Galerist Xavier Fiol: "In der Nit de l´Art kann alles passieren"

Der Präsident von ArtPalma, über die Neuerungen bei der diesjährigen Ausgabe der großen Kunstnacht, die Magie des Abends sowie den Umgang mit unverständlichen Kunsttexten

20.09.2015 | 16:23
Xavier Fiol: „Mit Ausnahme von Madrid kenne ich keine spanische Stadt, die so viele Leute für eine Kunstnacht anzieht."
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Zur Person

  • Xavier Fiol wurde 1962 in Palma geboren. Nach Stationen in Barcelona und Madrid kehrte er 1983 nach Mallorca zurück und eröffnete 1989 seine Galerie, zunächst in der Carrer Montenegro.
  • Seit zwei Jahren ist er Präsident der Vereinigung ArtPalma, die unter anderem Events wie den ArtPalma Brunch und PalmaPhoto mitorganisiert.

Herr Fiol, die Nit de l´Art ist ein Riesen­event im Kulturkalender Palmas. Wie steht es derzeit generell um die Kulturszene?
Es ist immer noch eine schwierige Zeit. Es gibt immer noch wenig Kulturförderung. Wir haben zudem einen Mehrwertsteuersatz für Kulturgüter, der eine einzige Frechheit ist und dem Kulturbetrieb dramatisch zusetzt.

Ist der Erfolg der Nit de l´Art also eine Ausnahme in dieser Zeit?
Naja, zumindest kenne ich – mit Ausnahme von Madrid vielleicht –keine spanische Stadt, die so viele Leute für eine Kunstnacht anzieht. Die Nit de l´Art ist eine große Party. Und das ist selten. Ich war neulich beim Joint Gallery Opening in Düsseldorf und Köln. Das war eine andere Geschichte, viel ruhiger. Es gab nicht diese Menschenmassen auf der Straße wie in Palma.

Was macht das Besondere aus?
In dieser Nacht kann alles passieren. Man kann sich zum Beispiel auch verlieben. Es ist nicht mehr ein Abend der Galeristen, sondern ein Abend der Menschen. Der Abend gehört schon zur Stadt, nicht uns.

Kann man sagen, dass die Galerien zur Nit de l´Art ihr Premium­programm auffahren?
Ich glaube, jede Galerie bemüht sich, das ganze Jahr über gute Ausstellungen zu präsentieren. Keiner stellt etwas aus, was er nicht mag. Aber natürlich machen sich alle Gedanken, wie sie an diesem Abend besonders gut rüberkommen können. Die Nit de l´Art ist schließlich ein Schaufenster.

Dieses Jahr hat sich einiges verändert. Der Hauptabend ist nun der Samstag, die beiden Tage davor sind den Sammlern und Kritikern gewidmet. Warum diese Zweiteilung?
Die Zustände waren unhaltbar. Es sind zu viele Menschen geworden. Die Galerien waren zu voll. Man konnte nichts mehr sehen.

Unhaltbar für die Experten?
Unhaltbar, was die Logistik angeht. Man kann nicht arbeiten, wenn 300 Menschen in einer Galerie stehen. Viele Leute aus dem Kunstbereich sind in den vergangenen Jahren nicht mehr gekommen. Es war, als würden wir nicht mehr die Leute erreichen, die wir als Galeristen brauchen.

Gleichzeitig ist es doch eine Veranstaltung für die Menschen?
Klar. Und es ist auch eine verrückte, eine magische Nacht. Die Menschen verbringen Zeit zusammen auf der Straße, sie schauen sich Kunst an. Das ist alles sehr gut.

Aber?
Wir Galeristen leben davon, dass wir Kunstwerke verkaufen. Wir dürfen den Business-Aspekt nicht außer Acht lassen. Natürlich ist dies auch eine wesentliche Facette der Nit de l´Art.

Inwiefern?
Wir Galeristen machen an dem Tag eine Show. Die Leute können kommen, egal ob sie sich für Kunst interessieren oder nur Party machen wollen. Was ja auch okay ist. Aber für die Wahrnehmung von Kunst braucht man Zeit, Ruhe, Intimität. Man muss sich alleine mit dem Kunstwerk auseinandersetzen. Deshalb auch die Zweiteilung. Die Sammler, Kuratoren und Kritiker können sich alles in Ruhe angucken und dann am Samstag zur großen Party wiederkommen. Und es wird ja auch niemand davon ausgeschlossen, an den Führungen und Veranstaltungen am Donnerstag und Freitag teilzunehmen.

Glauben Sie, dass dadurch am Samstag weniger Leute kommen?
Das ist die große Frage. Ich habe keine Ahnung. Es ist ein Jahr mit vielen Änderungen. Es kann alles passieren. Ab Donnerstag ist Palma eine Kunststadt – das ist das Einzige, was sicher ist.

Wenn man sich das Programmheft ansieht, stellt man fest, dass viele Texte häufig sehr verschwurbelt oder abstrakt formuliert sind. Kann man damit überhaupt ein fachfremdes Publikum erreichen?
Es ist halt sehr schwer, manche Ausstellungen in wenigen Sätzen zu beschreiben. Aber wir müssen natürlich etwas im Heft stehen haben. Man darf das auch nicht als Erklärung einer Ausstellung oder eines Kunstwerks missverstehen. Häufig werden diese Texte aus Ausstellungskatalogen genommen und somit aus dem Kontext gerissen. Das ist natürlich häufig Kunst­kritikersprache.

Die ist nicht gerade zugänglich für ein Laienpublikum.
Das mag sein. Aber man darf auch nicht in die Falle der Banalisierung tappen. Ein Satz wie „Er malt schön" wäre auch nicht ausreichend. Wir dürfen eines nicht vergessen: Zeitgenössische Kunst ist nicht immer leicht zu verstehen. Und auch nicht zu umschreiben. Das macht sie natürlich elitär.

Deshalb ist es besonders gut, dass es seit vergangenem Jahr Führungen durch die Galerien gibt.
Das ist uns auch sehr wichtig. Die Nit de l´Art soll keine isolierte Veranstaltung sein. Die Menschen sollen wiederkommen, mit uns reden können und sich mit Kunst aus­einandersetzen. Dafür sind die Führungen die noch bis zum 17. Oktober gehen, eine gute Möglichkeit.

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 17. September (Nummer 802) lesen Sie die Sonderbeilage mit dem kompletten Programm.

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