Lennon-Songs, so entspannt wie Mallorca

Mit „My Working Class Hero" zelebriert Iiro Rantala den 75. Geburtstag seines Idols. Der finnische Pianist hat sich für die Jazzversion der Beatles-Lieder während eines Insel-Aufenthalts inspirieren lassen

01.10.2015 | 15:28

„Imagine all the people living life in peace." Auf dem neuen Album von Iiro Rantala ist diese berühmte Zeile zwar nicht zu hören. Doch ihre Botschaft soll mitschwingen. Am 9. Oktober wäre John Lennon 75 Jahre alt geworden. Der finnische Jazzpianist feiert ihn auf „My Working Class Hero" mit neuen Interpretationen von Klassikern und weniger bekannten Stücken des Liverpoolers. Arrangiert hat Rantala das kürzlich veröffentlichte Album auf Mallorca. Wie der Pianist im E-Mail-Interview berichtet, ließ er sich während eines Inselaufenthalts von Januar bis Ende Juni für Lennons Lieder inspirieren.

In einem Youtube-Video sprechen Sie über Hass und Ihre Hoffnung, dass die entspannte Inselstimmung auf „My Working Class Hero" zu hören ist ...
Ja, Hass ist zwar ein natürlicher Geisteszustand. Aber wenn der Hass wächst, führt er zu Kriegen und Gewalt. John Lennon hat darüber nachgedacht, wie viel Hass Menschen in sich tragen. Ich auch. Die entspannte Mallorca-Stimmung ist natürlich in meiner Version der Lennon-Lieder zu hören, nicht in den Originalen ...

Wollen Sie den Zorn der Menschen besänftigen?
Ja, will ich. Ich frage mich immer wieder, warum Menschen andere Menschen hassen. Religion kann dazu beitragen. Ich finde, wir sollten alle Religionen kriminalisieren. Das wäre ein großartiger Anfang.

Ihnen gefallen die Beatles besser als die Rolling Stones. Diese Präferenz haben Sie mit der berühmten Beethoven-­Mozart-Frage verglichen – welche Verbindung besteht zwischen diesen beiden Vergleichen?
Ich denke, Mozart und die Beatles haben intelligentere Musik gemacht. Cleverer, mit mehr Tiefe. Bei Beethoven und den Stones geht es mehr um reine Energie und Gefühle.

Lennon hat Sie dazu inspiriert, von der klassischen Musik zu rhythmischeren Genres zu wechseln. Warum?
Ehrlichkeit und Schlichtheit. Ich liebe die geradlinige Botschaft seiner Songs. Keine Metaphern, einfach direkte Texte mit Zeilen wie: „Es ist Weihnachten, was hast du getan?"

Sie hatten ursprünglich nur eine kleine Tour um John Lennons 75. Geburtstag geplant. Warum haben Sie sich schließlich entschieden, ein Album mit seinen Songs aufzunehmen?
Mein Plattenlabel, ACT Music in München, hat von der Tour gehört und vorgeschlagen, dass ich Aufnahmen mache. Von da an fing das Ganze an, Form anzunehmen ...

Die Botschaft in Lennons Liedern wird auch von den Texten getragen. Ihre Version ist aber instrumental. Wie haben Sie die Botschaft übertragen?
Ich glaube, die Leute können die Texte auswendig. Sie müssen Sie gar nicht hören.

Warum ist es Ihnen wichtig, die Menschen, gerade auch junge Leute an diese Texte zu erinnern?
Wenn die Menschen aufhören würden, sich gegenseitig zu hassen, würden wir in Frieden leben und könnten die Probleme der Welt zusammen lösen. Für zukünftige Generationen wäre das ziemlich cool, Hunger, Armut, Klimawandel und Überbevölkerung zu überwinden. Heutzutage fließt ein Großteil der Energie und des Geldes ins Kämpfen und Töten. Aber das 21. Jahrhundert ist schon besser. Vor 100 Jahren waren wir mitten im Ersten Weltkrieg.

Sie zitieren auch Astrid Lindgren. Welche Geschichten sollten Eltern ihren Kindern erzählen?
Sie müssen Geschichten über alle möglichen Arten von Menschen erzählen. Weiße, Schwarze, Arme, Reiche € und darauf hinweisen, dass wir auf diesem Planeten alle gleich sind. Keiner ist besser als der andere. Das wäre ein guter Anfang.

Zurück zur Musik – manche Kompositionen für das Album sind Ihnen zugeflogen, mit anderen hatten Sie zu kämpfen, warum?
„Imagine" und „All You need is love" waren die schwersten Songs. Ich weiß nicht warum. Vielleicht, weil sie so bekannt sind €

Sie sind ein Verfechter davon, Jazz „normalen Leuten" zugänglicher zu machen. War das Album eine Möglichkeit dafür?
Ja. Bei diesem Album hören Leute genauer, was ich eigentlich tue. Denn jeder kann „Imagine" im Original und anschließend in meiner Version anhören. Dann hört man den Unterschied. Wenn es einfach meine neue Musik wäre, wäre es schwieriger, das anzuhören.

Jazz war ursprünglich Musik, zu der die Leute getanzt und gefeiert haben. Vermissen Sie dieses Ambiente aus den „alten Zeiten" manchmal?
Nein, ich mag die Konzert­situation. Aber das heißt nicht, dass es ernst und langweilig sein muss. In meinen Konzerten haben die Leute Gelegenheit zu lachen und zu weinen € Heute sind Pop und Rock die Tanzmusik. Als Jazz noch Tanzmusik war, gab es Pop und Rock noch nicht.

Werden Sie mit „My Working Class Hero" auch auf Mallorca auftreten?
Nein, in Spanien gibt es leider keine Jazz-Szene. Ich konzentriere mich deswegen auf Länder, in denen ich mit meiner Musik auch Publikum habe, das heißt Deutschland, Österreich, die Schweiz, Italien, Frankreich und das Vereinigte Königreich. Und Finnland.

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