Immobilien auf Mallorca: Grundstein für neue Wohnungen

Es wird wieder mehr gebaut auf der Insel. Doch wegen des Mangels an Bauland und strenger Restriktionen sind günstige Objekte Mangelware

08.02.2018 | 09:38
Bauhelme auf, es geht los.

Bauträger kritisieren Amtsschimmel

  • Die Bauträger beklagen sich über übermäßige Verzögerungen bei der Vergabe von Baugenehmigungen. „In Palma beträgt die Wartezeit derzeit über acht Monate", sagt Luis Martín. Dabei schreibe das Gesetz eine maximale Bearbeitungszeit von drei Monaten für die Genehmigungen vor.
  • Laut Martín hängen Projekte im Wert von mehr als 700 Millionen Euro in der Warteschleife.
  • Palmas Baudezernent ­José Hila verweist darauf, dass Anfang Februar zwei neue ­Architekten eingestellt werden. Künftig werden sich dann acht statt fünf Sachbearbeiter um die Vergabe der Genehmigungen kümmern.
  • 2017 habe man zudem bereits 15 Prozent mehr Lizenzen vergeben als im Vorjahr, so Hila.
  • Doch die Bauträger kritisieren nicht nur den Personalmangel im Rathaus, sondern auch die Arbeitsweise der Behörde. So dauere es teilweise bis zu einem Monat, ehe Dokumente von einer Abteilung zur nächsten per Post zugestellt würden.

Die Zeichen auf Mallorca stehen wieder auf Baulärm. Die Bauwirtschaft ist nach Jahren des Beinahe-Stillstands wieder ins Rollen gekommen. „Wir dürften die Wirtschaftskrise hinter uns gelassen haben", sagt Mateo Moyá, Sachbearbeiter der mallorquinischen Baukammer.

Im vergangenen Jahr wurde mit dem Bau von 1.783 neuen Wohnungen auf der Insel begonnen. Das bedeutet ein Wachstum um 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, als es 1.318 Neubauwohnungen waren. „Die Zahlen sind wieder im normalen Bereich", bestätigt Luis Martín, Vorsitzender der balearischen Vereinigung der Bauträger. „Angesichts des Bevölkerungswachstums muss Mallorca aber noch die Rückstände aus den Jahren zuvor ausgleichen, in denen es kaum Neubauprojekte gab."

Finanzstarke Ausländer

Bedient werden dabei zwei unterschiedliche Märkte: der der wohlhabenden Ausländer und der der Einheimischen. Ersterer Markt war von der spanischen Immobilienblase nicht wirklich betroffen. Einheimische haben hingegen zwischen 2007 und 2015 kaum noch Immobilien gekauft.

Auch im Zeitraum von Januar bis September 2017 gingen laut einer Studie von BBVA Research 30 Prozent der verkauften Wohnungen und Häuser an Ausländer. Mit diesem Anteil liegen die Balearen spanienweit hinter Alicante und Teneriffa auf dem dritten Platz.

Vielen Mallorquinern fehlt weiter das Geld, um bauen zu lassen. „Günstige Wohnungen gibt es derzeit kaum auf dem Markt", sagt Martín. „Für den Kauf einer Neubauwohnung muss ein Mallorquiner im Schnitt 15 Jahre arbeiten, spanienweit sind es nur 8 Jahre." Zudem gewährten die Banken nach den schlechten Erfahrungen während der Krise nur noch einen Kredit in Höhe von höchstens 80 Prozent des Kaufpreises. „Diesen Eigenanteil können viele
Mallorquiner nicht stemmen."

Neue Projekte gefragt

Derzeit werden etliche Neubauwohnungen verkauft, die vor und während der Krise gebaut worden waren, sich aber zunächst als Ladenhüter erwiesen. „Die Bauträger haben mittlerweile nichts mehr, was sie ­verkaufen können, und planen daher neue Projekte", erklärt Moyá. „Zudem machen steigende Mieten den Hauskauf wieder lukrativer." Im vergangenen Jahr sind die Mietpreise laut Martín im Schnitt um mehr als 15 Prozent gestiegen.

Eines dieser Projekte hat der Bauträger Gestilar aus Madrid begonnen. 400 hochwertige Wohnungen sollen in Palmas Viertel Nou Llevant entstehen. Der Grundstein wird laut den Plänen im April oder Mai gelegt, die Gesamtnutzfläche des Projekts beläuft sich auf 55.300 Quadratmeter. Knapp 123 Millionen Euro lässt sich das Unternehmen den Bau kosten. Der Konzern hat bei der Vermarktung vorrangig zahlungskräftige Ausländer im Blick.

Mangel an Bauplätzen

Als Bremsklotz für den Bau neuer Wohnungen dürfte sich allerdings der Mangel an geeigneten Baugrund erweisen. „Da es immer weniger Bauland gibt, sind die Grundstückspreise gestiegen", sagt Martín. Zwischen 2.000 und 2.500 Euro kostet der Quadratmeter in Palmas Zentrum, so der Vorsitzende der Bauträgervereinigung. Günstiger kalkulieren lässt sich nur im Umland. „In Son Ferriol etwa beträgt der Quadratmeterpreis an die 500 Euro."

Der Mangel an Bauplätzen führt dazu, dass praktisch keine Neubauwohnungen in der unteren Preisklasse auf den Markt kommen. „Die Leute würden Schlange stehen für Objekte unter 200.000 Euro", so Martín. „Ich befürchte, dass wir zu viele Häuser für wohlhabende Käufer bauen."

Das spiegelt sich auch in der Statistik der begonnen Bauvorhaben des vergangenen Jahres wider. 934 Einfamilienhäuser mit einer Nutzfläche von gut 290.000 Quadratmetern stehen 849 Mehr­familienhäusern mit 137.406 Quadratmetern gegenüber.

Ein Problem beim Bau der Mehrfamilienhäuser sind nach Ansicht der Bauträger auch die Auflagen der Rathäuser. „Diese sind zum Teil noch aus den 80er-Jahren", kritisiert Martín. Nicht nur die Zahl der Häuser, auch die Zahl der Stockwerke sei zu stark begrenzt. „Damals wurden 120 Quadratmeter große Wohnungen für bis zu fünf Personen gebaut. Heute ist die Nachfrage nach halb so großen Wohnungen größer. Für sie geht aber die Kostenkalkulation nicht auf." Gleiches gelte für Häuser mit wenigen Stockwerken. „Die rentieren sich nicht. In Palmas Carrer General Riera gäbe es genug Platz für Häuser mit elf Stockwerken. Das Gesetz erlaubt aber höchstens sechs."

Die Regierung will unterdessen mit dem verstärkten Bau von Sozialwohnungen gegensteuern. Bis 2020 sollen 1.800 Wohnungen entstehen. „Wir haben eine Warteliste von 2.000 Familien", so vor der Landesminister für Raumordnung Marc Pons. Der Bau von 511 Wohnungen soll noch in diesem Jahr beginnen. Ein Projekt davon ist in Palmas Viertel El Molinar. In 57 Wohnungen sollen einkommensschwache junge Erwachsene zusammen mit älteren Mitmenschen leben. Auf drei Stockwerken entstehen Einraumwohnungen mit 40 und 50 Quadratmetern.

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