Mallorca-Liebhaber Mordillo zeigt 150 Originalzeichnungen im Casal Solleric

11-06-2009  
Die Nasenmännchen erobern das Solleric (Tinte, 1983, 32 x 22,5 cm).
Die Nasenmännchen erobern das Solleric (Tinte, 1983, 32 x 22,5 cm).  Foto: Pep Vanrell

GABRIEL RODAS Der argentinische Künstler ­Mordillo eröffnet am kommenden Donnerstag (18.6.) im Casal Solleric in Palma eine Retrospektive mit 150 Originalzeichnungen.

Was hat Monaco, wo Sie derzeit leben, was Mallorca, wo Sie 16 Jahre lang lebten, nicht hat?

Ich ging aus einer Reihe von Gründen weg. Aber auf Mallorca war ich sehr glücklich. Ich bewahre schöne Erinnerungen und verbringe die Sommer stets auf der Insel.

Wann werden Sie eines Ihrer Bücher der Insel widmen?

Mallorca ist immer zugegen. Es gibt Bücher, in denen Golfplätze der Insel vorkommen und Mallorquiner, die mit mir gespielt haben.

Haben wir die Insel, die Sie damals entdeckten, zerstört?

Die Insel bewahrt noch immer Gutes, wie das Landesinnere, und es gibt Negatives, wie den exzessiven Verkehr.

Wirkt sich die Nostalgie auch auf Ihre Arbeit aus?

In Lima lernte ich, dass man Nostalgie für jenen Ort empfinden soll, an dem man gerade ist. Man sollte den Augenblick genießen. Ja, ich bin nostalgisch, was Mallorca anbelangt. Ich bin aber Argentinier, und mein Land ist die Erde. Meine Zeichnungen funktionieren überall, sogar in China, wo 15 meiner Bücher erschienen sind.

Lachen wir alle über dasselbe?

Ja, aber manchmal interpretieren wir es unterschiedlich. Die Idee zu meiner politischsten Zeichnung hatte ich in England. Ich betrachtete eine dieser Siedlungen, wo alle Häuser gleich sind, und dachte: Wie schön wäre es, wenn inmitten dieser grauen Häuser eines eine andere Farbe hätte. In der Zeichnung wird der Kerl, der sein Haus anders angemalt hat, von der Polizei abgeführt. Später merkte ich, dass ich eine Anklage gegen totalitäre Systeme formuliert hatte. Amnesty International wollte die Zeichnung. Sie wurde aber auch auf der Umschlagseite eines Buches in China veröffentlicht. Dort hieß es: ‚Das geschieht ihm recht, er hat gegen das System rebelliert.‘

Sie haben auch in den USA gearbeitet. Was lernten Sie dort?

Ich arbeitete an Zeichentrickfilmen wie ‚Popeye‘, wurde aber enttäuscht. Es war sehr beengend, Europa erschien mir attraktiver. Ich könnte heute ein großer Trickzeichner sein, aber niemand würde es mitkriegen. Wer kennt schon den Zeichner, der Micky Mouse schuf?

Warum zeichnen Sie nicht mehr für die Presse?

Für die Presse arbeitete ich, um mir einen Namen zu machen. Heute mache ich lieber Bücher. Ich bin mehr Journalist als Zeichner. Ich publiziere Ideen. Im Solleric stelle ich die Originale aus, aber ich werde sie nicht verkaufen. In 42 Jahren habe ich mehr als 1.800 Farbzeichnungen gemacht, und für diese Ausstellung, die meine gesamte Karriere umspannt, habe ich 150 ausgesucht. Mit ist schleierhaft, warum ich dauernd Lust aufs Zeichnen habe, noch heute, mit beinahe 77 Jahren, und immer noch mit dem Enthusiasmus eines 20-Jährigen.

Ist der Fußballspieler Diego Messi eine Karikatur von Maradona?

Der Unterschied zwischen Messi und Maradona ist die Geschwindigkeit des Ersten, und dass er einen klareren Kopf hat. Der Unterschied zwischen Maradona und mir ist, dass er sich für Gott hält und ich Agnostiker bin.

Einmal haben Sie eine Ihrer Zeichnungen mit Text versehen.

Ich zeichnete eine leere Kathedrale und in deren Mitte eine Nonne Hand in Hand mit einem Pfarrer. Und ein Lichtstrahl fährt auf sie herab und die Nonne sieht ihn an und sagte: ‚Himmel, mein Ehemann!‘ Ich glaube, niemand war beleidigt.

Was bedeutet für Sie Humor?

Humor mildert die Angst. Würden wir in einer glücklichen Welt leben, ohne Leiden, würde ich keinen Humor machen. Der Humor dient mir, dieser Welt zu entfliehen.

„...que veinte años no es nada. El humor de Mordillo“,

ab 18. Juni bis 6. September im Casal Solleric, Palma,

Tel.: 971-72 20 92.

In der Printausgabe lesen Sie außerdem

- Klänge aus dem Seelengrund: Russischer Männerchor Arte Corale

- Tanz gegen den Tyrannen: Gades-Meisterwerk in Palma

- Venedig, Palma, Afrika: Vom bekannten und unbekannten Miquel Barceló 

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