Joaquín Sabina: Poet, Enfant terrible und Verführer

Er ist Spaniens vielleicht charismatischster Musiker. Am 10. August rockt er wieder in Palma

05-08-2010  
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Joaquín Sabina auf seiner Südamerika-Tournee vor ein paar Wochen: Mehr als 400.000 Menschen wollten ihn sehen.
Joaquín Sabina auf seiner Südamerika-Tournee vor ein paar Wochen: Mehr als 400.000 Menschen wollten ihn sehen. Foto: Efe

GABRIELE RICKE Er ist Sänger, Liedermacher, Komponist und Poet. Oder Poet und Sänger? Trennen kann man das bei Joaquín Sabina nicht so genau. Seine Lieder erzählen Geschichten, wie sie nur das Leben schreiben kann. Über die Beziehungen zwischen Mann und Frau. Über den Alltag. Über die Politik. Die er mit viel Ironie, Selbstironie und Zynismus anreichert. Sabina ist eine der aufregendsten Persönlichkeiten der spanischen Musikszene.

Der Schlüssel für sein Werk ist sein Leben. Als Sohn eines Polizeiinspektors aus Jaén wird er 1949 geboren. Schon als 14-Jähriger schreibt er Gedichte und komponiert für eine Band, die er mit Freunden gründet. Sein Abitur macht Joaquín bei Mönchen, entdeckt sein Interesse für Literatur, studiert in Granada Romanistik.

Und beschäftigt sich mit Politik: Der Student schließt sich der kommunistischen Partei an, sympathisiert mit der ETA (was er später ausdrücklich bereut). 1970, während der Franco-Diktatur, wirft er einen Molotowcocktail gegen eine Niederlassung der baskischen Banco de Bilbao, um gegen die Verhängung der Todesstrafe von sechs ETA-Mitgliedern zu protestieren.

Absurd: Sein eigener Vater wird daraufhin beauftragt, ihn zu verhaften. Mit dem Pass eines Bekannten, den er kaum kennt, gelingt ihm die Flucht nach London. Er bekommt politisches Asyl, schreibt dort seine ersten Lieder, verdient sich sein Geld mit Auftritten in Cafés und der U-Bahn. 1976 produziert er „Memorias del exilio". Und verkauft prompt alle 1.000 Exemplare auf der Straße.

Sein Markenzeichen schon damals: Prägnante Zeilen, die in Spanien fast jeder kennt. „Adiós amor, te deseo lo peor", ist so eine (Lebewohl, Liebe, ich wünsche dir das Schlechteste). „Sorpresas te da la vida" (das Leben birgt Überraschungen) könnte sein Leitspruch sein.

Nach Francos Tod kehrt Sabina 1977 zurück nach Spanien. Wo er erst mal, übrigens auf Mallorca, seinen Militärdienst nachholen muss. Um wenigstens die Nächte außerhalb der Kaserne verbringen zu dürfen, heiratet er seine damalige Freundin.

Kurz darauf zieht Sabina nach Madrid, wo er seinen ersten Plattenvertrag bekommt und zu einer zentralen Figur der movida wird, des kulturellen Aufbruchs in der noch jungen Demokratie. Er lebt exzessiv – kaum eine Droge, die er nicht probiert hat, ständig wechselnde Frauen – und wird zum Star. Von „Hotel, dulce Hotel" (1987) und  „Fisica y Química" (1992) werden hunderttausende Alben verkauft.

Mal sind seine Rhythmen sanft und langsam, mal rockig. Seine Stimme ist im Laufe der Zeit immer rauer und markanter geworden. Nach einem leichten Schlaganfall 2001 pausierte er ein paar Jahre. 2009 dann das große Comeback mit „Vinagre y rosas": 20.000 verkaufte CDs in der ersten Woche, zwei Platin-CDs, eine Südamerika-Tournee mit über 400.000 Zuschauern – und nun eine große Spanien-Tournee, die ihn auch nach Palma führt.

Einfach mal reinhören:
Musikexperte Víctor Conejo von der MZ-Schwesterzeitung „Diario de Mallorca" empfiehlt: „La mandrágora" (1981): tolle Texte, Lieblings-CD vieler Fans. „Hotel, dulce Hotel" (1987), ein echter Klassiker. Mit „19 días y 500 noches" (1999) machte Sabina den Sprung in die Moderne. Sein aktuelles Album „Vinagre y rosas" biete besten Pop-Rock.

Infos zum Konzert auf Mallorca
:
Joaquín Sabina, Palma Arena, 10.8., 22 Uhr, Karten: 40 - 100 Euro, www.servicaixa.es oder Tel.: 971-6055 06.

In der Printausgabe vom 5. August (Nummer 535) lesen Sie außerdem:
- Poetische Leuchtturm-Impressionen: Menschenwerk an wilden Orten
- Insel-Künstler Bernardí Roig und das Problem mit der Feuchtigkeit
- Nach den Sturmschäden: Die March-Gärten sind wieder offen

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