Tomeu Penya: Ein Leben wie ein Song

Mallorcas bekanntester Barde hat endlich eine Biografie. Die erzählt auch die Geschichte der Insel

05.06.2016 | 16:59
Ein Volksheld und doch ein Unbekannter – bis jetzt: Tomeu Penya

Schwer verliebt klingt der 66-jährige Liedermacher Tomeu Penya auf seiner neuen CD „Optimista". Ganz Mallorca weiß warum: Er hat kürzlich die 20 Jahre jüngere Patricia Riveras aus Barcelona geheiratet. Seitdem sind die beiden empardalats (dusslig). Penya singt auch vom Bauern und dem Mädchen aus der Stadt („Es Pagès i s´Al·lota de Ciutat"). Er träumt von einem Leben Seite an Seite („Al Teu Costat") neben seiner schönen Dunkelhaarigen („Morenassa").

„Meine gesamte Lebensgeschichte kann man in meinen Liedern nachhören", sagt der Musiker aus Vilafranca de Bonany. Braucht man bei so viel Transparenz noch eine Biografie? Die Journalistin Sandra Martínez findet schon. Vor vier Jahren begann sie, die Geschichte des bekanntesten Barden Mallorcas aufzuschreiben, nachdem sie bei der Vorbereitung auf ein Interview mit Penya feststellen musste, „dass es kaum etwas über ihn gab".

Das Buch heißt „Això som jo. Tomeu Penya" (Das bin ich. Tomeu Penya) und ist gerade erschienen. Es handelt vom Leben eines Bauernjungen, der sich Ende der 1970er-Jahre gegen die Familientradition entschied und beschloss, mit seiner Leidenschaft, der Musik, Geld zu verdienen. Das ist ihm gelungen: 314 Lieder und 28 Alben zieren seine Karriere. Die meisten sind im Kollektivgedächtnis der Mallorquiner: „Plou", „Illes Dins d´un Riu", „Cris", „Carritx i Roses".

Die Erfolgsformel basiert neben großer kreativer Kraft und einer guten Stimme auch auf dem Image des Künstlers: Die Insel liebt ihn, weil er so normal ist. „Das stimmt, mit Einschränkungen", sagt Martínez, die sich weder als Penya-Fan noch als Musikspezialistin bezeichnet. Sie hat nach zwölf Stunden Interviews mit dem Musiker und vielen Gesprächen mit Freunden, Kollegen und Verwandten den Eindruck gewonnen, dass Tomeu Penya „ein echter Profi und hervorragender Musiker ist". Als Mensch sei er zurückhaltend und reserviert, sagt sie, jemand, „der in die ­Rolle des umgänglichen Nachbarn schlüpft".

Martínez hat sich für Penya vor allem deshalb interessiert, weil er für etwas steht. „Er verbildlicht den gesellschaftlichen Wandel der Insel", sagt die Katalanin, die seit mehr als 20 Jahren auf Mallorca arbeitet. „Tomeu kommt aus diesem ländlichen, erstarrten Mallorca und hat sich im neuen, touristischen Mallorca einen Platz erobert."

Der ist ganz oben. Penya gilt als Identitätsstifter. „Bei aller Veränderung hat er es geschafft, als echter Mallorquiner wahrgenommen zu werden,", sagt Martínez. Seine Verwurzelung inszeniert Penya immer wieder, mit Liedern wie dem selbstironischen „Mallorquí" oder dem patriotischen „Lo Nostre" (Das Unsere). Darin singt er bei Country-Rhythmus „Wir dürfen nicht vergessen, dass das Unsere das Beste der Welt ist."

Dennoch hat er auch unter ausländischen Residenten und Urlaubern viele Fans. Das schafft Tomeu Penya mit eingängigen Arrangements, der klassischen Struktur seiner Lieder und weil er sich musikalisch geschickt zwischen Country, Rumba, Pop und allem anderen bewegt, was ihm zwischen die Finger kommt. Diese Universalität kombiniert Penya mit dem echten, oft umgangssprachlichen Mallorquinisch seiner Texte. So erntet er auf allen Seiten Sympathien.

Auch politisch lässt sich Penya nicht festlegen. Sein Verleger Miquel Àngel Sancho, der im Label Blau alle Alben außer dem ersten publiziert hat, erzählt die Anekdote, dass Penya bei allen Wahlpartys spielte, zu denen er eingeladen wurde. Linke wie Rechte hielten ihn wohl für einen effektiven Stimmenfänger. Auf Sanchos Frage nach seiner eigenen Ideologie habe Penya geantwortet: „Für mich sind sie alle gleich, Hauptsache, sie zahlen."

Ehrenamtlich hat sich der Volksheld immer dann engagiert, wenn es um Umweltschutz und Sprache ging oder um so populäre, bodenständige Dinge wie die Pilgerwanderung nach Lluc. Geliebt wird Penya vor allem für seine Balladen. Mehr als 200 seiner Kompositionen handelten von der Liebe, sagt er.

Seine künstlerische Identität begann Penya im Jugendalter zu schmieden. Mit 15 habe er in den Hotels der Insel an einem Abend mehr Geld verdient als seine Eltern in einem Monat, erzählt er. „Die ersten Jahre hatte ich große Zweifel", erzählt Penya, „ich wollte unbedingt den Rhythmus dieses neuen Lebens verstehen." Heute bewegt er sich zwischen den Welten so geschickt wie ? ein echter Mallorquiner.

Sandra Martínez: „Això som jo. Tomeu Penya". Disset Edició, 16 Euro.

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