Der größte Wurf der Trickfilmer von Mallorca

Mit einem in ihrer Freizeit produzierten Film bewerben sich Dozenten der UIB um den Goya. Die Premiere fand unter Tage statt

24-11-2011  
 Szenarien von Palma und New York im Computer nachgebaut: Szenenbild aus „Ella?
Szenarien von Palma und New York im Computer nachgebaut: Szenenbild aus „Ella? Foto: Ladat

THOMAS FITZNER Aktuell gibt es viel zu wenige Momente wie diesen: stehender Beifall für ein Team von Optimisten, die quasi aus dem Nichts ein normalerweise extrem teures Produkt zaubern. So geschehen am Dienstag (22.11.), als sich der unterirdisch angelegte Aljub, der ehemalige Wasserspeicher im Kunstmuseum Es Baluard in Palma, mit Begeisterung füllte. Gefeiert wurde ein Dozententeam der Balearen-Universität UIB für eine Fleißaufgabe der besonderen Art: In zweijähriger Arbeit nach Dienstschluss und an Wochenenden einen Trickfilm namens ­„Ella" zu produzieren.

Das sind 19 Minuten 3D-Computeranimation. Es geht darin um eine Liebesgeschichte, doch die eigentliche Love Story spielt in der Wirklichkeit: Juan ­Montes de Oca, der vor 21 Jahren in ­Palma einen der europaweit ersten Universitätslehrgänge für Computeranimation ins Leben rief, hat in dieser Zeit Enthusiasten um sich versammelt, die mit Haut und Haaren in ihr Metier verliebt sind. Nur so ist das Engagement zu erklären, das die rund 15 Mitglieder seiner Mannschaft antreibt. Ein abendfüllender Trickfilm in 3D-Animation kostet zwischen 6 und 60 Millionen Euro, „Ella" dauert ein Viertel der Zeit und kostete keinen Cent – niemand hat Überstunden aufgeschrieben, und auch externe Mitstreiter wie der Sänger John Tirado haben ohne Gage mitgewirkt. Benutzt wurde die Ausstattung der Uni.

„Natürlich hat das Projekt einen direkten Nutzen für unsere Arbeit", sagt Montes. „Mit ´Ella´ haben wir neue Methoden und Technologien ausprobiert und selbst dazugelernt. Das können wir an unsere Studenten weitergeben."

Vor allem aber können die Dozenten Kompetenz beweisen. Was sie schon bisher ganz gut machen: Die Filme, die Ladat-Studenten unter ihrer Anleitung als Abschlussarbeiten erstellen, haben auf internationalen Festivals gezählte 700 Nominierungen und 117 Preise erzielt, unter vielen anderen den Preis für den besten europäischen Kurzfilm bei der ­Biennale von Venedig 2003.

So erklärt sich auch der Ehrgeiz, „Ella" im Wettbewerb um den spanischen Goya-Filmpreis antreten zu lassen. Montes und seine Leute richteten ihren Arbeitskalender an dieser Bewerbungsfrist aus und kamen am Ende noch ganz schön ins Schwitzen. Gerade rechtzeitig erhielt „Ella" Anfang November die Freigabe des Kulturministeriums.

Freuen wird sich auch das Tourismusministerium: Die besagte Liebesgeschichte im Film spielt in den 60er Jahren in New York sowie in der Gegenwart in Palma. Die Darstellung der Reize Mallorcas gehörte von Anfang an zu den Zielsetzungen des Teams.

Der tosende Beifall bei der Premiere im Aljub war denn auch Ausdruck eines doppelten Stolzes: auf das Wunderteam der Insel-Uni und darauf, wie gut der ­akribisch im Computer nachgebaute Parc de la Mar samt Kathedrale in einer 3D-Animation rüberkommt, die von der Qualität her Ambitionen für die Erste Liga erkennen lässt.

Vorläufig wird der Film nur auf Festivals gezeigt werden. Sobald er dort „durch" ist – wahrscheinlich Mitte 2012 – wird „Ella" ins Internet gestellt.

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