Bollwerk der balearischen Kunst: Es Baluard feiert Geburtstag

22-04-2009  
Anfangs von Denkmalschützern bekämpft, heute museales Wahrzeichen von Es Baluard: Die Skulptur
Anfangs von Denkmalschützern bekämpft, heute museales Wahrzeichen von Es Baluard: Die Skulptur "Bou" (Stier) von Star-Architekt Santiago Calatrava.  F.: DM

MARTIN BREUNINGER Das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst Es Baluard in Palma wird fünf Jahre alt, und dieser Geburtstag soll gebührend gefeiert werden. Am 30. Januar wird anlässlich des Jubiläums eine Ausstellung mit Werken des deutschen Künstlers Anselm Kiefer eröffnet. Das wird eine der seltenen Gelegenheiten sein, bei denen die Inselgrößen aus Politik, Kultur und Gesellschaft ihren Fuß ins Museum setzen. Die folgenden zwei Tage sind dem normalen Volk vorbehalten: Tage der offenen Tür, der erste davon, der 31. Januar, mit Tanz, Performance, Konzert und anderen Darbietungen. An den vier folgenden Sonntagen im Februar wird es weitere Tage der offenen Tür geben, insgesamt sind es also fünf, einer für jedes Jahr des Bestehens.

"Es Baluard" wird gerne mit dem etwas unförmigen Wort "Bollwerk" übersetzt. Bei dem Museum handelt es sich um eine Bastei, die im 16. und 17. Jahrhundert dem Schutz vor Piraten gedient hatte, in der jüngeren Vergangenheit dagegen zur wilden Müllkippe geraten war. 1997 gründeten die Stadt Palma und die Kunststiftung des mallorquinischen Verlegers Pere A. Serra ein Konsortium, dem wenig später auch Mallorcas Inselrat und die balearische Landesregierung beitraten. Ziel: Es Baluard de Sant Pere zu einem Bollwerk der balearischen Kunst zu machen.

Serra verpflichtete sich, dem Museum mehr als 400 Kunstwerke aus seiner Privatsammlung zu schenken, weitere 300 Arbeiten 25 Jahre lang zur Verfügung zu stellen und noch einmal rund 300 Objekte dem Museum die ersten vier Jahre zu überlassen. Insgesamt immerhin ein gutes Drittel seiner Sammlung, von der Ramón González de Amezua y Noriega, Direktor der Königlichen Akademie in Madrid, sagte, sie enthalte "das Auserlesenste der zeitgenössischen mallorquinischen, spanischen und internationalen Kunst". Ob Bauchpinselei oder nicht, der Kunsttransfer ging schließlich vonstatten, und auch die öffentlichen Institutionen stellten ihren Fundus zur Verfügung. Unterdessen wurden auf einer Fläche von mehr als 5.000 Quadratmetern Beton und Glas nahtlos in altes Gemäuer eingefügt und eine Ausstellungsfläche von 2.500 Quadratmetern geschaffen. Parallel dazu wurde das Konsortium in eine Trägerstiftung für die Verwaltung des Museums umgewandelt. Ihr Vorsitzender: Pere A. Serra.

Als am 31. Januar 2004 das Museum Es Baluard im Beisein von Spaniens Königspaar Juan Carlos und Sofía eröffnet wurde, waren die Kritiker längst in Stellung gegangen, um aus allen Rohren auf das Bollwerk zu feuern. Der Bestand eines öffentlichen Museums dürfe sich nicht nur aus einer einzigen Privatsammlung speisen, die ohnehin in ihrem Wert überschätzt sei; ein Unternehmer dürfe nicht Stiftungsvorsitzender eines öffentlichen Museums sein; dem Museum fehle ein schlüssiges, zumal von einer unabhängigen Expertenkommission entwickeltes Konzept. Diese Vorwürfe waren nur einige der Salven, die auf Es Baluard abgeschossen wurden. Die Kanoniere: Kunsthistoriker, Künstler und Galeristen, die sich übergangen fühlten, sowie Medien, die nicht zur Verlagsgruppe des Stiftungsvorsitzenden gehörten.

Der ein oder andere Schuss ging am richtigen Ziel, den Politikern, vorbei, zum Beispiel der Vergleich mit dem Guggenheim-Museum in Bilbao, das viermal so groß wie Es Baluard ist und dessen Etat das Zehnfache beträgt. Dass auch noch am ersten Tag nach der Eröffnung die Direktorin Teresa Pérez-Jofre aus, wie sie beteuerte, privaten Gründen kündigte, fiel da gerade mal als Anekdote unter die Rubrik "Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen".

Allerdings: Der Pulverdampf der Geschütze vernebelte, worum es eigentlich geht: um ein Museum, das auch internationale Kunst zeigt, seinen Schwerpunkt aber auf Werke setzt, die direkt oder indirekt mit den Balearen verbunden sind, von postimpressionistischer Landschaftsmalerei bis hin zu postmodernen Installationen, nicht zu vergessen die Arbeiten von Joan Miró, der gut die Hälfte seines Lebens auf Mallorca verbracht hat. Gemessen an diesem Anspruch gab es in den ersten fünf Jahren des Museums Licht und Schatten, mehr und weniger erinnerungswerte Ausstellungen, wofür sich zwar die wenigsten Kritiker interessierten, immerhin aber 352.937 Besucher allein im vergangenen Jahr.

Nach fünf Jahren ist die erste Etappe des Museums verstrichen. Inzwischen hat Palmas Oberbürgermeisterin Aina Calvo den Stiftungsvorsitz übernommen und die Journalistin und Kuratorin Cristina Ros zur neuen Direktorin ernannt - allerdings per Fingerzeig und nicht per Stellenausschreibung, was erneut für Unruhe sorgte. "Ich will der Kritik Transparenz und eine gute Arbeit entgegensetzen", sagt Ros, die ein beachtliches Tempo vorlegt. Erstmals in der Geschichte des Es Baluard wurde ein Ausstellungsplan für das gesamte Jahr veröffentlicht - "eigentlich müsste bereits ein Zwei-Jahresplan stehen", meint sie selbstkritisch.

Schon jetzt finden Kooperationen mit anderen Museen statt, um sich Kosten zu teilen, aber auch, um Es Baluard andernorts bekannt zu machen. Und noch in diesem Jahr soll die Marschrichtung des Museums für die kommenden fünf Jahre festgelegt werden. Dazu gehört auch, dass die Stelle der Direktorin künftig ausgeschrieben werden muss und von "politischen Eventualitäten", sprich: Regierungswechseln, unabhängig wird.

Um den wiederholten Museumsbesuch zu erleichtern, wurde das Programm "tu decideixes" (du entscheidest" aufgelegt: Jeden Freitag legen die Besucher den Eintritt fest. Der Mindestpreis beträgt zehn Cent. Der freiwillige Obolus liegt weit darüber: Im Schnitt ist den Besuchern die Visite 1,75 Euro wert

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