Interview mit dem Dirigenten Robert Reimer

24.12.2008 | 01:00
Robert Reimer.
Robert Reimer.

Walzer, Polkas und andere beschwingte Stücke von Komponisten wie Strauß, Tschaikowsky, Waldteufel, Liszt und Chueca: Am 2. Januar stoßen die Sinfoniker der Balearen in Palmas Auditorium musikalisch auf das neue Jahr an. Die Leitung hat Robert Reimer, der an großen Opernhäusern dirigiert hat und ebenso als Konzertdirigent international gefragt ist. Auch auf Mallorca ist er kein Unbekannter. Unter anderem dirigierte er in Palma bereits das Neujahrskonzert 2008.

Warum gilt für das Neujahrskonzert das Motto ‚In der Kürze (der Stücke) liegt die Würze‘?

Weil es eben kein ‚normales‘ Sinfoniekonzert ist, sondern eher so, wie man sich das kommende Jahr wünscht: voller kleiner und größerer Highlights.

Macht es für Sie einen Unterschied, ob Sie ein ‚Potpourri-Programm‘ mit beliebten kurzen Stücken oder ein ‚normales‘ Sinfoniekonzert dirigieren?

In der grundsätzlichen Probenarbeit mit dem Orchester nicht, kurze Stücke müssen genauso geprobt werden wie längere. Im Konzert selber natürlich schon, da ist es eher so, dass man viele Sprints absolvieren muss, statt Mittel- oder Langstrecke, um es in der Läufersprache auszudrücken.

Auf dem Programm steht unter anderem der 3. Satz aus der Sinfonie Nr. 4 von Tschaikowsky, also ein Teil aus einem Werk, das vom Komponisten als Gesamtwerk angelegt war. Private Klassik-Radios machen so etwas auch – und werden dafür von sogenannten Puristen kritisiert. Zu Recht?

Ja und nein: Ja, weil der Komponist seine Sinfonie als Ganzes angelegt hat und sie als solches auch aufgeführt haben möchte. Nein, weil das eine legitime Art ist, den Menschen klassische Musik näher zu bringen und so neues Publikum für klassische Musik zu begeistern.

Sie standen bei zahlreichen renommierten europäischen Orchestern am Pult. Wo sehen Sie im europäischen Vergleich das Sinfonie-Orchester der Balearen?

Vergleiche zwischen den verschiedenen Orchestern zu ziehen, ist immer schwer. Was mich aber bei dem Sinfonie-Orchester der Balearen vom ersten Moment an fasziniert hat, ist die enorme Leidenschaft und Spielfreude, die die Musiker an den Tag legen.

Sie waren Assistent bei so bedeutenden Dirigenten wie Christoph Eschenbach, Ralf Weikert und Rafael Frühbeck de Burgos. Was genau macht ein Assistent, und was haben Sie aus Ihrer Assistenzzeit ‚mitgenommen‘?

Im Opernbereich arbeitet ein Assistent vornehmlich mit den Sängern und dirigiert die szenischen Proben, wenn der ‚Chef‘ nicht selbst dabei ist. Ich hatte das Glück, dass ich dann auch sehr oft Orchesterproben dirigieren durfte, was aber eher die Ausnahme ist. Für mich war es sehr wichtig zu sehen, was man durch gute Probenarbeit wie erreichen kann und wie man das am Abend umsetzen kann – oder eben nicht, was auch vorkam. Wichtig waren auch die jeweiligen Sichtweisen auf die verschiedenen musikalischen Stilrichtungen, je nach Herkunftsland des Dirigenten.

Worauf legen Sie als Dirigent besonderen Wert, was ist Ihre persönliche Linie?

Das fragen Sie mich besser in zehn bis zwanzig Jahren wieder, ich bin ständig auf der Suche …

Beginn: 21 Uhr. Eintritt: 30, 40 und 55 Euro.

Vorverkauf: Tageskasse Auditorium.

In der Printausgabe lesen Sie außerdem

Die Einfachheit des Lebens: John Ulbricht bei Pelaires

Fitzners Kunststückchen: Heiliger Bimbam 

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