&bdquoDas hohe Lied" - Vladimir Galatsky in der Galería Minkner

20-03-2008  
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Stumme Verzückung: ýEster", ein Gemälde des russischen Malers Vladimir Galatsky.  Nele Bendgens

Seine Gemälde in der Calle Catalunya 5 in Palma erinnern an Ikonen im alten Russland und an eine stille Frömmigkeit. Gleichzeitig sind sie mehr, brechen die strenge biblische Malerei durch surreale Symbole auf. Ein Fisch am Himmel, Tränen an einem Baum und schleierhafte, fantastische Landschaften. In den Farbkompositionen und Motiven des jüdisch-russischen Malers Vladimir Galatsky sind Anlehnungen an Maler wie Gustav Klimt und Marc Chagall zu entdecken. Ein diffuses, kraftvolles und häufig warmes Licht umgibt die Figuren auf den Bildern, die zumeist in stummer Betrachtung verharren. 

Von Nina Kuschniok

„Das hohe Lied" - so der Titel der Ausstellung, unter dem rund 20 Werke, zumeist Ölgemälde, in der Galería de Arte Minkner in Palma zu sehen sind. Sie bilden den Auftakt zu einer Reihe mit osteuropäischen Künstlern, die zum zehnjährigen Jubiläum der Galerie in diesem Jahr eingeladen werden.

Los geht es mit dem 1929 in Moskau geborenen Galatsky. Dass der Maler sich bei seinen Bildern an Motiven aus der Bibel orientiert, hängt eng mit der Biografie des 1975 aus der damaligen Sowjetunion emigrierten Künstlers zusammen. Kreml-Chef Nikita Chruschtschow höchstpersönlich war Ende der 60er Jahre auf Galatskys Werke aufmerksam geworden. Er stufte sie als nicht-regimekonform ein. „Meine Arbeiten waren in den Augen der Partei nicht realistisch genug, ich wurde zur Persona non grata erklärt", erzählt der Maler.

Galatsky musste sich überlegen, ob er weiterhin in der Sowjetunion bleiben wollte. Zunächst ging er seiner Arbeit als Buchillustrator nach und malte offiziell so, wie es die Partei erwartete. In seiner Freizeit jedoch entstanden jene Bilder, die er vor seinem inneren Auge hatte. „Gut, dass Stalin nicht mehr da war. Unter ihm wäre ich in Sibirien gelandet."

Trotzdem wurde massiv Druck auf ihn ausgeübt: Galatskys Frau verlor ihre Arbeit am soziologischen Institut an der Moskauer Universität. Das Leben in der Sowjetunion wurde für die beiden immer unerträglicher. Als sie dann das Land verließen, fühlte sich Galatsky, aus der Heimat verstoßen, zum ersten Mal an seine jüdischen Wurzeln erinnert. Israel kam für ihn als Ziel nicht in Frage. „Ich wollte dahin, wo Schnee liegt." So zog er mit seiner Frau nach Stockholm. Im Exil ändere er seinen Malstil und wendete sich unter anderem ­biblischen Motiven zu. „Aber wenn Sie mich jetzt fragen, ob ich ein gläubiger Mensch bin oder nicht, kann ich Ihnen nur antworten: Über Religion spreche ich nicht!", sagt er im Gespräch mit der MZ.

Bei einer Ausstellung 1995 in Moskau kamen ehemalige Kollegen auf ihn zu und sprachen ihn auf die positive und helle Stimmung in seinen Bildern an, die im Exil entstanden waren. „In der Sowjetunion seien meine Bilder viel düsterer und böser gewesen." Die vielen Betrachtern ins Auge springenden Anklänge an seinen Landsmann Marc Chagall möchte Galatsky nicht gelten lassen. „Ich wundere mich, dass ich immer darauf angesprochen werde. Das Einzige, wo ich eine Parallele sehe, ist unsere Nationalität.

„Das hohe Lied", Ausstellung vom 20. März bis 9. Mai, Vernissage mit russischer Musik am 20. März, 20 Uhr, C/. Catalunya, 5, Palma, Eintritt frei.

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