Eine Reise ins Herz des Buddhismus

05-11-2008  
Der Ausschnitt zeigt die furcheinflößende Shridevi, eine kosmische Kraft, die Leben und Tod zugleich bringt.
Der Ausschnitt zeigt die furcheinflößende Shridevi, eine kosmische Kraft, die Leben und Tod zugleich bringt.  Foto: la Caixa

NINA KUSCHNIOK Das Caixa Kulturforum in Palma zeigt in einer großen Ausstellung Kunst aus Tibet. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um religiöse Werke – es geht um die Erleuchtung des Menschen.

Woher die Anziehungskraft, die Tibet und seine Kunst auf den Westen ausübt? Im aktuellen Nachrichtengeschehen ist es vor allem der Dalai Lama, der als religiöser und zugleich politischer Führer der Tibeter international bewundert wird. Mindestens ebenso faszinierend jedoch ist die jahrtausendealte Kultur, die er vertritt. Die schauderhaften Darstellungen der Gottheiten und der kosmischen Kräfte etwa, die vielköpfig und vielarmig auf ihren Mauleseln über Meere aus Leichen reiten, aus weit aufgerissenen Augen auf den Betrachter blicken, Pfauenfedern als Kopfschmuck, mit Totenköpfen verziert. Oder jene buddhistische Begriffe wie „Nirvana“, oder „Karma“, die eingeflossen sind in unseren Sprachgebrauch, wie „Siddharta“, der Titel, den Hermann Hesse für einen seiner Romane wählte. Einen Einblick in all dies verschafft nun die Ausstellung „L‘Art del Tibet – Imatges per a la contemplació“ (Die Kunst Tibets – Bilder zur Kontemplation) im Kulturforum der Sparkasse La Caixa in Palma.

Die Schau umfasst rund 200 Exponate aus der Privatsammlung des Belgiers Léon Verbert, eines Diplomaten und Finanziers, der Anfang des 20. Jahrhunderts in China lebte und in dieser Zeit über 600 Kunstwerke sammelte. 1951 wurde seine Sammlung dem Musées ­Royaux d’Art et d’Histoire (MRAH) in Brüssel überschrieben. Zumindest die in Palma ausgestellten Werke zeigen weniger das Bergreich Tibet als die Komplexität des Buddhismus. Zwar sind beide nicht immer voneinander zu trennen. Tausende von Klöstern entstanden im Lauf der Jahrhunderte im Tibet, rund 3.000 davon sind seit 1950 von den chinesischen Besatzern niedergerissen worden. Dennoch ist die Ausstellung losgelöst von der politischen Situation, vom Leid. Ein wenig so, wie es der Buddhismus lehrt.

Zum ersten Mal außerhalb des Brüsseler Museums zu sehen ist beispielsweise eine zwölfteilige Thangka-­­­Serie. Diese an Symbolen und Darstellungen überbordenden und reich verzierten Rollbilder erzählen vereinfacht über Ereignisse im Leben des Prinzen Siddharta Gautamas: Der behütete Prinz begründete den Buddhismus, nachdem er das Leid außerhalb seiner Palastmauern entdeckt hatte. Askese und Meditation wiesen ihm schließlich den Ausweg aus dem menschlichen Leid. Der Prinz wurde zum Buddha, zum „Erwachten“, und half seinen Anhängern, den Weg zur Erleuchtung zu finden. Durch seinen Tod ging er ins Nirvana ein, in einen Zustand, in dem er aus dem Kreislauf der Wiedergeburt, dem Samsara, und damit dem individuellen menschlichen Sein, dem Karma, heraustrat.

Und so erläutert die Schau die Hauptlinien des Buddhismus, Hinayana oder Theravada, Mahayana und Vajrayana – auch tibetischer Buddhismus genannt. Um sich zwischen den symbolisch aufgeladenen Skulpturen, rituellen Gegenständen und Wanddarstellungen zurechtzufinden, helfen einfache Skizzen. Sie erklären beispielsweise die Handhaltungen der Gottheiten und Geister.

„L’art del Tibet. Imatges per a la contemplació“, bis 8. Februar 2009

Kulturforum La Caixa, Plaça Weyler, 3 Palma.

Eintritt frei.

RITUALE

RIESELN UND MEDITIEREN

Es duftet nach Räucherstäbchen in der dritten Etage des Kulturforums. Mit großer Konzentration ließen vergangene Woche zwei buddhistische Mönche farbigen Sand durch ein hohles Bronzestäbchen auf eine Holzplatte rieseln, ein sogenanntes Sandmandala entstand. Das sind runde, mit Mustern überzogene Bilder, die vielfarbig die Grundrisse eines Palastes darstellen. Die Mönche mit ihren kahlrasierten Köpfen und den orangefarbenen Kutten meditierten beim Rieseln, ein Mandala zu erstellen, ist eine Art von Meditation. Das Bild wurde drei Tage später wieder zerstört und vor der Kathedrale ins Meer geschüttet. Es sei eine Gabe an die vier Elemente, ein Akt der Reinigung, erklärten die Mönche.


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