Gitarrist Joan Miquel Oliver und die Eiscreme-CD

11-06-2009  

THOMAS FITZNER Er ist furchtbar verkühlt, sitzt wie schüchtern im Chefbüro des insularen Musiklabels "Produccions Blau" und bittet die anwesenden Journalisten um Fragen, "ich habe sonst keine Ahnung, was ich sagen soll", Joan Miquel Oliver untertreibt gerne.

In Wahrheit will er immer mehr sagen, als sich in eine CD pressen lässt, deshalb hat er vor kurzem einen Roman geschrieben ("El misteri de l´amor" - Das Rätsel der Liebe) und so greift er auf den letzthin unter Musikschaffenden populären Kniff zurück, mit der Scheibe ein Buch zu veröffentlichen. Dort sind 120 Seiten aus seinen Arbeitsheften abgedruckt, das Konvolut mit dem Understatement-Titel ?Quadern 2008" (Heft 2008) illustriert den Entstehungsprozess von ?Bombón Mallorquín", vor allem aber gibt es Einblick in das Wirken eines Besessenen.

Die Liedersammlung mit dem Namen einer seinerzeit populären Eismarke ist eine Fusion aus Pop und Poesie und zugleich Olivers persönlichstes Werk. Als Mitstreiter von Mallorcas populärster Formation, Antònia Font (angeblich nach einer Schulkollegin benannt), sei er nur zu 20 Prozent am Ergebnis beteiligt, hier habe er 100 Prozent Autorität genosssen, ?absolute Kontrolle", freut sich Oliver trotz Verkühlung, und man hat das Gefühl, er sehnt sich weniger nach einem heißen Tee und einem Bett, mehr nach einem starken Kaffee und einem Arbeitstisch.

Joan Miquel Oliver braucht mehrere Kanäle für seine Kreativität, vor allem aber ist er ständig auf der Suche nach Neuem: neue Themen, neue Formate, eine neue Erkenntnis. ?Ich habe entdeckt, dass ich eine Methode habe", teilt er mit und sein Gesicht drückt anhaltende Verblüffung aus. ?Ich dachte immer, was ich mache, kommt aus purer Inspiration, aber nein: es gibt eine Methode."

J.M. Oliver wäre nicht J.M. Oliver, käme nicht auch diese Erkenntnis mit einem Tiefgang, den man von einem Popstar mit abgeschlossenem Philosophiestudium erwartet: Er stütze sich auf den Text ?Wider den Methodenzwang" des Philosophen Paul Feyerabend, sagt der Musiker und stellt die Bildung der Anwesenden auf eine harte Probe (wie schreibt sich der Typ?). ?Wenn du kohärent bist", erläutert Oliver, ?wirst du dich immer wiederholen. Kohärenz ist eine Limitation." Erst Inkohärenz erlaube es, die Realität in all ihren Aspekten zu erfassen.

Insofern ist es, Pardon, nur kohärent, dass ?Bombón Mallorquín" wenig mit seinem Solo-Debüt ?Surfistes en càmera lenta" (Surfer in Zeitlupe) gemein hat. In seiner neuen Arbeit entwickelt er ein assoziatives und poetisches Spiel mit Kindheitserinnerungen. Kohärenterweise zeigt das Cover Fotos aus dem Familienalbum. ?Und alle Lieder sind auf irgendeine Weise miteinander verbunden."

Die Poesie erschließt sich auch dem fremdsprachigen Zuhörer. Olivers Stimme ist sanft, ist die eines Poeten. Dass seine Frau Maria López bei der Konzertpremiere am 8. Mai im Teatre Xesc Forteza, Palma, nicht auf der Bühne stehen wird, macht ihn deshalb nicht bange. ?Wir klingen ähnlich, also mache ich ein wenig Falsett - und die Sache ist gelöst."

In der Printausgabe lesen Sie außerdem
- Malerin Alejandra Icaza und die Erzählungen ohne Worte
- Underground-Künstler Baldo und die Vorliebe für Maschinen


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