Giganten des Latin Jazz: Wenn der große Bebo mit dem großen Chucho

16.10.2008 | 00:00
Nur das Thema Politik ist tabu: Chucho Valdés hegt großen Respekt vor seinem Vater ?
Nur das Thema Politik ist tabu: Chucho Valdés hegt großen Respekt vor seinem Vater ?

Was viele Väter sich heimlich oder offen wünschen, ist bei Bebo Valdés in Erfüllung gegangen. Sein Sohn Chucho ist in seine Fußstapfen getreten und dabei mindestens genauso erfolgreich wie er. Bebo und Chucho Valdés - heute sind sie zwei der bekanntesten kubanischen Jazz-Musiker, beide international gefeierte Pianisten und beide Preisträger diverser Grammys. Am
25. Oktober kann man Vater und Sohn auf Mallorca gemeinsam auf der Bühne erleben. ýJuntos para siempre" - für immer vereint - heißt ihr Album, das sie beim ýJazz Voyeur Festival" in Palmas Auditorium präsentieren.

Vereint waren Valdés Senior und Junior auch am 9. Oktober. An diesem Tag haben beide Geburtstag, und sie feierten ihn in Madrid gemeinsam, der Vater seinen 90., der Sohn den 67.

Dabei gibt es auch gewaltige Unterschiede im Leben von Vater und Sohn. Denn während die Karriere von Junior Chucho geradlinig verlief, ist der Werdegang von Vater Bebo von einem kräftigen Auf und Ab gezeichnet. 1918 in Quivican im Süden der Provinz Havanna geboren, entdeckte er als Siebenjähriger das Klavierspiel. Am Konservatorium von Havanna studierte Bebo Valdés klassische Musik und lernte in seiner Freizeit den Rhythmus der Straße, die Rumba. In den 30er und 40er Jahren kam der Jazz hinzu.

Unter den Händen von Valdés verschmolzen amerikanischer Jazz, kubanische Melodien und afrikanische Rhythmen zu einem Stil, der ihn zum führenden Pianisten und Arrangeur des Hausorchesters des berühmten Tropicana Night Clubs machte. Die Revolution 1959 setzte der Karriere Valdés´ ein jähes Ende. Die Kasinos und Nachtclubs Kubas wurden als Wahrzeichen imperialistischer Dekadenz geschlossen, und der Jazz wurde ob seiner US-amerikanischen Provenienz von manchem Castro-Anhänger misstrauisch beäugt. 1960 nahm Valdés die Erlaubnis für eine Mexiko-Tournee zum Anlass, ins Exil zu gehen, mit dem Versprechen, nie wieder nach Kuba zurückzukehren, ehe nicht Fidel Castro und sein Regime von der Bildfläche verschwunden wären. Zurück ließ Valdés Frau und fünf Kinder, darunter auch seinen Sohn Chucho.

In Schweden begann Valdés ein neues Leben an der Seite einer anderen Frau. Seinen Unterhalt verdiente er als unbekannter Pianist in Hotels. Was immer man als Musiker mache, müsse man mit Freude tun, auch wenn man dabei nicht erfolgreich sei, lautet seither sein Wahlspruch. Der zweite Frühling des Musikers Bebo Valdés begann 1994, als ihn der Saxophonist und Klarinettist Paquito D´Rivera einlud, in Deutschland eine CD aufzunehmen. Das Resultat, ýBebo Rides Again", brachte Valdés zurück auf die internationalen Bühnen. Im Jahr 2000 erhielt er für Fernando True­bas Dokumentarstreifen ýCalle 54" seinen ersten Grammy. Der zweite ýMusik-Oscar" folgte 2002 für das großartige Album ýLágrimas negras" mit dem Flamenco-Sänger Diego El Cigala.

Was die Grammys betrifft, so hat Sohn Chucho seinen Vater mit fünf dieser Auszeichnungen sogar überholt. Bebo nimmt es mit väterlichem Stolz. Als ihm jedenfalls in einem Interview das Zitat eines Kollegen vorgehalten wurde, der Chucho als den besseren Musiker bezeichnete, lachte Vater Bebo schallend. Umgekehrt sagte Chucho von seinem Vater jüngst respektvoll, dass er sein Lehrmeister gewesen sei - um sich dann zu korrigieren: ýEr ist es immer noch."

Chucho Valdés war drei Jahre alt, als ihn sein Vater das Klavierspiel lehrte. Und unter der Leitung seines Vaters begann er als 14-Jähriger auch seine berufliche Laufbahn im Orchester Sabor de Cuba. Mit 16 Jahren war er bereits Chef einer eigenen Gruppe, und 1973 gründet er die Band Irakere, die weit über die Grenzen Kubas hinaus bekannt wurde. Prominente Mitglieder waren Paquito D´Rivera und der Trompeter Arturo Sandoval, die sich beide später ins westliche Ausland absetzten.

Chucho Valdés ist dagegen seinem Land und dessen Regime immer treu geblieben. Seiner internationalen Karriere hat dies nicht geschadet. Selbst in den USA, dem Erzfeind des Castro-Regimes, stehen dem Jazzmusiker alle Türen offen, von Universitäten bis zur Carnegie Hall in New York. In San Francisco, Los Angeles, New Orleans und Madison ist er gar Ehrenbürger. Auch das Verhältnis zwischen Vater und Sohn ist durch die unterschiedliche politische Einstellung nicht getrübt. Kein Wunder: Politik ist das einzige Thema, das in der Familie ein Tabu ist.

Das Konzert am 25. Oktober beginnt um 22 Uhr. Eintritt: 40 und 50 Euro. Kartenverkauf: Tageskasse Auditorium und ServiCaixa.

In der Print-Ausgabe lesen Sie außerdem:
- Kreatives am Morgen: Filmskizzen im Museum Baluard
- Künstlernähe am Mittwoch: Gruppenschau in Santanyí
- Fitzners Kunststückchen
- Die andere Moral von der Geschicht: Märchen aus Lateinamerika

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