´We will rock you´ am 24. Januar - mit Spitzenschuh und Trippelschritt

15-01-2009  
? und Freddie Mercury blickt von der Leinwand auf die Bühne: Das Aalto Ballett Essen tanzt zu Musik von Queen.
? und Freddie Mercury blickt von der Leinwand auf die Bühne: Das Aalto Ballett Essen tanzt zu Musik von Queen.  Foto: Alinmu

MARTIN BREUNINGER Musik von Queen und klassischer Tanz: Das Aalto Ballett Theater aus Essen führt am 24.1. in Palma das Stück "Queen" auf - eine Choreografie seines neuen Leiters Ben van Cauwenbergh zu Ehren einer der erfolgreichsten Pop-Gruppen. Nur wenige Bands in der Geschichte des Pop und Rock waren so erfolgreich wie die britische Gruppe Queen. Mehr als 150 Millionen Schallplatten, CDs und DVDs der Gruppe gingen über die Ladentische. Auch 17 Jahre nach dem Tod von Sänger und Frontmann Freddie Mercury gibt es noch viele Fans der Formation. Dass es ein Queen-Musical geben würde, war folglich nur eine Frage der Zeit. Auch ein Ballettstück mit dem Titel "Queen" gibt es. Denn einer der Bewunderer der Band heißt Ben van Cauwenbergh.

Cauwenbergh ist der neue künstlerische Leiter des Aalto Ballett Theaters in Essen, das am 24. Januar im Auditorium in Palma ein Gastspiel gibt. Und "Queen" ist das Stück, das die Tänzerinnen und Tänzer von der Ruhrmetropole nach Mallorca bringen. Die Choreografie stammt von Cauwenbergh selbst. Sie ist eine Hommage an die Gruppe, von deren unverwechselbarer Musik sich Cauwenbergh seinerseits inspirieren ließ.

Der Belgier, der im vergangenen Juni seinen 50. Geburtstag feierte, war selbst ein gefragter Tänzer, bevor er sich als Cho­reograf international einen Namen machte. 1978 startete er seine Karriere als erster Solotänzer beim London Festival Ballet, dem heutigen London National Ballet. Flandern und Luzern waren weitere Stationen, ebenso Gastspiele und Galas an allen großen Häusern wie Covent Garden in London, die Metropolitan Opera in New York, und die Scala in Mailand. Bevor er die Ballettschuhe an den Nagel hängte, arbeitete er mit Größen wie Maurice Béjart und Rudolf Nurejew zusammen.

"Meine Karriere ist klassisch gewesen, und ich werde das Klassische auch weiter pflegen", lautet die Maxime Cauwenberghs, seit er als Choreograf und Ballettdirektor arbeitet. Dabei ist seine eigene Handschrift unverkennbar. Seine Ballette baut er monothematisch auf. Was dies heißt, davon konnte sich das Publikum auf Mallorca im November 2006 ein Bild machen, als das Ballett des hessischen Landestheaters aus Wiesbaden nach Palma kam und zwei Stücke ihres damaligen Direktors Cauwenbergh aufführte: "La vie en rose" mit Musik von Jacques Brel, Edith Piaf, Juliette Gréco und Gilbert Becaud war dem französischen Chanson gewidmet, mit "Irish Soul" porträtierten die Tänzerinnen und Tänzer der Compagnie die "grüne Insel", wobei eine Irish-Folk-Band live den musikalischen Teil des Einakters gestaltete.

Die Musik von Astor Piazzolla wählte Cauwenbergh für die getanzte Tango-Geschichte der "María de Buenos Aires". "Rock around Barock" und "Queen" waren weitere Produktionen, mit denen der Compagnie-Direktor in Wiesbaden für ein volles Haus und für eine Verjüngung des Publikums sorgte. Dass sein Vertrag nach 14 Jahren nicht verlängert wurde, war nichts Persönliches und auch keine Aussage über seinen künstlerischen Wert, sondern hatte rein administrative Gründe: Im 15. Jahr wäre seine Anstellung unkündbar geworden.

Auch in Essen blieb Cauwenbergh seiner Linie treu und setzte "Queen" auf den Spielplan. Zeitgenössische Themen ja, aber mit Elementen klassischen Tanzes: "Modernes Tanztheater ist schön und hat seine Berechtigung, aber man darf den klassischen Tanz nicht aufgeben", erläuterte Cauwenbergh vor gut einem Jahr gegenüber der MZ seinen Standpunkt. Seine Stärke ist zugleich aber auch seine Schwäche, Denn was dem Publikum gefällt, behagt der Fachjournaille noch lange nicht. "Da trippeln zum Beat gekünstelte Ballerinas, schweben zu Drums Jazztanz-Gruppen - jede körpergeerdete Britney Spears oder Jennifer Lopez wüsste besser, wie das umzusetzen ist, damit es wirkt, groovt und ,stimmt´", mokierte sich etwa ein Kritiker nach einer Aufführung des Balletts der Wiener Staats- und Volksoper. Anderenorts wird das Fehlen des großen Bogens bemängelt. Das Stück bestehe aus zusammenhangslosen Stücken und gleiche eher einer Nummernrevue, oder, freundlicher formuliert: "Die Stringenz dieses Tanztheater-abends aber bleibt der Musikboden und damit das, was auf und über dem Bühnenboden geschieht, eine Perfektionierung von Dancefloor." Cauwenbergh selbst versucht, jeder Kritik den Wind aus den Segeln zu nehmen: "Das Publikum wird hier vergeblich eine ,kritische Auseinandersetzung´ zwischen ,Tradition und Moderne´ oder ,Disziplin des klassischen Balletts und Freiheit der Rockmusik´ suchen. Ich schließe mich gerne der Aussage des genialen Freddie Mercury an, der nichts weiter wollte, als sein Publikum auf höchstem Niveau zu unterhalten." Und das dürfte nicht nur für Ballettfreunde, sondern auch für Queen-Fans als eine Einladung gemeint sein.

Die Vorstellung am 24. Januar beginnt um 21 Uhr.

Der Eintritt kostet 48 und 70 Euro.

Karten im Vorverkauf sind nur an der Tageskasse des Auditoriums (Tel.: 971-73 47 35) in Palma erhältlich.

In der Printausgabe lesen Sie außerdem

- "Tu Jane, yo Tarzán": Neue Ausstellungen in Palma

- Fitzners Kunststückchen: Genie unter Pfeifen

- Der letzte Hippie beim XII. Film- und Videofestival


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