Die Erleuchtung der spanischen Avantgardisten

31-01-2008  
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Gegenwarts-kunst auf die Straße gebracht: Chema Alvargonzález fotografierte sein Dreirad an verschiedenen Orten in Palma. MZ

Von Nina Kuschniok

Im Dezember ist er noch mit seinem roten Dreirad durch Palmas Straßen gefahren - aufmontiert ein rot leuchtender Schriftzug Visible (sichtbar). Die Bilder, die auf den Touren des spanischen Gegenwartskünstlers Chema Alvargonzález entstanden sind, zeigt das zeitgenössische Museum Es Baluard ab dem 1. Februar in seiner Ausstellung „Light Messages". Neben Alvargonzález hat Kuratorin Marie-Claire Uberquoi noch zwei weitere hochkarätige spanische Künstler für die Ausstellung zum vierten Geburtstag des Museums gewinnen können: den Madrider Daniel Canogar und den Mallorquiner Bernardí Roig. „Es ist kein Zufall, dass wir die Werke der drei Künstler zusammen vorstellen"? so die Kuratorin. Alle drei arbeiten mit neuen Medien, nutzen Videos, Fotos und Installationen. Im Mittelpunkt ihrer Lichtinstallationen steht der Mensch und seine Umwelt. Entstanden sind drei sehr unterschiedliche Werkserien.

Kunstlicht reflektiert und beleuchtet die Figuren von Bernardí Roig, die den einsamen und in Existenzängsten gefangenen Menschen darstellen. Die experimentelle Ausleuchtung potenziert die zumeist in theatralischen Posen dargestellten weißen Figuren. Das harte, weiße Licht spielt mit Attributen wie Aggressivität und Erotik. So erlaubt der Künstler einen unverstellten Blick auf die Figuren. Bei Roig, 1965 in Palma geboren, wird der Betrachter zum alles erkennenden Pathologen und Voyeur.

Die Fieberglasinstallationen von Daniel Canogar, geboren 1964 in Madrid, wirken hingegen zunächst verspielt und ziehen den Betrachter in eine irreale Welt. Canogar stellt in seinen Werken den menschlichen Körper in seiner Verletzlichkeit dar. Für seine Arbeiten hat sich der Gegenwartskünstler von einer technisierten Umwelt inspirieren lassen. Für einen Avantgardisten ungewöhnlich ist der hohe ästhetische Ausdruckswert in seinen Werken. Damit hebe er sich von vielen Künstlerkollegen ab, die in den vergangenen Jahren verstärkt ästhetische Konzepte durchbrochen hätten, meint Kuratorin Uberquoi.

Eng mit Palma verbunden
Am engsten mit Palma verbunden sind die ausgestellten Werke von Chema Alvargonzález. Der 1960 in Jerez de la Frontera geborene Künstler arbeitet seit Jahren mit Lichtinstallationen und Schriftzügen in öffentlichen Räumen - unter anderem im Künstlerhaus Tacheles und an der Hochschule der Künste (jetzt: Universität der Künste) in Berlin. „Mich interessiert, woher das Licht kommt und was es bewirkt ebenso wie seine metaphorische Ebene"? erzählt der Künstler, der zwischen der deutschen Hauptstadt und Barcelona pendelt.

In Lichtboxen präsentiert er seine übergroßen Diapositive und beleuchtet Plätze und Orte in Palma, wie etwa den Hafen, das jüdische Viertel und das Es Baluard. Auf den Fotos ist auch das Dreirad mit dem Schriftzug zu sehen. „Ich versuche, den alltäglichen Blick der Menschen auf ihre Umgebung zu stören, sie aus ihrer Gewohnheit herauszuholen und ein neues, bewusstes Schauen zu ermöglichen." Es ist ein Spiel zwischen Bewusstem und Unbewusstem, bei dem das motorisierte Dreirad als Blickfang eine zentrale Rolle spielt.

Zum ersten Mal zeigt ein Museum die drei Avantgardisten zusammen. Dabei wäre bereits jeder für sich genommen einen Besuch wert. „Es wird spannend zu sehen, in welchen Dialog die Werke miteinander treten"? so Alvargonzález im Gespräch mit der MZ.Canogar, Roig und er haben seit Ende der 80er Jahre die figürlich-plastische Darstellung geprägt. „Die drei sind Stellvertreter für eine junge, kosmopolitische Bewegung und ihre Arbeiten reflektieren die Entwicklung der Kunst der vergangenen 15 Jahre"? so Uberquoi.

„Light Messages" mit Chema Alvargonzález, Daniel Canogar, Bernardí Roig im Es Baluard, Museum für zeitgenössische Kunst in Palma. Vernissage am 1. Februar, 20 Uhr. Ausstellung bis 1. Juni.

In der Druckausgabe lesen Sie außerdem:
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