Belcanto am Teatre Principal

22-05-2008  
Partie für Primadonnen: Die Sopranistin Maria Pia Piscitelli als Norma.
Partie für Primadonnen: Die Sopranistin Maria Pia Piscitelli als Norma.  Archiv

"Wer wagt, kann verlieren, wer nicht wagt, hat schon verloren", hat der Dramatiker Bertolt Brecht einst gesagt. Ein Wagnis ist es, ausgerechnet im Teatre Principal in Palma mit seinem schmalen Budget "Norma" von Vincenzo Bellini (1801-1835) auf den Spielplan zu setzen. Denn dieses Werk gilt als Primadonnen-Oper par excellence, als eine der schwierigsten Opern des Belcanto-Fachs, an der schon so manche Sopranistin gescheitert ist. 

MARTIN BREUNINGER Dass, wer wagt, auch gewinnen kann, dafür spricht, dass am 28. und 30. Mai in Palma die italienische Sopranistin Maria Pia Piscitelli die Partie der Norma übernimmt. Zwar ist ihr Name nicht so bekannt wie der einer Joan Sutherland oder Edita Gruberova, doch kann auch sie auf eine internationale Karriere verweisen, mit Verpflichtungen an Häusern wie der Mailänder Scala, der Staastoper Unter den Linden und dem Konzerthaus in Wien. Und am Teatre Colón in Buenos Aires, wo ihr die Kritiker eine meisterhafte Interpretation der Norma attestierten.

Piscitelli zur Seite stehen der Italiener Alberto Cupido (Pollione), ein erfahrener Tenor, der vor allem in den 80er und 90er Jahren internationale Erfolge feierte, sowie die französischen Mezzosopranistin Géraldine Chauvet (Adalgisa), eine Nachwuchssängerin, die an Bühnen wie Tours, Reims und Strasbourg erste Meriten gesammelt hat.

Ein Nachwuchstalent ist auch der 25-jährige José Miguel Pérez Sierra, der in Palma das Sinfonie-Orchester der Balearen und den Chor des Teatre Principals leiten wird. Vor zwei Jahren machte er international auf sich aufmerksam, als er als jüngster Dirigent in der Geschichte des Opernfestivals von Pésaro im Orchestergraben stand, am Pult des namhaften Orchestra del Teatro Comunale di Bologna.

Am 28. und 30. Mai werden Pérez, Piscitelli und Kollegen das Publikum in das letzte vorchristliche Jahrhundert nach Gallien entführen. Dort zögert die Druidenpriesterin Norma, den Kriegern das Zeichen zum Kampf gegen die Römer zu geben. Der Grund dafür ist ein Mann: Entgegen ihrer Keuschheitspflicht ist sie die heimliche Geliebte des römische Prokonsuls Pollione und die Mutter seiner beiden Kinder.

Als Norma entdeckt, dass Pollione sich Adalgisa zugewandt hat, gibt sie doch das Signal zum Angriff. Pollione wird gefangen genommen, doch Norma verschont ihn. Statt dessen sühnt sie selbst den Bruch des Keuschheitsgebots auf dem Scheiterhaufen. Von ihrer Liebe überwältigt, folgt ihr Pollione in den Tod.

?Norma" ist der Inbegriff des ?Melodramma tragico", der romantischen italienischen Oper. Die Musikhistoriker halten sie einhellig für das Hauptwerk Bellinis und der Komponist selbst bezeichnete sie als seine beste Oper. Sogar Richard Wagner, der von seinen italienischen Kollegen bekanntlich nicht viel hielt und zu seiner Zeit weithin das Maß aller musikalischen Dinge war, lobte ?Norma" als Musterbeispiel einer musikalischen Tragödie und bekannte: ?Bellini ist eine meiner Vorlieben, denn seine Musik ist stark gefühlt und eng mit den Worten verschlungen."

Bei der Uraufführung 1831 in der Mailänder Scala hagelte es jedoch statt Beifall Pfiffe, und Bellini klagte einem Freund: ?Fiasko, ganz großes Fiasko!" Schuld an diesem Debakel waren bezahlte Handlanger eines längst vergessenen Konkurrenten Bellinis. Schon in den nächsten Aufführungen war der Spuk vorüber und die Oper trat ihren Siegeszug an.


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