Kultur

Arbeiten von Clemens Kaletsch in der Galerie Kewenig

27-11-2008  
 ?Ein Ausblick
?Ein Ausblick", gemalt in Öl auf Leinwand von Clemens Kaletsch, 2008. Foto: Galerie Kewenig

NINA KUSCHNIOK Man bleibt vor seinen Bildern stehen und sucht in ihnen, ohne zu wissen, nach was man eigentlich Ausschau hält. Nach und nach entwickeln sich vor dem Auge konkrete Formen, an denen der Blick hängenbleibt - an einem menschlichen Körper etwa, wobei man nicht sicher ist, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt. Dann wieder, an anderer Stelle, haftet die Aufmerksamkeit an den starken Farben, an einem weiten Grün zum Beispiel, das sich langsam scheinbar in ein Tal verwandelt.

Zum ersten Mal stellt ab dem 29. November die Galerie Kewenig in Palma aktuelle Bilder des deutschen Malers Clemens Kaletsch aus, der seit den 1980er Jahren wie die Jungen Wilden neue Wege für die figurative Malerei gesucht hat.

Titel der Schau: ?Europe Tools". Kaletsch wurde 1957 in München geboren, studierte in Wien bei Oswald Oberhuber und Arnulf Rainer. Die rund ein Dutzend Bilder - Arbeiten in Öl und Acryl auf Leinwand und Baumwolle sowie Papierarbeiten - sind nach einem Besuch im Sommer auf Mallorca entstanden. Sie wurden eigens für den sakralen Galerieraum konzipiert. Dieser befindet sich im Oratorium Sant Feliu, der ältesten Kapelle Palmas aus dem 13. Jahrhundert. ?Es ist ein schwieriger, belasteter Raum", sagt Kaletsch, der den Ort mit seinen Bildern sprengen will - etwa mit dem mehrere Meter hohen Werk ?Das spanische Feuer". ?Wie einen Keil" treibt es Kaletsch zwischen die Säulen der Kapelle und ?hackt den Raum damit auseinander".

Kaletsch interpretiert das Feuer historisch als das ?Feuer der spanischen Inquisition". Denn es ist vor allem das Thema Europa und seine Geschichte, dem sich der Künstler seit jeher eng verbunden fühlt. Schon als kleiner Junge erzählte ihm sein Großvater von dem Zweiten Weltkrieg, als junger Reisender erlebte Kaletsch die Nelkenrevolution in Portugal, später die repressiven Zustände im frankistischen Spanien. ?Ich will mit meinen Bildern keinen moralischen Zeigefinger erheben", sagt der Künstler.

Doch sehe er eine Verpflichtung darin, die europäische Historie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Eines seiner Bilder heißt dementsprechend ?Erwachsen werden". Darauf ist eine kleine, unbeholfene Figur zu sehen, die neben einer aufrechten, breitschultrigen steht. ?Es geht um den geistigen Zustand des Erwachsenwerdens", kommentiert Kaletsch sein Werk.

Und natürlich verarbeitet der Künstler Teile seiner persönlichen Geschichte. So stecke beispielsweise seine Auseinandersetzung mit dem spanischen Maler Francisco Goya in einem Bild. ?Ich habe mich vor 35 Jahren viel mit ihm beschäftigt. Diese Erinnerungen liegen in den Bildern, auch wenn sie sich mit anderem überlagern", sagt der Maler.

Auch auf anderer Ebene werden Spuren seiner künstlerischen Entwicklung sichtbar. Zwei der gezeigten Bilder hat Kaletsch vor über zehn Jahren begonnen. Das Werk ?Tief Luft holen" ist ein Beispiel für einen jahrelangen künstlerischen Prozess. Als er 1995 mit dem Bild begann, stand eine einzelne Figur auf einer Tonne. Damals nannte Kaletsch das Bild ?Luft holend". Dann stellte er es weg, vergaß es, entwickelte sich und seine Kunst weiter. ?Als ich es nach einigen Jahren wieder hervorholte, habe ich nicht versucht, dort weiterzumalen, wo ich aufgehört hatte, sondern dort anzusetzen, wo ich mich zu diesem Zeitpunkt befand", so Kaletsch. Zu der ersten Figur gesellte sich eine zweite, aus ?Luft holend" wurde ?Tief Luft holen". ?Wenn man tief Luft holt, will man eine Entscheidung treffen", sagt Kaletsch. 2008 erklärte er das Bild für vollendet.

?Europe Tools" - Ausstellung von Clemens Kaletsch bis 31.1. 2009, Vernissage am 28.11., 20 Uhr,

Galería Kewenig. C/. Sant Feliu, s/n, Palma.

In der Printausgabe lesen Sie außerdem:

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