Galerie Mensing: ´Gönnen Sie sich ein Bild!´

Die neue Galerie in Palma setzt nicht auf Sammler, sondern auf Passanten. Das Konzept des spontanen Kaufs im Kunstsupermarkt funktioniert bereits in acht deutschen Filialen

03-01-2013  
Farbenfrohe Kunst zwischen Design und Deko – und das auf 700 Quadratmetern: Eindrücke aus der Galerie Mensing in Palma
Farbenfrohe Kunst zwischen Design und Deko – und das auf 700 Quadratmetern: Eindrücke aus der Galerie Mensing in Palma Foto: Bendgens

BRIGITTE KRAMER Unbeschwert geht es hier zu, auf den 700 Quadratmetern der Galerie Mensing. Wer den Laden an der Einkaufsstraße Carrer Colom in Palma betritt, wird von bequemen Sitzmöbeln, auf dem Boden aufgereihten Einkaufstaschen und einem Fernsehbildschirm begrüßt, auf dem die Simpsons laufen. Dazwischen hängen dicht gedrängt, an Wänden und Stellwänden, farbenfrohe Bilder.

Das neue, große Kunstgeschäft an einer der besten Adressen der Stadt wendet sich an Laien in Kaufstimmung. In der Gestaltung ähnelt es den acht anderen Häusern, die der Galerist und Künstler Harry Mensing in deutschen Großstädten, auf Sylt und im westfälischen Hamm-Rhynern führt. Alle sind bunt und voll, wirken wie das Gegenteil einer herkömmlichen Kunstgalerie, in der einzelne Werke weiße Wände zieren und selten ein Mensch zu sehen ist. „Wir hängen die Bilder eng nebeneinander und kombinieren sie mutig", sagt Galerieleiterin Heidi Bauer. Der Raum wirkt alles andere als elitär. Er vermittelt Fülle und Nähe. „Ich sage den Kunden, ein schönes Bild mache immer Freude, oder dass sie, wenn sie sich ein Bild gönnen, auch ein Stück der Künstlerseele mitkaufen." Kunst sei ein bleibender Wert, ein Schmuckstück an der Wand und eine Freude am Feierabend, so die Leiterin der Filiale in Palma.

Das Stammhaus in Westfalen wurde vor 51 Jahren von Mensings Eltern gegründet, mit Landschaftsbildern und Stilleben aus dem 19. Jahrhundert. Der Sohn hat Repertoire und Präsentation radikal verändert und damit so großen geschäftlichen Erfolg erzielt, dass er sein Konzept vom Warenhaus der Kunst mehrmals reproduziert hat, seit Oktober nun auch in Palma. Es ist ein schlüssiges Konzept. Ab tausend Euro kann man Kunde werden. Die Werke von rund einem Dutzend zeitgenössischer Künstler passen so gut dazu, dass man sich fragt, ob das Verkaufsformat nicht dem Stil der Bilder entgegen kommt: Micky-Maus-Porträts aus konservierten Gummibärchen (von Johannes Cordes), lebensgroße Ölporträts von auf dem Kopf stehenden Frauen im altmodischen Schwimmdress (von dem in Palma lebenden polnischen Künstler Adam Pete), Comic auf Leinwand (Ed Heck), Abendstimmungen am Hafen (Uwe Herbst), bunte Fieberglas-Skulpturen (Dorit Levinstein), hyperrealistische Ansichten von nordamerikanischen Diner-Restaurants oder Straßenzügen (Luigi Rocca).

Die flache Naivität und knallige Präsenz der meisten Bilder soll auch solche Leute zum Spontankauf ermuntern, die sich bislang an Kunst nicht ­herangetraut haben. Vor allem die Werke, die man von der Straße aus sehen kann, verführen: Neo Pop-Art der ­US-Amerikaner Burton Morris und Charles Fazzino oder des Brasilianers Romero Britto. Alle drei sind nicht nur kommerziell weltweit erfolgreich, sondern auch extrem produktiv. Regelrechte Manufakturen kommen einem in den Sinn, wenn man die Menge an Bildern sieht, die allein die Mensings von diesen Künstlern anbieten. Andy Warhols Ideen des Kunstgeschäfts oder der Geschäftskunst sowie der seriellen Produktion werden hier in die Praxis umgesetzt. Wie bei Romero Britto kommt die Kunst hier zwischen Design und Deko versteckt daher. Herzen, Blumen, Tiere oder sich küssenden Münder beleben die Werke, die auch auf Koffern gedruckt zu haben sind.

Daneben hat die Galerie Mensing kleinere Arbeiten mit großen Namen der klassischen Moderne (etwa Dalí, Miró, Chagall), die bis zu 120.000 Euro kosten, im Angebot. Um sie zu ersteigern, besuche eine Kunsthistorikern regelmäßig Auktionen, erzählt die Galerieleiterin. Auch diese Werke sollen vor allem Laien ansprechen. Bei einem kleinen Chagall könne man schließlich nichts falsch machen, versichert Heidi Bauer.

Palmas Konkurrenz hat auf das schrille Kunstgeschäft der Deutschen noch nicht reagiert. Zum Galerienverband habe sie keinen Kontakt, sagt Bauer, und das leuchtet ein. Zu unterschiedlich sind die Konzepte. Generell verstünden Spanier erst nach einem Gespräch, worum es den Mensings geht. „Sie schauen und staunen", sagt Heidi Bauer. „Die brauchen noch ein bisschen Zeit."

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 3. Januar (Nummer 661) lesen Sie außerdem:
- Voilà, der Zirkus Eoloh!
- Kultplattenladen Xocolat
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