Zu Besuch in der Casa Planas: ungeschliffenes Berlin-Feeling

In der Zentrale der früheren Fotoläden in Palma entsteht gerade ein neues Kulturzentrum

12.02.2016 | 01:00
Einen Kontrapunkt zu den Galerien der Altstadt setzen: Marina Planas und Xisco Fernández im oberen Bereich ihres Kulturzentrums.
Einen Kontrapunkt zu den Galerien der Altstadt setzen: Marina Planas und Xisco Fernández im oberen Bereich ihres Kulturzentrums.

Noch ist das meiste unfertig. Im Eingang des Gebäudes an der Avinguda Sant Ferran, 21 in Palma stehen Holzplatten und ein paar Fahrräder. „Wir gehen jetzt in unseren Berliner Teil", sagt Xisco Fernández, als es die Treppe hinunter geht in den riesigen, verwinkelten, scheinbar unendlichen Keller. Früher hatte Josep Planas i Montanyà, der kürzlich verstorbene mallorquinische Fotograf, hier die Fotolabors seiner Kette Casa Planas untergebracht. Jetzt richten sich hier Künstler Ateliers ein.

Das Gebäude hat 13 Jahre lang leergestanden, seit der Schließung von Casa Planas. „Im Nachhinein war das eine kluge Entscheidung. Die Digitalisierung der Fotografie hätte das Geschäft meines Großvaters ohnehin nur schwer überstanden", sagt Marina Planas. Die 32-jährige Enkelin, Expertin in audiovisueller Kommunikation, will diesen Ort nun wiederbeleben. Ihre Mitstreiter und sie haben die Wände im oberen Stockwerk, wo früher die Verwaltung untergebracht war, eingerissen. In einem abgetrennten Bereich wird das riesige Archiv des Großvaters aufbewahrt, das eines Tages einmal der Grundstein für ein Museum sein soll. Der neu erschlossene Raum aber soll als Co-Working-Space für Designer, Marketingmenschen und Filmemacher dienen und abends zum Veranstaltungsraum für Konzerte, Workshops und Filmvorführungen werden. Noch sind nicht alle Auflagen erfüllt, weshalb man noch nicht offiziell eröffnet hat. Schon eingezogen ist aber der Radiosender Sputnik, der hier täglich abends seine ­Sendungen produziert. Ebenfalls schon da ist die NGO „Enginyers sense fronteres" (Ingenieure ohne Grenzen). Wenn es nach Planas geht, soll die offizielle Eröffnung in zwei, drei Monaten sein.

Die neue Casa Planas könnte ein Kontrapunkt werden zu der weitgehend geglätteten, polierten Kunstszene in den Galerien der Altstadt, wo nicht so sehr das Schaffen von Kunst und der Austausch zwischen den Disziplinen im Mittelpunkt steht, sondern eher der Verkauf. Ungeschliffen, roh soll es hingegen in der Casa Planas zugehen. Es ist wohl das, was Xisco Fernández meint, wenn er auf Berlin verweist. Nicht das Berlin der Postkarten, sondern das Berlin, das in Berlin selbst schon an vielen Stellen verschwunden ist. Unfertige Orte, die irgendwann der Rentabilität zum Opfer fallen. Und die ohne öffentliche Gelder auskommen, sich selbst finanzieren. Mit dem 36-jährigen Fernández hat Planas einen Experten für solche Projekte engagiert. Er hat ähnliches in Berlin, Madrid, Glasgow und Istanbul geleitet.
„Allerdings waren die Räumlichkeiten nie so groß wie hier", sagt er. Etwa 2.500 Quadratmeter sollen in Casa Planas bespielt werden.

Das Problem, dass irgendwann ein anonymer Investor vorbeikommt, der dort dann doch lieber eine Latte-Macchiato-Tränke mit seelenloser Galerie einrichtet, hat die Casa Planas erst einmal nicht. „Wir stehen aber sehr wohl unter Druck", sagt Marina Planas. Schließlich gibt es da auch noch ihren Vater, der durchaus mit anderweitigen, finanziell attraktiveren Nutzungen liebäugelt. Planas hat sich eine Frist ausgehandelt, um ihr Projekt voranzubringen. Und dem Vater zu beweisen, dass auch auf diese Art und Weise Geld reinkommen kann.

Dass Planas, Fernández und ein weiterer Mitstreiter, Marito Verdaguer, am Ende recht haben könnten, zeigt die Resonanz der Künstler. Praktisch alle, die sich hier schon einen Schreibtisch oder ein Atelier gesichert haben, sind jung. Viele von ihnen haben schon diverse Kunstpreise eingeheimst. Dazu gehören unter anderem der Street-Art-Künstler Joan Aguiló, der Bildhauer Alberto Ramajo oder das Künstlerkollektiv Úter Project. Auch die psychedelische Rockband The Wheels aus Sóller wird hier ihren neuen Proberaum beziehen.

Zwischen 100 und 300 Euro bezahlen die Künstler monatlich für ihre Ateliers, je nach Größe des Raumes. Alternativ kann ihnen auch die Miete erlassen werden, wenn sie sich an den Renovierungsarbeiten beteiligen. Im Moment habe man keine inhaltlichen Beschränkungen, was die Kunstrichtung angeht, sagt Planas. „Im Moment geht es erst einmal darum, die verfügbaren Räume zu füllen, den Laden in Gang zu bringen. Aber unser Ziel ist es, zu einem Zentrum für moderne Ausdrucksformen zu werden." Damit gemeint sind alle Formen audiovisueller Darstellung. Oder Künstler, die mit 3D-Druckern arbeiten.

Im besten Fall wird sich Casa Planas organisch weiterentwickeln. Mit den Ideen der Menschen, die hier arbeiten werden. Ob etwa der große Raum ganz hinten im Keller am Ende für Konzerte genutzt wird oder als Proberaum für Tänzer oder vielleicht auch für etwas ganz anderes, das weiß man jetzt noch nicht. Und das ist auch gut so.

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