Serenata Berlín: ´Mit Musik ticken wir anders´

Finale mit dem Bratschisten Avri Levitan. Im Interview erzählt der Israeli über das Comeback seines Instruments und Dissonanzen im Ensemble

13-10-2011  
Musiker Avri Levitan
Musiker Avri Levitan Foto: Veranstalter

THOMAS FITZNER Zum letzten Mal in diesem Jahr bietet der Kulturverein Sa Taronja in Andratx Kammermusik für Gourmets: Avri Levitan, Kamila Glass, Jakob Spahn und Yael Kareth bestreiten am Samstag (10.9.) das Abschlusskonzert der „Serenata Berlín".

Der Schwerpunkt liegt auf einem Instrument, dem die Musikliteratur keine besondere Aufmerksamkeit schenkt: der Bratsche. „Eigentlich ist das egal", sagt Avri Levitan. „Denn mit der Bratsche kann man nahezu jede Komposition nachspielen – es hängt von der Fähigkeit des Solisten ab."

Die Fähigkeiten des 1973 in Tel Aviv geborenen Musikers sind unbestritten. Neben seiner Arbeit beim Deutschen Sinfonie Orchester Berlin, aus dem sich die Ensembles der Serenata Berlín rekrutieren, sowie einer internationalen Solistenkarriere unterrichtet er seit kurzem am Konservatorium von Saragossa. Daneben ist er musikalischer Leiter des Internationalen Kammermusik-Festivals im nordspanischen Calahorra. Daher pendelt er letzthin ständig zwischen Deutschland und Spanien.

„In den vergangenen 50 Jahren hat die Bratsche an Bedeutung gewonnen", behauptet Levitan. „Und ich beobachte an den Konservatorien, dass die Studenten dieses Instruments ein unglaubliches Niveau erreichen."

Warum gerade die Bratsche junge Musiker so motiviert, kann er nicht sagen. Wie Musik für den Israeli ohnehin ein Mysterium ist, das ihn fasziniert. „In einem Ensemble verstehen sich nicht automatisch alle prächtig, auf menschlicher Ebene gibt es dieselben Dissonanzen wie anderswo." Doch während des Spiels würden diese Probleme auf wundersame Weise verschwinden. „Es ist, als würde unser Gehirn während dieser Zeit, da wir Musik machen oder hören, anders funktionieren und sich Menschen auf einer anderen Ebene verstehen können."

Nach Andratx kommt er mit drei Kollegen, mit denen er sich auch ohne Musik blendend versteht – gemeinsamer Urlaub ist Teil des Tauschgeschäfts, dem das Kulturzentrum erstklassige Konzerte verdankt.

Aber vielleicht trägt sein kultureller Hintergrund dazu bei, dass Levitan viel über die konfliktmildernde Wirkung der Musik nachdenkt. Nicht immer funktioniert die Magie: Vor wenigen Tagen störten pro-palästinensische Demonstranten in London ein Konzert des Israel Philharmonic Orchestra und zwangen die BBC zum Abbruch der Live-Übertragung.

Vor diesem Hintergrund sind die Erfahrungen von Yael Kareth interessant. Die 1986 in Jerusalem geborene Pianistin hat trotz ihrer Jugend bereits eine brillante Karriere absolviert und unter anderem mit Daniel Barenboim gespielt. Mit seinem West-Eastern Divan Orchestra leistet dieser weltberühmte Dirigent Friedensarbeit, indem er junge Menschen verschiedenster Herkunft, darunter Israelis und Araber, zum Musizieren zusammenbringt.

Auch Yael Kareth hat an diesem Projekt teilgenommen und sich dabei mit der arabisch-israelischen Sopranistin Enas Massalha angefreundet. Mit ihr absolviert sie gemeinsame Auftritte, einen der letzten im vergangenen Januar mitten im Herz des Konflikts: in Jerusalem.

Mit der polnischen Violinistin Kamila Glass ist am Samstag auch die in Berlin agierende Koordinatorin der Serenata dabei. Der Berliner Jakob Spahn schließlich setzt in der beginnenden Saison eine vielversprechende Laufbahn als Solo-Cellist der Bayerischen Staatsoper in München fort.

Serenata Berlín, Werke von Brahms, Beethoven, Schumann und Saint-Saëns, Samstag (10.9.), 21.30 Uhr, Sa Taronja, Andratx, Eintritt: 20 Euro (Mitglieder 12 Euro).

In der Printausgabe vom 8. September (Nummer 592) lesen Sie außerdem:
- Spanien verstehen mit Thelen: Berater erklärt Mallorca-Roman

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