Immobilien auf Mallorca: Hier ist noch einiges an Luxus drin

Die Unternehmen der Branche zeigen sich und ihre Häuser zu Pfingsten von ihrer feinsten Seite. Ein Besuch im ohnehin schon teuren Port d´Andratx

02.06.2017 | 10:47
Nobles Anwesen: die Villa am Steilhang nahe Cap Falcó.

Das schwere Eisentor öffnet sich automatisch und gibt den Blick frei auf einen gepflasterten Innenhof mit blühenden Bougainvillea-Sträuchern. Das Haus wirkt von der Eingangsseite her beinahe bescheiden und gemütlich. Der Eindruck ändert sich schnell, wenn man die Villa an der Cala Cap Falcó betritt. Das Wohnzimmer ist ein etwa 60 Meter langer Raum mit einem Tisch, dessen Tischplatte aus der Tragfläche eines Flugzeugs besteht. Die gesamte Front des Hauses in Richtung Meer ist verglast. Der Blick von der Steilküste auf das Wasser dürfte das beste Verkaufsargument sein. Die Eckdaten der Immobilie: 900 Quadratmeter Wohnfläche, sechs Schlafzimmer, sechs Badezimmer, Wellnessbereich mit Spa, Hammam und Sauna, direkter Zugang zum Meer, Endlospool am Steilhang. Preis: 14,9 Millionen Euro.

Es ist sicher kein Zufall, dass das Immobilienbüro Engel & Völkers in Portals Nous die Presse gerade jetzt auf eine Tour durch Luxusimmobilien im begehrten Südwesten einlädt. Pfingsten naht, potenzielle Käufer kommen nach Mallorca. Und die Konkurrenz schläft nicht. Porta Mallorquina eröffnete am Freitag (26.5.) in Port d'Andratx nach dem Umzug ein neues Büro mit zwei neuen Lizenzpartnern, und auch Minkner & Partner verfügt seit Anfang des Jahres über eine neue Niederlassung in Port d'Andratx, gleich hinter der Fischbörse.

Das Kerngeschäft, das ist hier in Port d'Andratx und Umgebung im Preissegment zwischen einer und fünf Millionen Euro angesiedelt. Noch attraktiver ist aus Sicht der Immobilienunternehmen aber der Verkauf von noch wesentlich teureren Objekten. So konkurriert man hier um eine wachsende Gruppe von sehr reichen Menschen, die für eine Mallorca-Villa 20 Millionen Euro bar auf den Tisch legen. Oder auch noch mehr. Diese Käufer benötigen keine Hypotheken, hier sind es – verkehrte Welt – laut den Maklern die Banken, die Schlange stehen, um in Zeiten von Niedrigzinsen vielleicht doch den ein oder anderen mit einem günstigen Kredit zu locken. Diejenigen, die so vermögend sind und auf Mallorca kaufen, was das Zeug hält, sind Deutsche, Engländer, Schweizer, Schweden und Dänen. In jüngster Zeit kommen auch wieder mehr Spanier hinzu – und immer wieder auch Südafrikaner.

Inzwischen gibt es die 20-Millionen-Immobilien

Lutz Minkner bestätigt den Trend nach Immobilien im 20-Millionen-Bereich. „Vor drei, vier Jahren konnten wir diese Anfragen überhaupt nicht zufriedenstellend beantworten. Inzwischen haben die Bauträger den Mangel erkannt und einige Villen dieser Größenordnung gebaut." Sie stehen vor allem im Gemeindegebiet von Andratx – auf zusätzlich noch sündteurem Boden. Bis zu 27.000 Euro pro Quadratmeter werden beispielsweise in der Cala Marmaçen fällig.

Der Gedanke, dass eine Immobilienblase entstanden sein könnte, wird von den Maklern energisch verneint, so wie von Nils Fara von Fara Homes in Port d'Andratx. Nein, die Preise würden so schnell nicht fallen. Im Luxussegment im Südwesten habe es ohnehin nie einen Preissturz gegeben. „Am Höhepunkt der Wirtschaftskrise hatten wir lediglich eine leichte Delle, aber seitdem geht es jedes Jahr weiter
nach oben."

Als Fara 2004 auf der Insel aufschlug, war in Port d'Andratx eine einfache Villa noch für eine Million Euro zu bekommen. „Jetzt kriegt man unter 2,5 Millionen Euro überhaupt nichts mehr." Die meisten Häuser bewegten sich im Bereich zwischen vier und zehn Millionen Euro. Aber auch jenseits der Zehn-Millionen-Grenze stiegen die Anfragen und Verkäufe.

Fara geht davon aus, dass in diesem Jahr im Südwesten die langjährige Marke von drei bis vier verkauften Objekten im Wert von über zehn Millionen Euro deutlich geknackt wird. Allein bei Engel & Völkers kommt man schon fast an diese Zahl heran, wie der Managing Director für den Südwesten, Hans Lenz, berichtet. Zwei Verkäufe in dieser Größenordnung habe man dieses Jahr bereits abgewickelt, für eine der Villen gebe es eine konkrete Anfrage. Auch Minkner berichtet bereits von einem Verkauf von deutlich über zehn Millionen Euro in diesem Jahr.

56.000 Quadratmeter für 12,5 Millionen Euro

Weiter geht es mit Engel & Völkers zum nächsten Objekt – ein großzügiges Anwesen am Coll Baix nahe Port d'Andratx. Ein deutscher Unternehmer ließ hier 2002 ein Landhaus im Stile einer mallorquinischen possessió bauen. Jetzt will er es verkaufen. Zunächst habe er 19 Millionen Euro gefordert, es habe sich kein Käufer gefunden, so Hans Lenz. Jetzt ist es für 12,5 Millionen Euro auf dem Markt. „Das Haus wird spätestens im Sommer verkauft, der Preis ist mehr als wettbewerbsfähig", sagt eine Mitarbeiterin von Engel & Völkers. Zusätzlich zum Haupthaus gibt es noch einen 56.000 Quadratmeter großen Garten mit mehrere Hundert Jahre alten Olivenbäumen und einen 25-Meter-Pool mit eigenem Poolhaus.

Engel & Völkers vermarktet im Südwesten derzeit mehrere größere Neubauprojekte. Auf eines am Cap Adriano ist man so stolz, dass es innerhalb von einem Jahr nun schon zum zweiten Mal der Presse präsentiert wird.

Geändert hat sich im Lauf der Jahre der Kundenkreis. Waren es bis vor etwa 15 Jahren hauptsächlich wohlhabende Unternehmer oder Aufsichtsräte ab 55, seien es heutzutage durchaus auch mal Paare Mitte 30, die einen zweistelligen Millionenbetrag für eine Villa ausgeben können. „Das sind vor allem Internetmillionäre und Investmentbanker", erklärt Nils Fara. Und Joachim Semrau, der Vorstandsvorsitzende der ­Franchisekette Porta Mondial, fügt hinzu: „Auch immer mehr Fußballer, vor allem aus der Bundesliga, kommen auf den Geschmack von Mallorca. Früher wären sie hier nur zum Feiern hingekommen."

Dreistellige Millionenbeträge zahlt man auf Mallorca (noch) nicht

Bei Porta Mallorquina seien derzeit vor allem Skandinavier stark vertreten. „Von drei bis fünf spontanen Kundenbesuchen, die wir etwa am Tag haben, sind mindestens zwei Skandinavier", sagt der für Port d'Andratx zuständige Lizenzpartner Markus Schreurs.

Mögen die luxuriösen Mallorca-Villen auch noch so weit außerhalb des Budgets eines Normalsterblichen liegen – im internationalen Vergleich der Superreichen geht noch deutlich mehr. Immobilien, die für 200 Millionen Euro und aufwärts den Besitzer wechseln, wie es etwa in Hongkong oder Singapur inzwischen vorkommt, gibt es auf Mallorca noch nicht. „Diese Klientel zieht es immer noch eher nach Südfrankreich oder Marbella", sagt Nils Fara.

Das teuerste Wohnhaus in Europa soll an der Côte d'Azur stehen. Nach Medienberichten steht die „Villa Leopolda" derzeit für rund eine halbe Milliarde Euro zum Verkauf. Es gibt auch Berichte, nach denen ein russischer Milliardär das Anwesen bereits 2008 für diese Summe gekauft hatte.

Das spektakulärste Einfamilien­haus der Welt dürfte indes das Anwesen des indischen Multimilliar­därs Mukesh Ambani in Mumbai sein. Das 173 Meter hohe Gebäude wartet unter anderem mit sechs Stockwerken Tiefgarage, einer eigenen Autowerkstatt, mehreren hängenden Gärten, einem Kino mit 50 Plätzen, drei Hubschrauberlandeplätzen und einer Kühlkammer auf, in der es bei Bedarf von der Decke schneien kann. Die Baukosten könnten sich auf bis zu eine Milliarde US-Dollar belaufen haben.

Davon ist man, wie gesagt, auf Mallorca noch weit entfernt. Dabei sei es keineswegs so, dass die Superreichen einen Bogen um die Insel machten, sagen die Immobilien­agenturen. „Aber wir müssen da passen, wenn jemand zwölf Zimmer braucht. Das haben wir nicht im Angebot", erklärt Hans Lenz. Und die zwölf Zimmer seien bei Kunden dieser Kategorie nötig: vier Kinder, zwei Nannys, ein Koch, sonstige Bedienstete. Da stoßen die Mallorca-Makler mit ihren Villen schnell an die Grenzen des Machbaren. Mehr als fünf bis sechs Zimmer gibt es selbst in den Bereichen 15 bis 20 Millionen Euro nicht. Dazu aber jeden erdenklichen anderen Schnickschnack.

Im „Ojo del Mar" in Port d'Andratx, das in Kürze fertiggestellt sein wird, wartet ein voll ausgestatteter kleiner Kinosaal auf seine Besitzer. Beinahe überflüssig zu erwähnen, dass es auch einen eigenen Fitnessraum gibt. Und einen echten Olivenbaum, der in der Vorhalle des Wohnzimmers aus dem Boden wächst. Die Kunden wollen sich schließlich vergewissern, dass sie auf Mallorca sind.

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