vollzeit an seiner Initiative. „Itinerem" ist mehrstufig aufgebaut. Zunächst will Zaforteza die mallorquinische Bevölkerung mit ins Boot holen. Dazu tingelt der 53-Jährige derzeit von Schule zu Schule und Verein zu Verein, um von der Geschichte der Landgüter zu erzählen. „Ich will erst einmal den gesellschaftlichen Nährboden bereiten. Das ist die Grundlage dafür, dass das Projekt in die zweite Phase geht", erklärt Zaforteza im Gespräch mit der MZ.

Diese Phase sieht vor, dass in den Herrenhäusern Führungen für die Inselbewohner organisiert werden. Die Touren richten sich ausschließlich an Inselbewohner, also etwa auch an deutsche Residenten. „Neben geführten Touren soll es Workshops in den Herrenhäusern geben. Hier bin ich mit Köchen wie María Salinas im Gespräch, die die traditionelle mallorquinische Küche vorführen können." Wie bereits jetzt etwa in Els Calderers (Vilafranca) oder auf dem öffentlichen Landgut Son Real (Santa Margalida) soll auch gezeigt werden, wie früher Landwirtschaft auf den Anwesen betrieben wurde.

Im nächsten Schritt sollen die possessions touristisch besser vermarktet werden. Diego Zaforteza schwebt „eine Art Hotelkette von Herrenhäusern" vor, die alle über eine gemeinsame Buchungsmaschine im Internet reserviert werden können. „Bisher vermarkten sich die Betreiber der an die 300 possessions, die als Hotels oder agroturismos dienen, als Einzelkämpfer", sagt Diego Zaforteza, dessen gleichnamiger Großvater ein bekannter Historiker war. Dessen Bücher hätten dazu beigetragen, dass er sich nach gut 25 Jahren in verschiedenen Unternehmen von der freien Wirtschaft abgewendet habe.

Mit kleinen Reiseveranstaltern arbeiten

Der Mallorquiner möchte bei der Vermarktung der Unterkünfte mit Reisever­anstaltern zusammenarbeiten. „Aber nicht mit so großen wie Tui, die wird unser Projekt nicht interessieren. Und uns interessieren deren Urlauber nicht." Nein, es solle sich um ein exklusives Publikum mit Interesse für die mallorquinische Kultur handeln. Zaforteza ist überzeugt, dass gerade der deutsche Markt „Itinerem" aufgeschlossen gegenübersteht.

Und am Ende soll das Projekt auch Teil einer von bislang 32 von der EU anerkannten Kulturrouten in Europa werden. Dazu hat sich Zaforteza mit Mitstreitern in Italien und Frankreich in Verbindung gesetzt, wo es ähnlich große Landgüter gibt.

Auf Mallorca stellt Zaforteza aber immer wieder fest, dass es nicht so einfach ist, die Eigentümer der possessions von seiner Idee zu überzeugen. Erst mit dreien hat er sich auf eine Zusammenarbeit geeinigt, mit einem Dutzend anderen befinde er sich in vielversprechenden Verhandlungen, aber ein Großteil der Besitzer reagiere noch ablehnend. „Die Besitzer sind ängstlich, etwas Neues zu beginnen und lassen stattdessen ihren Besitz verfallen, denn viele können sich den Unterhalt der Landgüter schon seit Jahrzehnten nicht mehr leisten."

Zaforteza arbeitet mit bekannten Mallorquinern zusammen, etwa Anwalt Guillermo Dezcallar und José Luis del Olmo, ehemaliger Marketing-Leiter von Meliá. Auch possessions-Experte Tomàs Vibot will Zaforteza unterstützen. „Das ist eine sehr wichtige Initiative, und sie geht noch einen Schritt darüber hinaus, was wir als Historiker mit Beiträgen in Zeitungen oder im Internet schon seit Jahren leisten." Vibot will Zaforteza bei den geführten Touren durch die Anwesen unterstützen und sein Wissen weitergeben.

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