Beim Brahms von Búger

Umtriebig wie eh und je: Rauschebart Antoni Caimari und seine Mini-Stiftung ACA laden (nicht nur) zu Konzerten in Palma

06.03.2014 | 01:00
Sein ein und alles: Caimari (mit Mitarbeiterin Crespí) am Flügel
Sein ein und alles: Caimari (mit Mitarbeiterin Crespí) am Flügel

Auf den ersten Blick ist völlig klar, dass hier ein Exzentriker wirkt. Hier, das ist ein acht Meter hoher, an das Innere eines Schiffs erinnernder Konzert- und Übungssaal im beschaulichen 1.000-Einwohner-­Örtchen Búger, in welchem sich Antoni Caimari zuweilen an seinem in Wien gebauten, riesigen Bösendorfer-Flügel mit eigenen Kompositionen oder den Kreationen anderer in Ekstase spielt. Wenn der Musikus in die Tasten haut, ist er voll und ganz bei sich und ganz und gar der Musik verpflichtet. Und dies auch, wenn er aus zwei riesigen englischen Bass-Lautsprechern Musik hört. Caimari gibt sich den Klängen fast im Dunkeln hin, denn der italienische Komponist Gioachino Rossini, den er süffisant zitiert, habe einmal gesagt, dass zu viel Licht das Hör-Erlebnis störe.

Das alles trägt sich zu inmitten von Unmengen von gestapelten und teilweise verstaubten CDs und LPs, vor Fotos von Komponisten wie dem inzwischen verblichenen Karlheinz Stockhausen und Plakaten, die auf Veranstaltungen von Caimaris inzwischen 35 Jahre alter ACA-Stiftung (Fundació Àrea Acústica Son Bielí) hinweisen. „Die Bilder haben keine Glasscheiben, weil die Klänge sie zerspringen lassen würden", sagt der inzwischen 70-jährige Rauschebart aus Sa Pobla, der irgendwie wie eine Mischung aus Johannes Brahms, Gandalf und dem Weihnachtsmann daherkommt und sich auf einem Schwarzweiß-Foto von – sagen wir – 1880 bestens machen würde. „Als ich als Neunjähriger erstmals die fünfte Symphonie von Ludwig van Beethoven hörte, wusste ich, dass die Musik mein Lebensinhalt werden würde."

Der äußerst belesene Mann, dem allein die Erinnerung an Werke von Leuten wie Johann Sebastian Bach und anderen vor allem deutschen Komponisten fast die Tränen in die Augen treibt, hat fast sein ganzes Leben in die ACA-Stiftung gesteckt. Dabei handelt es sich um ein gar seltsames Konstrukt: Bestens mit Institutionen wie der Balearen-Regierung, dem Inselrat und den Rathäusern von Palma, Sa Pobla und Búger vernetzt, werden Orgelkonzerte, Klassik- oder Folklore-Festivals an unterschiedlichen Orten organisiert. Wie etwa eine Konzert­reihe, die bis Juni im Teatre Principal in Palma stattfindet, und in dessen Rahmen das Ensemble Barroc de Mallorca an diesem Sonntag (9.3.) um 18 Uhr Werke von Händel, Leclair und Locatelli spielt.

Auf die Beine gestellt werden zudem Veranstaltungen mit Jungkomponisten, mit Dichtern oder auch Köchen, denn die ­mallorquinische Küche ist die zweite große Leidenschaft des zuweilen zerstreut wirkenden Künstlers. Für spezielle Gäste kocht er schon einmal höchstselbst arros brut in einem auf dem Gelände in Búger stehenden Gebäude mit Großküche und Speise­saal. Auf dem Gelände befindet sich auch noch ein weiterer Bereich, auf dem Caimari einheimische Pflanzen züchtet.

Zur Hand geht ihm nur eine einzige Mitarbeiterin (zwei weitere sind am Rande aktiv), die Journalistin Maria Antònia Crespí. „Es war eine gewisse kulturelle Armut auf der Insel, die mich in den 70ern bewog, ACA zu erfinden", sagt Antoni Caimari. „Es ging mir darum, der Kunst wieder Würde zu verleihen und Kulturerbe zu schaffen. Und trotz vieler durch seine Geldgeber, den Politikern, vorgenommener Streichorgien träumt er weiter. Etwa von einem großen Konzertsaal auf dem Gelände der Stiftung in Búger, die auch mit Büroräumen in der „Botiga del´Art" im nahegelegenen Sa Pobla präsent ist. Oder von erheblich mehr – nämlich 25 – Übernachtungsräumen für Gäste seiner Veranstaltungen. Momentan hat er nur wenige spartanische Zimmer mit allerdings spektakulärem Blick über weite Teile von Mallorca zur Verfügung. „Inzwischen merken die Politiker nach so vielen Jahren der fehlenden Visionen, dass Kultur­tourismus jenseits von Sonne und Strand ein Wert an sich ist."

In diesem Sinne werkelt der Exzentriker von Búger fleißig weiter an allerlei Projekten: Neben dem Klassik-Festival in Palma steigt am 26.3. in der „Sala Rex" in Sa Pobla (Carrer Capità Pere, 2) ein von ihm ersonnener kulinarischer Event. Es werden Tapas dargeboten und vertilgt. „Für 15 Euro bekommt man Essen und ein Buch", lockt Caimari die deutschen Residenten.

Das Konzert am Sonntag (9.3.) im Teatre Principal kostet 10 Euro. Weitere Informationen zur ACA-Stiftung unter 971-51 65 01 und www.fundacioaca.org.

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 6. März (Nummer 722) lesen Sie außerdem:

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