Nit de l´Art: Wenn Kunst den Rahmen sprengt

Das Programm für diesen Donnerstag (15.9.) kann sich sehen lassen. Aber interessant ist auch manches, was nicht drinsteht

13-10-2011  
 Das Foto stammt aus der Ausstellung "Memento Mori" (Paco y Manolo, Sito Mújica, Addaya Centre d´Art, Alaró), zu sehen im Kulturzentrum Misericòrdia (18), wo die nicht in Palmas Innenstadt ansässigen Galerien vertreten sind.

THOMAS FITZNER Nun haben auch die Politiker begriffen, dass die Nit de l´Art schon lange ihren ursprünglichen Rahmen gesprengt hat und mehr ist als eine kleine lokale Angelegenheit: Erstmals werden in diesem Jahr die Broschüren auch in Englisch herausgegeben. Trotz der schweren Haushalts­krise kratzte der für Tourismus zuständige Stadtrat von Palma genügend Euros zusammen, um diesen seit längst fälligen Service für die vielen ausländischen Kunstfreunde zu finanzieren, die auf Mallorca die Nit de l´Art genießen wollen. Endlich wird auf ein altes Problem reagiert: Auf Mallorca ist viel los, aber als Tourist erfährt man oft nur schwer davon.

Als eine Hand voll Galeristen 1997 in Palma die erste gleichzeitige Vernissage in allen Sälen mit Einladung ans breite Publikum veranstalteten, meinten sie noch, es brauche eine Preisverlosung, um die Menschen zur Kunst zu bringen. Heute erhält unsere Zeitung schon Monate vorher Anrufe von Mallorca-Fans in der Ferne, die wissen wollen, wann die Nit de l´Art in diesem Jahr stattfindet, damit sie ihre Reisepläne danach richten können.

Früh erkannten Museen und Kulturzentren, dass der bis heute von den Galeristen in Eigen­initiative organisierte Termin enorme Chancen bietet. Auch wenn es in dem Getümmel manchmal schwer ist, die Kunstwerke zu betrachten, auch wenn manche Besucher nur an diesem einen Tag des Jahres Interesse an der Kunst entwickeln (an dem die mancherorts gebotenen Appetithäppchen und Getränke wohl nicht unschuldig sind), und auch wenn manche die Nit de l´Art vor allem als Gelegenheit sehen, zu sehen und gesehen zu werden – man kann nicht leugnen, dass so etwas wie Schwellenangst vor den Tempeln der Kunst zumindest an diesem Abend nicht existiert.

Schon seit Jahren öffnen einige Museen und Kulturzentren aus Anlass der Nit de l´Art bis Mitternacht ihre Tore und geben am folgenden Tag stolz Erfolgsmeldungen über Besucherzahlen heraus (Beispiel Es Baluard 2010: 6.400 Besucher). An diesen orientieren dann die Medien ihre Schätzungen, wie viele Menschen insgesamt in diesem Jahr wieder dem Ruf gefolgt sind. Was deshalb schwierig ist, weil die Nit de l´Art keine statische Veranstaltung ist. Das Publikum befindet sich in spontaner, unorganisierter Bewegung, schon allein deshalb, weil man in diesen knapp fünf Stunden unmöglich alles sehen kann, was geboten wird.

Zu diesem Riesen-Angebot tragen neben Handel und Gastronomie entlang der Kunstroute jene Galerien und Künstler bei, die im Programm nicht auftauchen und trotzdem mitmachen. Auf der Plaça Mercat vor dem Gran Hotel etwa organisiert der Ein-Frau-Betrieb von Artevision seit drei Jahren unter freiem Himmel die größte inoffizielle Ausstellung. Und im ganzen Stadtzentrum haben Galerien, Ateliers und Lifestyle-Läden bis spät abends offen und agieren Kreative direkt auf der Straße. Wir haben uns für diese Ausgabe im Vorfeld umgehört und erzählen über Teilnehmer, die zwar in der Broschüre fehlen, nicht aber bei der Nit de l´Art.

Im Mittelpunkt aber stehen natürlich die Ausstellungsräume der veranstaltenden Galerievereinigungen Art Palma und AIGAP, die am 15.9. einmal mehr beweisen, was sich mit wenig Geld und einer guten Idee bewegen lässt.

Das Titelfoto der Sonderbeilage stammt aus der Ausstellung „Memento Mori" (Paco y Manolo, Sito Mújica, Addaya Centre d´Art, Alaró), zu sehen im Kulturzentrum Misericòrdia (18), wo die nicht in Palmas Innenstadt ansässigen Galerien vertreten sind.

Die MZ-Beilage zur Nit de l'Art als E-Paper: epaper.mallorcazeitung.es.

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 15. September (Nummer 593) lesen Sie außerdem:
- Horror auf dem Cover: der Autor Fernando Aramburu


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