1.000 Künstler treffen sich zum Neujahrsbrunch

Bildhauer aus ganz Europa haben sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Mit dabei: das Palmyra Sculpture Centre

25-01-2012  
Live-Act mit Übertragung in 15 Länder: Bildhauer erstellten vergangenen Sonntag in Establiments ein Tonrelief. Die Kamera lief mit
Live-Act mit Übertragung in 15 Länder: Bildhauer erstellten vergangenen Sonntag in Establiments ein Tonrelief. Die Kamera lief mit Foto: Palmyra S.C

BRIGITTE KRAMER Sie brauchen viel Platz und stehen gern im Mittelpunkt. Skulpturen sind die Problemkinder der zeitgenössischen Kunst. Wer sie sammeln will, braucht eine Villa, wer sie machen will, ein großes Atelier.

Damit setzen sich die Gründer des Sculpture Networks auseinander, das seit zehn Jahren europaweit die Vermarktung dreidimensionaler Kunst vorantreibt. Es hat seinen Sitz bei München und ist mit 43 Ländern vernetzt. Auch auf Mallorca befindet sich jetzt ein Knotenpunkt: das Palmyra Sculpture Centre in Establiments.

Dessen Betreiberin, die Holländerin Ien van Wierst, ist seit Ende 2011 Mitglied im europäischen Netzwerk für Bildhauerei. Gemeinsam mit dessen Balearen-Vertreterin, der auf Ibiza lebenden Anne de Harlez, hat van Wierst am vergangenen Sonntag (15.1.) zum Neujahrsbrunch mit Videokonferenz geladen. Mehr als 80 Künstler waren dabei, darunter Joan Costa, Martín Mas, Tomeu Simonet und Isabela Castro.

Gemeinsam arbeiteten sie an einem Tonrelief, ließen dabei eine Kamera laufen und stellten mit ihrer Übertragung eine Verbindung zu rund 1.000 Künstlern und Kunstfreunden in 15 europäischen Ländern her. Bei Palmyra waren wiederum die Bilder von 25 anderen Bildhauer-Teams auf einer weißen Wand zu sehen, umrahmt von einer Arbeit von James Lambourne.

Ob solche Aktionen Sammler davon überzeugen, auf Dreidimensionales zu setzen – diese Frage bleibt im Raum. Man kann sie nicht allgemeingültig beantworten, denn, so sagt Ferran Aguiló, „jeder Künstler hat seine persönliche Geschichte", Der 55-Jährige wirkte am Sonntag an dem Relief mit, wenngleich er sich nicht ganz zugehörig fühlte. „Die jungen Leute haben auf Mallorca heute bessere Projektionsmöglichkeiten", sagt er, „wir sind noch in einer verschlossenen Welt aufgewachsen."

Der bekannte Bildhauer arbeitet in Campos. Er hatte Glück, wie er bescheiden sagt, „denn ich konnte immer von meiner Arbeit leben, wenn auch nicht im konventionellen Sinn". Seine Arbeiten waren jüngst im Casal Solleric zu sehen und sind im öffentlichen Raum der Stadt Palma platziert.

Er bezeichnet die Bildhauerei als permanente Suche nach einem Gleichgewicht. Ganz kann er sich praktischen Anforderungen nicht verschließen: „Stelle ich in einer Galerie aus, mache ich natürlich kleinere Arbeiten, die in normale Häuser passen."

Für den Deutschen Herbert Hundrich, der ebenfalls in Establiments dabei war, ist die Frage falsch gestellt. „Es geht nicht um Malerei oder Bildhauerei, sondern um Groß- oder Kleinformatiges." Im Laufe seiner Karriere hat der 60-jährige Wahlmallorquiner mit vielen Materialien und Formaten experimentiert. Ausschlaggebend sei immer der gestalterische Aspekt und der Inhalt seiner Arbeiten gewesen, „nicht deren Handlichkeit, denn dann hätte ich auch Briefmarkensammler werden können", sagt er.

Hundrich hat sich dennoch, nach jahrzehntelanger Auseinandersetzung mit Granit – „der pure Wahnsinn, teuer und schwer" – nun dem Polyester zugewandt, mit dem er leichte Lichtskulpturen baut. Hundrich bezeichnet sich als Einzelgänger, ist aber dennoch dem Sculpture Network beigetreten, weil er das Netzwerk als „effizient und aktiv" erlebt.

Außerdem sei es bei der Verbreitung gesellschaftspolitischer Projekte behilflich, die der Künstler unter anderem mit Fukushima-
Opfern vorantreibt, wie er sagt.

Katharina Pfeil, Artist in Residence bei Palmyra, suchte am Sonntag den kreativen Austausch, mit anderen Künstlern. „Das Arbeiten im Atelier ist manchmal sehr einsam", sagt die 43-jährige Kölnerin, die in einer ehemaligen Schlosserei in Sencelles arbeitet. Für Pfeil ist Palmyra ein einzigartiger Anlaufpunkt, weil hier systematisch Kontakte geknüpft werden. Ob die Vernetzung den Verkaufserfolg fördere, ist auch ihr nicht klar. „Austausch ist das Wichtigste", sagt sie, „was danach kommt, bleibt offen."

In jedem Fall versteht sich das Network nicht als Verkaufsplattform. Organisatorin Sophie Schmidpeter stellt Kunst und Markt nebeneinander, betont aber, dass die Vereinigung weder profitorientiert ist, noch für die Kunst bürgt: Derzeit können alle Bildhauer beitreten, unabhängig von der Qualität ihrer Arbeit. „Wir bereiten ein Auswahlverfahren vor", sagt sie. Bis dahin arbeiten die 950 Mitglieder nur nach einem Motto zusammen: „Stand up for sculpture".

www.sculpture-network.org, www.palmyrasculpturecentre.com

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 19. Januar (Nummer 611) lesen Sie außerdem:
- Adiós, Cela-Museum: Projekt-Angebot zurückgezogen

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