Die große Medienshow des Oliver Stone

Der auf Mallorca weilende US-Starrgisseur lockte die Journalisten in Scharen an und ging unter anderem auf Spaniens Ex-Premier Aznar los

09.10.2015 | 16:21
Gut drauf: Oliver Stone in Palma

Die Anwesenheit des Linksauslegers unter den US-Starregisseuren Oliver Stone auf Mallorca hat am Freitagmittag (9.10.) bei einer Pressekonferenz in Palma einen für Inselverhältnisse seltenen Medienrummel ausgelöst. Im Hostal Cuba im Viertel Santa Catalina reichte der Platz kaum aus, um die vielen vor allem spanischen Journalisten aufzunehmen.

Der 69-jährige Macher von Filmen wie "JFK", "Nixon", "Natural Born Killers" oder "Wall Street" hält sich auf Einladung von Pedro Barbadillo, Chef des Cine-Ciutat-Kinos, auf der Insel auf. Sein Besuch ist unter anderem dazu gedacht, ein Projekt voranzutreiben, an dem der Filmmann von der Insel schon lange arbeitet: die Schaffung eines internationalen Kinofestivals. Möglicherweise könne es nächstes Jahr schon so weit sein, so Barbadillo.

Stone bereist nach eigenen Angaben Mallorca, um sich eine Auszeit nach den Dreharbeiten für einen Film über den derzeit im russischen Exil lebenden ehemaligen NSA-Mitarbeiter Edward Snowden mit Joseph Gordon-Levitt und Shailene Woodley zu nehmen, der die Regierung von US-Präsident Barack Obama mit Aussagen über internationale Spionageaktivitäten zur Weißglut gebracht hatte. Der Film soll am ersten Weihnachtsfeiertag in den USA anlaufen.

Oliver Stone lobte auch seine Dokumentarfilmreihe "The Untold Story of The US", die bereits im spanischen Fernsehen lief und die kürzlich in Buchform auf Spanisch erschien. Darin geht es um Vorgänge in der US-Geschichte, die von den Regierenden angeblich falsch dargestellt wurden. Der Hollywood-Star würzte die Pressekonferenz – wie das von ihm bekannt ist – mit abschätzigen Bewertungen von ehemals mächtigen und nach wie vor mächtigen Politikern. Den ehemaligen spanischen Ministerpräsidenten José María Aznar bezeichnete er als Hund am Rocksaum des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush, über Obama sagte er, er sei intelligenter, gehe aber unterdrückerischer gegen Journalisten vor.

Stone ist in seinem Land umstritten. Seine Theorie, bei der Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy am 22. November 1963 hätten neben Mafiosi auch Spitzenpolitiker ihre Hände im Spiel gehabt, wird kritisiert. In von linken Politikern regierten Ländern Lateinamerikas wie Kuba und Venezuela ist er dagegen wohlgelitten – so sehr, dass Revolutionsführer und Ex-Präsident Fidel Castro ihm vor bereits mehr als zehn Jahren erlaubte, einen Dokumentarfim über ihn zu drehen. Auch zum inzwischen verstorbenen venezolanischen Statschef Hugo Chávez hatte Stone ein freundschaftliches Verhältnis. /it

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