Flamenco Paint Performance: Krawatte, Pinsel und Gitarre

Manche Maler hören Musik bei der Arbeit, Iván Montaña geht einen Schritt weiter. Zu sehen und zu hören sind sein multikulturelles Trio und er am Samstag (5.6.) im Kulturzentrum Sa Taronja

03-06-2010  
Der Wahlmallorquiner Iván Montaña verbindet Musik und Malerei zur "Flamenco Paint Performance". Theater Lloseta, 19. Februar 2010.
[23/05/2012]

THOMAS FITZNER Jeder Künstler hat seine Tricks, um in Fahrt zu kommen, zu den gängigen gehört Musik. Manchmal, wenn Iván Montaña bei seiner Arbeit Funk oder Flamenco hörte und die Fantasie in Fahrt gekommen war, stellte er sich vor, er hätte Musiker live im Atelier und würde ihre Klänge und Rhythmen direkt in Farben und Bewegungen umsetzen, während auch sein Agieren auf die Musiker … ja, abfärbte.

Der Katalane, der seit 17 Jahren auf Mallorca lebt, hat diese Idee verwirklicht, bei der Nit de l´Art in Palma im vergangenen September erstmals präsentiert und auf der Insel schon mehrmals gezeigt. Am Samstag (5.6.) wird die „Flamenco Paint Performance" im Kulturverein Sa Taronja in Andratx noch einmal zu sehen sein.

Es ist mehr als ein spontanes Zusammenspiel eines Malers und dreier Musiker, das wird schon an der Vorgeschichte ersichtlich. Während Montaña (34) seine Malerkarriere vorantrieb, unter anderem mit Zeichnungen „von fetten Leuten auf Vespas", die zu einer Art Markenzeichen wurden, fuhr er bei Events, in Cafés und auf Ausstellungen sein Radar aus, um Musiker zu finden, die sich für das Projekt interessieren ließen. Und ließ manchen Versuchsballon steigen. Im Jahr 2005 führte er im Teatre Xesc Forteza in Palma eine Paint-Performance mit Jazz und Tanz auf, ein Jahr später malte er in der Sala Assaig zu Rockmusik.

Doch der Funke sprang erst über, als er die Andalusierin Dámaris Sánchez kennenlernte. Mit ihr hatte Montaña eine Flamencosängerin, was ihm auch deshalb gefiel, „weil die Welt des Flamenco stark von machismo geprägt ist, wogegen ich ein Gegengewicht suchte".

Dazu stießen zwei Instrumentalisten, die gleich auch ein Gegengewicht zu Europa herstellen: Der Gitarrist Sanji Ariyaratne stammt aus Sri Lanka, studierte ursprünglich asiatische Musik, sog später in Paris französisch-arabische Einflüsse auf und widmete sich danach in Spanien ganz dem Flamenco. Der Perkussionist Mojtar Artiach hingegen stammt aus Marokko.

„Es ist ein Flamenco mit inte­re­ssanten Nuancen", sagt Montaña zur Musik dieser Mikro-Version der Vereinten Nationen. Er selbst streift einen schwarzen Anzug über und bindet sich eine Krawatte um, „eine Metapher für die Fassade des zivilisierten Menschen, die im Lauf der Performance allmählich zusammenfällt". Der Künstler greift tief in den Farbtopf der Emotionen und Instinkte, am Ende ist der Anzug zur Gänze bekleckert, „irgendwann möchte ich eine Ausstellung nur mit diesen Anzügen aus den Performances machen".

Hinter der Spontaneität steckt Konzeptarbeit. Gut eineinhalb Jahre feilten die vier, bevor sie mit der Darbietung erstmals an die Öffentlichkeit gingen. Die Auswahl der Lieder ist nicht zufällig. Derzeit kommentiert die Performance das Phänomen der Gewalt gegen Frauen. Daher das viele Rot, obwohl Montaña generell Klänge in Farben sieht. „Eine soleá spielt ins Lila hinein, eine Rumba ist rot", nennt er Beispiele. Dabei entstehen auf der Leinwand Formen, die sich verändern, etwa eine Blume, die zu einem Rock wird.

Das nächste Thema soll die Krise sein, oder was sie aus Menschen macht. Sichtlich unberührt von der Krise scheint hingegen die Kreativität.

„Flamenco Paint Performance", am Samstag (5.6.), 21.30 Uhr, Sa Taronja, Andratx, Eintritt: 10 Euro, Tel.: 971-23 52 68.

In der Printausgabe (526) lesen Sie außerdem:
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