VON THOMAS FITZNER An diesem Abend (16.9.) mischen sich die Kunstkenner mit den Kunst-Kennenlernern, die etablierten Kreativen mit den alternativen Straßenkünstlern, das Visuelle mit dem Akustischen und der Augenschmaus mit dem Kulinarischen.
Die Nit de l´Art, gegründet 1997 mit dem Grundgedanken, den Palmesanern die Scheu vor Kunstgalerien zu nehmen, ist zu einem Massenphänomen geworden, zum wichtigsten Kunstevent des Archipels und zu einem Kulturfestival, das selbst in der Krise zulegt und nach dem nicht wenige Inselbesucher ihren Reisekalender organisieren.
Die Nit de l´Art ist es wert: An diesem Tag ziehen die beiden rivalisierenden Galeristenverbände an einem Strick, eröffnen mehr als 30 assoziierte Galerien und einige Museen und Kulturzentren gleichzeitig neue Ausstellungen, klinken sich etliche nicht-assoziierte Galerien und Lifestyle-Geschäfte ein und herrscht im Zentrum von Palma ab 19 Uhr bis Mitternacht ein Gewimmel, in dem Gesehenwerden genauso wichtig ist wie Schauen.
An diesem Abend zeigt Palma auch, warum der Kulturtourismus hier tatsächlich funktioniert: Die Nit de l´Art ist ein Kunstmarathon der kurzen Wege. In manchen Gassen wie Can Veri oder Sant Feliu reihen sich bedeutende Ausstellungsräume aneinander, Plätze wie die Plaça del Mercat vor dem Gran Hotel werden zu Schauplätzen von Happenings.
Seit langem sind auch Galerien aus dem Umland auf den Zug aufgesprungen, für sie organisiert die Unabhängige Vereinigung der Kunstgalerien der Balearen eine Sammelausstellung im Kulturzentrum Misericòrdia (an der Rambla).
Mit am Start sind auch öffentliche Museen wie Es Baluard, das Casal Solleric und die Säle in Ses Voltes (unterhalb der Kathedrale). Etwas abgelegen vom Rummel, aber dennoch immer mit dabei, ist die Stiftung Miró in Cala Major. Und auch das Kulturzentrum Sa Nostra öffnet am Kunst-Donnerstag dem Publikum bis Mitternacht die Tore.
Neben den etablierten deutschen Galeristen wie Joanna Kunstmann und Jule Kewenig nutzen auch Neuankömmlinge den Ansturm. Günstig zwischen den renommierten Sälen Pelaires, Joan Guaita und La Caja Blanca platziert ist etwa die knapp ein Jahr alte Galerie K von Daniel Marx, der eine seit 1.9. laufende Ausstellung des Pop-Porträt-Malers Sebastián Krüger zeigt.
Mit einer ungewöhnlichen Ausstellung macht auch die deutsche Galeristin Uta Gritschke auf ihre Intersecció d´Art aufmerksam, die nur ein paar Schritte abseits der Nit de l´Art-Hauptschlagader liegt: Unter dem Titel „RAW MALLORCA" zeigt sie Werke von Angehörigen gesellschaftlicher Randgruppen.
Fast alle Arbeiten wurden von RoaR vermittelt, einer britischen Organisation, die sich darauf spezialisiert hat, in einem Zentrum für lernbehinderte Erwachsene talentierte Outsider aufzuspüren und zu fördern. Mit Erfolg: Einige der von RoaR vermarkteten Künstler werden Gritschke zufolge bereits international gesammelt.
„Mit dieser Ausstellung gehören wir zu den ersten Galerien Spaniens, die echte Outsider-Art zeigen", sagt Gritschke. Eine Kunst, die sich durch Originalität, Unabhängigkeit und das Fehlen jeglicher kommerzieller Ambitionen auszeichne. Zu sehen bis Ende September, und zur Nit de l´Art bis Mitternacht.
Am 16. September liegt der MZ einen Sonderbeilage zur Nit de l´Art bei, mit einem Stadtplan, in dem die offiziell teilnehmenden Galerien sowie Museen markiert sind.
In der Printausgabe vom 9. September (Nummer 540) lesen Sie außerdem:
- Kompliment, es hat geklappt: Mallorca kann auch Megakonzerte
- Frischer Wind in Artà: Das Paket vom „Cool Days Festival"
Diese Artikel finden Sie auch hier.
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