L´Escrivania: Einkehr in der Aprikosenhochburg

Das L'Escrivania in Porreres ist Laden, Restaurant und Bar zugleich. Dahinter steckt ein engagierter Jungunternehmer, Gabriel Mora

19-05-2011  
Gabriel Mora in seinem Restaurant
Gabriel Mora in seinem Restaurant Foto: Bendgens

MARTINA ZENDER Ein Haus mit Geschichte, eine Familie mit Aprikosenherz, Teller mit delikaten Speisen – in Porreres bietet sich seit kurzem eine harmonische Kombination mit dem überaus motivierten Gabriel Mora im Mittelpunkt. Seine Familie baut – wie früher so viele in Porreres – schon seit Urzeiten Aprikosen an.

Vor viereinhalb Jahren gründete der 32-Jährige seine Firma Can Parri, die beispielsweise in belgischer Schokolade (70 Prozent Kakaoanteil) getunkte Trockenaprikosen verkauft. Die Früchte, von Hand gelesen und nach alter Tradition getrocknet, sind ein Gourmetprodukt, das über die Feinkostgeschäfte der Insel vertrieben wird.

Doch Mora wollte auch in Porreres einen Laden für seine Produkte aufbauen. Und nicht nur das: Der studierte Anglistik-Philologe, gelernte Koch und Jungunternehmer gestaltete eine ehemalige Bar am Rathausplatz neu. Neun Monate dauerte der Umbau, bis im März ein Schmuckstück eröffnet werden konnte – Restaurant, Café und Laden in einem.

Ein Blick auf die Tische genügt, um etwas über die Geschichte des Gebäudes zu erfahren. Die Tischplatten sind mit Fotofolie bezogen und erzählen sie: Man sieht schreibende Hände (wie der Name L´Escrivania schon sagt, war hier ursprünglich eine Schreibstube untergebracht), erkennt Details einer Fleischerei, eines Fischladens, Hände, die Gefängnisgitter umklammern und sieht eine Likör-flasche samt Gläsern – stellvertretend für die vorletzte Nutzung als Bar. Und schließlich das Hier und Jetzt: die Aprikosen schneidenden Finger des Onkels. Schon allein diese Details lassen erkennen, mit welcher Akribie und Leidenschaft Gabriel Mora ans Werk gegangen ist.

Gleiches gilt auch für die Küche, die Mora aktuell noch während der Woche mit einem Helfer alleine führt – allerdings ohne Abendessen. Am Wochenende hingegen ist auch abends geöffnet, dann mit Arsenio ­Fuentes, Moras Lehrmeister an der Hotel- und Gastrofachschule. Die mallorquinisch-mediterrane Karte ist gelungen zusammengestellt, das Angebot reicht vom Frühstücksbocadillo bis zur Aprikosen-
Ensaimada.

Der Renner ist aktuell des Mittagsmenü. Für sehr günstige 10 Euro („dies gilt in der Anfangszeit, demnächst werde ich wohl auf 12 Euro erhöhen") speist man auf hohem Niveau schwarzen Reis mit Pilzen und Muscheln oder gemischten Salat mit Iberico-Schinken als Vorspeise und Rinderbäckchen oder Spanferkel im Hauptgang.

Die Aprikosen als Grundthema des Lokals finden sich in Beilagen, Saucen, Füllungen sowie logischerweise in Nachspeisen. Die elterliche granja versorgt das Restaurant mit diesen Früchten, aber auch mit anderem Obst, Gemüse und Kartoffeln. Ein Teil der Produkt wird auch im
integrierten Laden verkauft, der darüber hinaus auch andere Insel-Delikatessen und Wein bereithält.

Ein Teil des bisherigen und wohl auch zukünftigen Erfolgs ist sicher die Familienharmonie, die das Ganze ausstrahlt. „Ohne den Rückhalt von Familie und Freunden wäre ich nicht so weit", meint Gabriel Mora bescheiden. „Mein Großvater hat mich mit in die Aprikosen genommen und mir alles beigebracht. Er hat viel erzählt und mir unsere Heimat nahegebracht." Gabriel Moras Liebe zu seinem Dorf und den berühmten Aprikosen hat mit Can Parri und dem neuen Restaurant einen vorläufigen Höhepunkt erreicht, aber wer diesen engagierten Mann kennenlernt, weiß, dass noch viele gute Ideen der Verwirklichung harren.

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