Synchron-Sprecher Christian Brückner: ´Meine Stimme funktioniert immer´

Im Film ist Brückner seit 37 Jahren die deutsche Stimme von Robert de Niro. Am Samstag (22.1.) liest er in Son Bauló

20-01-2011  
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"The Voice" zu Gast in der Kulturfinca: "Ich lese gerne lange" Foto: Son Bauló

THOMAS FITZNER Christian Brückner ist Schauspieler und einer der bekanntesten Synchronsprecher des deutschen Films und Fernsehens. Er hat seine Stimme Alain Delon, Martin Sheen, Peter Fonda und Robert Redford geliehen. Und seit 1974 steckt jedes Mal, wenn Robert de Niro in einer deutschen Filmfassung den Mund aufmacht, der heute 67-jährige Schlesier dahinter. Wenn sein Terminkalender es erlaubt, ruht er sich in seinem Haus in s´Arracó aus – oder bereitet dort neue Rollen vor. Wir sprachen mit ihm übers Sprechen und über seine Lesung am 22.1. in der Kulturfinca Son Bauló.

Sie haben zwei Kinder und nun auch Enkel – kriegen die Kleinen eigentlich mit, welche Qualität sie geboten kriegen, wenn Opa Brückner vorliest?
Gar nicht. Sie haben das natürlich gerne, und ich lese Ihnen gerne vor und gebe mir auch Mühe dabei. Aber bei CDs mit Kinderhörspielen ist mein Geschmack völlig unmaßgeblich. Denen gefallen Dinge, die ich für unzumutbar halte, etwa, wenn die Sprecher schamlos übertreiben.

In der deutschen Presse werden Sie auch ´The Voice´ genannt, ´Die Stimme´. Was tun Sie, um dieses so wichtige Arbeitsinstrument in Schuss zu halten?
Gar nichts. Ich betreibe keine Stimmpflege. Allerdings meine ich, dass die bewusste und künstlerische Verwendung meiner Stimme über all die Jahre zu einer hohen Resistenz dieses Organs gegen negative Umwelteinflüsse geführt hat. Ich kann das jetzt nicht erklären, aber mein Eindruck ist, dass meine Stimme wie in einen schützenden Käfig eingeschlossen ist, und dass sie selbst dann, wenn sie mal durch Verkühlung belegt ist, genügend Spielraum aufweist, um das kompensieren zu können. Ich kann die Gelegenheiten, da ich in meiner Karriere wegen Stimmproblemen einen Auftritt absagen musste, an den Fingern einer Hand abzählen. Ich werde auch am Samstag in Son Bauló nicht verkühlt sein.

In welchen Ländern wird besser, in welchen schlechter synchronisiert?
Ohne in Eigenlob zu verfallen: Der deutsche Hang zur Präzision hat auch in diesem Bereich zu einem sehr hohen Niveau geführt. Ich habe mal in Barcelona für eine spanische Produktion einen Ausländer gesprochen, und dabei fiel mir auf, dass hier das Machomäßige schon sehr stark betont wird. Die Serien sind wohl auch ziemlich schlampig synchronisiert. Im Film passen allerdings die Vertreter der großen Studios auf, dass das Niveau nicht abrutscht, daher ist die Qualität der Synchronisierung im Kino in vielen Ländern wohl ähnlich.

Sie sind auch als Vorleser sehr gefragt. Was sagt Ihrer Meinung nach der Hörbuch-Boom der vergangenen zehn Jahre über unsere Gesellschaft?
An sich eine schöne Sache, doch die Tendenz geht auch hier hin zu einer größeren Popularisierung und Verflachung. Ich betreibe ja gemeinsam mit meiner Frau einen Hörbuchverlag namens „Parlando" und wir tun etwas aus geschäftlicher Sicht völlig Idiotisches, indem wir nur Titel ins Programm nehmen, die wir persönlich schätzen. Es ist ein absolutes Leidenschaftsprojekt, bei dem wir großen Wert auf Qualität in Umsetzung und Inhalt legen, und wir sehen uns stark bedrängt von Verlagen, die populäre Krimis, Thriller und Fantasy-Romane billig produzieren und die Preise kaputtmachen.

Leiden Sie im Hörbuchbereich bereits unter Internet-Piraterie?
Indirekt, weil bei allen Rechteinhabern, mit denen man sich für ein Projekt einigen muss, immer jemand dabei ist, der keine Internet- Downloads akzeptiert und nur einem Vertrieb per CD zustimmt. Das schränkt uns ein.

Sie sind früher am Broadway in New York aufgetreten. Stehen Sie noch gelegentlich auf der Bühne?
Ja, derzeit quäle ich mich mit dem Auswendiglernen langer Texte von Thomas Bernhard und James Joyce für eine ziemlich abgefahrene Sache Mitte Februar in Stuttgart, eine Art Theater-Performance mit moderner Musik bei einem Festival namens ´Eklat´. Wenn das Erfolg hat, kommt es im April auch in Madrid auf die Bühne.

Was erwartet das Publikum in der Kulturfinca?
Ich lese aus dem Buch ´Diese alte Sehnsucht´ von Richard Russo vor, eine Familien- und Ehegeschichte von Menschen zwischen 50 und 60, die mit den üblichen Problemen zu kämpfen haben. Bei aller Bitterkeit gibt es auch erfreuliche Perspektiven. Ich lese übrigens gerne lange und weiß, dass ich das Publikum nicht langweile.

Lesung mit Christian Brückner, Samstag (22.1.), 19 Uhr, Kulturfinca Son Bauló, Lloret de Vistalegre, Eintritt: 18 Euro, Tel.: 971-52 42 06.

In der Printausgabe vom 20. Januar (Nummer 559) lesen Sie außerdem:
- "Klassik stirbt": Dirigent Ponseti kritisiert den Massengeschmack
- Geldmangel: Sa Taronja stellt Veranstaltungen bis März ein

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