BetArt: Wenn Farben explodieren und Körper rauchen

In Santa Ponça leben Street-Artler ihre Kreativität aus

09.10.2014 | 11:03
BetArt: Wenn Farben explodieren und Körper rauchen

Es sind die vielen international renommierten Street-Art-Künstler, die den gebürtigen Argentinier Zosen bewogen haben, dieses Jahr in Santa Ponça zwei Fassaden des Hotels Surfing Playa zu verschönern. „Die BetArt auf Mallorca gehört inzwischen zur Avantgarde, viele meiner Freunde haben bereits dort gemalt", sagt der 36-Jährige. Zosen lebt in Barcelona und bearbeitet zusammen mit seiner amerikanischen Partnerin Mina Hamada bereits seit Jahren Mauern im Stil des so genannten Neo-Fauvismus, also sehr farbenfroh – in Basel etwa, auch in Bilbao, der französischen Stadt Besançon und in der katalanischen Hauptstadt sowieso.

Das Künstlerpaar ist unter den elf Teilnehmern der BetArt 2014 nach Angaben der zuständigen Kommissarin Pilar Rubí das wohl bekannteste. „Wer Zosen und Mina für ein Projekt begeistern kann, kann sich glücklich schätzen." Ohnehin sind die Hipster momentan in den Medien stark präsent, etwa in einem Spot der Biermarke Estrella-Damm. Auch die Stadtverwaltung von Barcelona lässt es sich nicht nehmen, Werbung mit den so eingängigen Werken des Street-Art-Paars zu machen.

Und jetzt ist eben Santa Ponça dran: „Mit einer mediterranen Komposition wollen wir die Menschen aufheitern", sagt Zosen, der bereits im Alter von zwölf Jahren in sich den Drang verspürte, in den Vororten von Barcelona Fassaden mit Graffitis zu besprühen. Nunmehr ist der Mauermaler ein richtiger Künstler, gehört schon zum Establishment und ist einer unter insgesamt zehn teils von Kommissaren vorgeschlagenen und teils unter 30 Bewerbern ausgesuchten Künstlern, die den Touristenort im Inselwesten mit Unterstützung der zuständigen Gemeinde Calvià als Street-Art-Paradies vollends etablieren sollen. „Zehn bis 15 neue Kunstwerke sollen in den nächsten Wochen entstehen und drei bei der ersten BetArt bereits 2012 geschaffene ergänzen", freute sich Enrique Ortega, Kulturdezernent der Gemeinde bei der Vorstellung des Projektes vergangene Woche. „Neben jedem Kunstwerk wird ein erklärender Text auch auf Deutsch angebracht."

Zu Spray und Pinsel greift bei der BetArt neben Zosen und Mina Hamada unter anderem der Deutsche Boris Hoppek, der dickliche und erstaunt bis ängstlich dreinschauende menschliche Figuren schafft. Er soll ein Stromverteiler-Häuschen von Endesa verschönern. Drei weitere bemalt die galicische Künstlerin Doa Oa mit Blättern in zahlreichen Grüntönen unter dem Motto „Reforestando" („wiederaufforsten"). Dadi Dreucol aus Málaga indes macht sich an einer Fassade des Hotels Miranda zu schaffen und bringt dort auch seine Running-Gag-Figur – einen bärtigen Mann – unter. Ähnlich comichaft ist Enric Font zugange, dessen Spezialität darin besteht, Körper rauchen zu lassen und dies abzubilden. Dies darf er in Santa Ponça ebenfalls auf drei Endesa-Häuschen tun.

Bunt wie die Werke von Zosen und Mina Hamada, aber durch und durch figürlicher, ist das, was der Spanier Mr. Trazo so macht. Ob Gesichter oder Katzen oder Gläser – alles ist gigantisch und erinnert ein wenig an Bilder aus Feen-Bücher für kleine Mädchen. Aktiv wird er am polideportivo, der Sportanlage. Kleinteiliger als Mr. Trazo mag es Alfredo Santos. Seine Mauermalereien wirken ein bisschen wie eine Mischung aus Wetter-und Landkarten, zumal er Grad-, Minuten- und Sekundenzahlen einbaut. Völlig abstrakt, und zwar mit geometrisch klaren Formen, geht das Künstlerkollektiv PSJM zu Wege. Die Mitglieder sind angehalten, eine Parkplatzmauer am Restaurant Mesón del Mar aufzuhübschen.

Die jetzt entstehende sogenannte Kunstroute von Santa Ponça ist bereits die zweite in Calvià, eine weitere wurde im vergangenen Jahr in Palmanova geschaffen. Ob die Kunstwerke viele Jahre überstehen, steht dahin, aber die Hotels mussten sich verpflichten, sie fünf Jahre lang nicht zu übermalen.

Ohnehin benutzen die Szene-stars Zosen und Mina Hamada äußerst wetterresistente Farben und Sprays, auf dass die nächsten Regengüsse nicht alles gleich wieder wegwaschen. „Besonders freut uns, dass wir zwei Wände mit einer Ecke bemalen dürfen", sagt Zosen. „Dann ist die Wirkung der Farb­explosion noch deutlich stärker."

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 9. Oktober (Nummer 753) lesen Sie außerdem:

- Klassik geht auch an der Fischtheke: Evan Christ bei MúsicaMallorca
- Das Wasser zum Leuchten bringen: Sorolla-Bilder im CaixaForum

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