Kulturhauptstadt Balearen 2016: ´Es ist schwerer als gedacht´

Vier Monate vor Ende der Bewerbungsfrist zieht Initiator Hubert Feil Zwischenbilanz

04-03-2010  
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Auf der Suche nach institutionellem Rückhalt: Hubert Feil.
Auf der Suche nach institutionellem Rückhalt: Hubert Feil.  Foto: Privat

THOMAS FITZNER Er wägt jedes Wort sorgfältig ab und benutzt auffallend häufig den Begriff „strategisch". Bei aller Diplomatie gibt er dann doch zu, dass die von ihm betriebene Initiative zur Kandidatur der Balearen als Europäische Kulturhauptstadt 2016 schwieriger läuft als gedacht. Nicht nur, weil seine Gesprächspartner in der Regierung dauernd wechseln.

Feil hat auch Positives zu berichten: Gerade hat er einen Brief des spanischen Botschafters Jorge Dezcallar in den USA erhalten, seines Zeichens Mallorquiner, der sein Interesse an und Unterstützung für die Initiative Illes Balears 2016 bekundet. Um die 1.500 Unterstützungserklärungen seien eingegangen, seit er vor wenigen Wochen den Aufruf gestartet hat, erzählt Feil. „Wir bereiten damit eine Petition für das balearische Parlament vor." Damit dort endlich mal etwas ins Rollen kommt. Denn bis zum 12. Juli, wenn in Madrid das Bewerbungsbuch eingereicht werden muss, ist es nicht mehr weit.

Damit sind wir beim wunden Punkt der Initiative: Die Politiker der Insel, sagt Feil, seien zwar „sensibilisiert" und zeigten mit wenigen (wenngleich wichtigen) Ausnahmen Interesse, hielten sich aber zumeist bedeckt. Der deutsche Kulturmanager, der in Palma die Firma Culture Brand betreibt, wollte zwar von Anfang an eine privat betriebene Kandidatur, um die Fallstricke der Inselpolitik zu vermeiden – eine aus heutiger Sicht prophetische Entscheidung –, doch dass die Institutionen der Insel das Projekt dermaßen kühl behandeln, hat ihn doch überrascht. In den Unterlagen, mit denen er für das Projekt trommelt, fehlen die Wappen der Stadt, der Inselräte und der Balearenregierung. Eine gewichtige Institu­tion, die quasi ab der Stunde Null ihre Unterstützung bekundete – das Institut d´Estudis Baleàrics –, wurde gerade im Zug der Anti-UM-Offensive des Balearen-­Premiers Francesc Antich aufgelöst. Auf der Webseite, die noch im März – mit einiger Verspätung – komplett aktiviert werden soll (derzeit flimmert dort eine größere Visitenkarte), kann Feil nicht einmal Fotos von Ibatur verwenden, weil die Tourismusförderung nicht mit an Bord ist. Feil hofft, die balearische Tourismusministerin Joana Barceló noch rechtzeitig vor Beginn der Touristikmesse ITB in Berlin „rumzukriegen", damit die Initiative auf dem Balearen-Stand offiziell vertreten sein darf. Ausgang: Ungewiss.

Die einzigen offiziellen Wappen, mit denen sich Balears 2016 derzeit schmücken kann, sind die von Städten wie Inca, Maó und Ciutadella, aber auch Marratxí, was insofern interessant ist, als PP-Präsident Bauzá Bürgermeister dieser Gemeinde ist.

Damit die Initiative nun endlich doch eine balearische wird, möchte Feil noch im März ein „Comité Balear" vorstellen, d.h. ein aus Persönlichkeiten der Inseln bestehendes Expertenkommittee, dem u. a der ehemalige Direktor des ehemaligen Instituts für Balearenstudien, Sebastiá Serra, sowie der Präsident der Kulturschutzvereinigung Arca, Pere Ollers, angehören sollen.

Danach müssen Feil und seine Mitstreiter – das Team in seiner Firma soll um sechs Vollzeitkräfte erweitert werden – Gas geben. Zumal um die Kandidatur in Spa­nien ein heftiger Konkurrenzkampf ausgebrochen ist (siehe Kasten). Feil verspricht ein „mutiges Projekt", das auch „kritische und gesellschaftlich relevante Themen nicht ausspart". Möglicherweise ein zusätzlicher Grund für einige Politiker der Inseln, die Initiative mit Argwohn zu betrachten.

Ein Fehler, meint Feil. „Das Projekt würde den Weg zu Subventionstöpfen in Madrid und Brüssel öffnen, und vor allem würde sich eine Gelegenheit bieten, die Wahrnehmung der Inseln in ganz Eu-
ropa positiv zu beeinflussen. Weg vom Sonne-Strand-Image hin zu einer Darstellung, die der vielschichtigen Kultur gerecht wird."

Eine Kultur, die Feil stark unterbewertet sieht. Weshalb der provisorische Slogan der Bewerbung lautet: „Palma de Mallorca und die unsichtbaren Inseln".

In der Printausgabe vom 4. März (Nummer 513) lesen Sie außerdem:
- Authentisches und lokale Künstler:Galerie Intersecció Art in Palma
- Sie sollten sich zusammentun: Bilanz der Amateurmaler-Schau
- Sprachlos im Maskentheater

Diese Artikel finden Sie auch hier.

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