Fundación March: Die weite Welt des Andreas Feininger 

17-04-2008  
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Feiningers Blick über Manhattan (1941) und in den Brustkorb eines Gorillas (1951).  Foto: A. Feiniger Archiv/TimeLife/Getty Images

Er war ein Pedant, aber ein sympathischer. Seine ultraprofessionellen Fotos sollten nicht einschüchtern, sondern dem Betrachter eine neue Welt schenken. Und das ist Andreas Feininger zweifelsfrei gelungen. Zum Beispiel, wenn er uns den Brustkorb eines Gorillas von innen zeigt. Dieses Foto von 1951 ist zusammen mit 70 weiteren Werken Feiningers noch bis zum 23. Mai in einer Ausstellung der Fundación Juan March in Palma zu sehen.

Von Jutta Christoph

Überproportional groß und geheimnisvoll beleuchtet, werden die Knorpel und Knochen des Gorillas plötzlich zu einem Kunstwerk.
Die Retrospektive konzentriert sich dabei weniger auf die Naturstudien des Künstlers, denn neben dem Gorillabild gibt es nur noch einen Libellenflügel und ein Schilfrohr zu betrachten, beides Ultranahaufnahmen. In den übrigen drei Ausstellungsräumen hängen hauptsächlich Feiningers Arbeiten aus New York, einer Stadt, die er ab Mitte der 40er Jahre aus allen Perspektiven ablichtete. Auch in diesen Bildern wohnt eine Leidenschaft, die Welt neu zu entdecken.

Immer wieder zeigt der Künstler, wie die alltäglichen Dinge wirklich aussehen. Dafür baute er sich spezielle Teleobjektivkameras, mit denen er die Bilder einfangen konnte, die er haben wollte. Eine normale Kamera hätte Aufnahmen von Objekten gemacht, die im Vordergrund groß und nach hinten immer kleiner geworden wären. Seine Teleobjektiv­linsen funktionieren hingegen wie ein Fernglas: Der ­Vorder- und Hinter­grund erscheint in realistischen Proportionen, die Bilder bekommen etwas Dramatisches.

Feiningers New York-Zyklus ist neben der großen Fotokunst auch zeitgeschichtlich höchst interessant. So zeigt die Fundación Juan March zum Beispiel Aufnahmen der 5th Avenue in den 1950er Jahren oder das Empire State Building - fotografiert über einen Acker von New Jersey hinweg.
Feiniger nutzte nicht nur ungewöhnliche Perspektiven und Belichtungszeiten, um seinen Bildern etwas Surreales einzuhauchen. Nebel, Rauch und Dampf waren beliebte Zutaten, wenn es um die perfekte Bildkomposition geht. Das zeigt sich etwa in der Aufnahme der wolkenverhangen Skyline New Yorks oder der Deaborn Station in Chicago, wo schwarz glänzende Lokomotiven hellen Rauch gen Himmel stoßen.
Vielleicht erklärt sich auch damit seine Vorliebe für die Schwarz-Weiß-Fotografie, mit der er sich besser ausdrücken könne, wie er einmal sagte. Dass ­Feiningers Kunst nicht unbedingt Farbe braucht, zeigt auch der 134-seitige hochwertige Katalog zur Ausstellung (22 Euro).

In der Druckausgabe lesen Sie außerdem:
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