Auf den Spuren der klugen Zenobia

Die Unternehmerin Ien van Wierst eröffnet am Freitag (7.5.) in Establiments das Palmyra Sculpture Centre

06-05-2010  
Katharina Pfeil mit ihrer kinetischen Skulptur „Creation One
Katharina Pfeil mit ihrer kinetischen Skulptur „Creation One" im Atelier.  Fitzner

THOMAS FITZNER Schafglocken bimmeln, der Blick schweift über Palma und die Tramuntana, nun setzt eine holländische Unternehmerin der Idylle in einem hoch gelegenen Ortsteil von Establiments den i-Punkt auf: Auf dem Gelände einer alten Olivenölfabrik eröffnet Ien van Wierst am Freitag (7.5.) das Palmyra Sculpture Centre. Acht Bildhauer und Bildhauerinnen bestücken den Skulpturengarten, eine deutsche Künstlerin, Katharina Pfeil, präsentiert in der ehemaligen Fabrikhalle ein Installationsprojekt und andere Arbeiten.

Ihre eigenen Kreationen hält van Wierst vorläufig unter Verschluss. „Ich bin noch nicht so weit“, sagt die Mallorca-Liebhaberin, die nach einem Turbo-Berufsleben die Bildhauerei zunächst als Hobby entdeckt hat, nun jedoch ernsthaft betreibt. Die Teilnehmer sind keine Amateure. Tomeu Simonet zum Beispiel ist ein inselweit bekannter Künstler aus Alaró – wo er auch die Galerie Addaya betreibt –, die Mehrheit der Beteiligten stammt jedoch aus Holland.

Wie auch Ien van Wierst, Tochter eines Steuerberaters und verheiratet mit dem Inhaber einer niederländischen Firma, die klassische Traumyachten herstellt. Van Wierst selbst hat eine wechselvolle Karriere hinter sich, von der „freiberuflichen Ghostwriterin für VIPs“ über Yachtbrokerin und Projektmanagerin beim Aufbau einer Yachtwerft bis hin zur Filmproduzentin. Mit ihrer Firma Isabella Films, die sie gemeinsam mit einer Freundin betrieb, produzierte sie unter anderem Lars von Triers „Dogville“ mit Nicole Kidman.

2008 beschloss van Wierst, ein Sabbatjahr einzulegen. Vor etwa einem Jahr fand und mietete sie einen Teil einer aufgelassenen Fabrikanlage in Establiments (in der auch zwei kleine Filmfirmen eingemietet sind) und gründete eine Stiftung, „um ein Zentrum zu schaffen, das als Treffpunkt und Arbeitsplattform für Künstler funktioniert“. Palmyra erschien ihr ein passender Name, denn die vor 2.000 Jahren gegründete Stadt (heute Ruinenfeld) in der syrischen Wüste steht für die Herrschaft einer blitzgescheiten Königin – Zenobia – und somit für „feminine Energie“. Und von Palmyra bis Palma ist es phonetisch nicht weit.

Getragen wird das Palmyra Sculpture Centre von einer Stiftung, die von der Holländerin gegründet und mit genügend Kapital ausgestattet wurde, um drei Jahre lang notfalls ohne Einnahmen zu brummen. Doch hofft die businessgestählte Holländerin, Sponsoren zu gewinnen. Die Fundación Palmyra Sculpture Centre unterhält auch ein Atelier in Amsterdam und vermittelt Künstler. So werden Katharina Pfeils Arbeiten im Juni nach Holland reisen.

Dass ein solcher Projektstart mitten in der Krise ein gerüttelt Maß Optimismus erfordert, ficht van Wierst nicht an. „Ich konnte mir den Moment nicht aussuchen. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich das Gefühl, dass alles harmonisch zusammenfließt.“

Im großen Atelier der Yachtliebhaberin van Wierst arbeitet Katharina Pfeil an einem anderen Wasserfahrzeug: der Arche Noah. Das kinetische Kunstwerk aus Holz, einem Gemisch aus Lehm und Schafwolle („das gibt Festigkeit“), zwei kochlöffelförmigen Rudern sowie einem komplexen mechanisch-elektronischen Mechanismus steht im Mittelpunkt einer Installation, mit der sie Wege zur Kreativität ebnen will. „Creation One“, wie das Vehikel heißt, ist eigentlich nur eine Absichtserklärung. Das richtige Ding soll drei mal vier mal drei Meter groß werden und real auf Reisen gehen.

Pfeil will dem Betrachter etwas vorsetzen, was er nicht versteht, und trotzdem fasziniert, was einen inneren Prozess auslöst, der verkrustete Denkstrukturen aufbricht. Die 42-jährige Deutsche, die in einer Vergangenheit, mit der sie abgeschlossen hat, in den USA als Modedesignerin und Filmset-Malerin gearbeitet hat, träumt daher von einer Tournee unter anderem durch arabische Länder.

Nun sucht sie Sponsoren. Schon jetzt ist „Creation One“ beziehungsweise ihre Installation „Where II“ im Grunde ein Gemeinschaftsprojekt. So benötigte sie Hilfe für die komplexe, stets neue Bewegungsmuster zeigende Programmierung der Ruder. Und für die Riesenarche, so sie zustande kommt, braucht sie die Hilfe eines Statikers. Schwimmen wird das Kreativitätsvehikel auf einem Meer aus Schafwolle. Und draußen bimmeln die Lieferanten derselben.

Und so gehts hin:
Creation One / Bios / Systems, Katharina Pfeil; Skulpturengarten, Kollektivausstellung, Palmyra Sculpture Centre, Establiments, Carrer de Pomar 4-4, Eröffnung Freitag (7.5.) 18 - 22 Uhr, bis 20.6., Sa/So 16-20 Uhr oder nach Absprache unter Tel.: 600-96 29 55, www.palmyrasculpturecentre.com

In der Printausgabe vom 6. Mai (Nummer 522) lesen sie außerdem:
- Maler statt Mönch: Bombolo zeigt Neues im „Neuen Ei“   
- Es geht los: 12. Internationales Puppentheater-Festival

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