Manfred Kullmann: Vertontes Glück

Mit der neuen CD "Tramuntana" ehrt der Jazzpianist seine Wahlheimat Mallorca

23.04.2015 | 11:57
Stammgast in Son Bauló, wo er auch am 1. Mai sein Mallorca-Album vorstellt: Manfred Kullmann

Die Stücke lagen, wie er sagt, „ein paar Jahre in der Schublade". Jetzt hat der Jazzpianist endlich den Moment gefunden, sie aufzunehmen. Die CD „Tramuntana – Airs of Jazz" ist entstanden im Studio Ona Edicions in Bunyola. Es gehört dem Pianisten und Komponisten Miquel Brunet. „Eines von drei Studios mit einem tauglichen Flügel auf der Insel", sagt Kullmann.

Neben dem Klavier ist auch der Bass des polnischen Musikers Wojtek Sobolewski zu hören, der bei den Balearen-Sinfonikern und mit vielen anderen Ensembles auf der Insel spielt. Auch Pep Lluís García ist mit dabei: Der Percussionist gehört zu den begehrtesten Jazz- und Flamenco-Musikern Mallorcas. Sie bilden das eingespielte Manfred Kullmann-Trio – live und im Studio. „Noch vor zehn Jahren war es nicht einfach, auf Mallorca gute Jazzmusiker zu finden", sagt der 77-jährige Deutsche, „heute ist die Szene viel besser."

Die CD ist eine Hommage an die Insel und das Mittelmeer. Seit seiner Frühpensionierung Ende der 90er Jahre ist Kullmann mit Mallorca verbunden. „Ich bin im Schiff gekommen und bin geblieben", sagt er lächelnd. In „Rumbo Sur" (Richtung Süden), einem von zehn Stücken des Albums, hat er diese lange Schiffsreise von Wiesbaden nach Mallorca vertont. „Am Tag meiner Pensionierung hab´ ich alleine abgelegt", sagt er. Das Schiff hatte Kullmann zuvor zweieinhalb Jahre lang selbst ausgebaut, unter anderem mit Badewanne und Klavier.

Die Reise quer durch Europa, durch Kanäle und Flüsse bis ans Mittelmeer scheint auch ein Abschied von Verpflichtungen und Routine gewesen zu sein. Kullmann war Pianist der Big Band des Hessischen Rundfunks. Nebenbei trat er mit einem Trio und in anderen Formationen auf, komponierte, arrangierte ... „Es war einfach zu viel", erinnert er sich, einen Katzensprung von seiner Dachwohnung entfernt, in einem Café im Zentrum von Palma. „Musik ist schön, aber wenn man zu viel des Schönen hat, verliert es seinen Reiz."

Die große Flucht endete im Hafen von Palma. Mit Musik hatte der Profimusiker dann erst einmal nichts mehr im Sinn, „aber bald schon bat man mich, hier und da um einen Auftritt...". So geht das bis heute. Feste Auftrittsorte sind mittlerweile die Hotels Saratoga in Palma, Sant Salvador in Artà und Son Net in Puigpunyent, der Yachthafen von Palma, wo der Segler Mitglied ist, und vor allem bei Will Kauffmann in Son Bauló. „Die Kulturfinca ist ein toller Ort", sagt Kullmann, „da hab ich ein treues Publikum." Und Will Kauffmann schätzt seinerseits den Pianisten. Im Booklet der CD schreibt er: „Jeder Ton sitzt, mit klarem Anschlag, perfektem Timing – ohne Leerlauf oder Effekthascherei."

Das kann man nun am 1. Mai selbst überprüfen. Dann stellt das Trio die CD in Son Bauló vor. Es folgen Auftritte in Artà (5.5. und 26.5.), in Palma (22.5., Yachtclub Real Club Náutico, 24.5. Hotel Saratoga), und dann geht es nach Berlin. „Die Stadt war immer ein Sehnsuchtsort für mich", sagt der gebürtige Hesse.

Dort hat Kullmann mittlerweile ein zweites „Sommer"-Standbein. Zwei Monate lang ist seine Musik dann im Spinnrad und im Ellington-­Hotel zu hören. Ab Juli werden die Berliner erstmals Themen wie „Red Old Lightning" hören, eine musikalische Reise im Sóller-Zug, durch viele Tunnel und mit verschiedenen Haltestellen. „Das Stück ist der Renner", sagt Kullmann, „die Leute klatschen immer begeistert." Auch „Hojarasca" (Laubsturm) oder „Marejada" (Seegang) sind vertonte Ein­drücke der vergangenen Jahre auf der Insel. Das titelgebende Stück „Tramuntana" ist ein musikalisches Porträt der Gebirgskette, mit ihren „rauen und lieblichen Seiten", so Kullmann.

Hörprobe: Red Lightning - so klingt der Rote Blitz

Vor seinem Umzug nach Mallorca lebte der Musiker im Taunus: „Dunkel und kalt" sei es dort gewesen, erinnert er sich. Seit 2004 wohnt Kullmann mit Frau und Hund nun in Palma. Abgesehen vom täglichen Spiel an einem elektrischen Klavier, an dem er den Nachbarn zuliebe nur mit Kopfhörern und „auch mal nachts" spielt, treibt er nach wie vor Radsport und genießt mit seiner Frau die Zweisamkeit und das Leben unter der Sonne. Es scheint Nachholbedarf zu geben. „Ich habe mein Leben lang zu viel gearbeitet", sagt der Musiker nachdenklich.

Das Album „Tramuntana – Airs of Jazz" des Manfred Kullmann-Trios ist bei Ona Edicions erschienen und geht demnächst in den Handel Konzerttermine unter www.manfredkullmann.de

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 23. April (Nummer 781) lesen Sie außerdem:

- Smooth-Jazz-Festival in sa Coma
- Per Comic auf den Spuren des Erzherzogs durch die Tramuntana
- Maremostra-Filmfestival in Palma

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