Buchtipp: Freiheit finden in der Stadt ohne Fußballclub

Mateu Mas gelingt es in seinem Debütroman „Hotel Tancat", Mallorca und Deutschland erfrischend authentisch zu porträtieren

25.07.2016 | 08:18
Ein Buch aus dem Jetzt: Hotel Tancat von Mateu Mas.

Früher war der Name dieser Stadt Ortsmarke unzähliger Meldungen in Zeitung, Radio und Fernsehen: Bonn, die Gemeinde im Rheinland mit ihren heute knapp 310.000 Einwohnern war ein Schauplatz der Welt­politik, bis 1990 provisorische Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland und bis 1999 gesetzlicher Regierungssitz. Dann kam Berlin, und Bonn verlor international an Bedeutung.

Doch im Ohr von Mateu Mas klang der Name immer noch nach. Deshalb lässt er in seinem Debütroman „Hotel Tancat" (Geschlossenes Hotel) die Prota­gonistin Elisa, die in einem Hotel arbeitet, für einen Sprachkurs nach Bonn reisen, „obwohl es dort noch nicht mal einen richtigen Fußballclub gibt", wie es in dem Buch heißt.

Elisa ist eine junge Frau, der im Hotel eine große Karriere bevorsteht. Ihr Freund Eloi hingegen hat einen angenehmen Behördenjob im Rathaus von Palma, verfolgt keinerlei besondere Interessen und beäugt skeptisch die Ambitionen seiner Liebsten. Der mehrwöchige Sprachkurs wird die Beziehung der beiden auf eine harte Probe stellen.

Es ist eine kleine, hübsche Liebesgeschichte, die der 38-Jährige aus Manacor aufgeschrieben hat. So zumindest sieht der Autor das. Eigentlich arbeitet er als Sozial­pädagoge mit straffällig gewordenen Jugendlichen. Genau das dürfte viel Stoff für Geschichten hergeben, doch der Autor wiegelt ab. „Ich wollte nichts von meiner Arbeit in meinen Roman packen."

Das Buch bietet mehr als nur ein nettes Beziehungsdrama. Nicht nur lässt Mateu Mas seine Protagonisten in unterhaltsamen Dialogen ein lebensnahes Porträt der mallorquinischen Gesellschaft mit ihren Macken und Eigenheiten zeichnen. Auch Deutschland wird überraschend authentisch dargestellt, etwa wenn Elisa zu einer kurdischen Gastfamilie kommt, die schon seit Jahrzehnten in Deutschland lebt. Statt großer, blonder Klischee­deutscher gibt es einen kleinen Exkurs in die Geschichte Kurdistans.

Mas erzählt eine Geschichte aus dem Jetzt. Er lässt Fußballspieler von Real Mallorca auftauchen, die teilweise heute noch beim Verein sind, seine Protagonisten schreiben sich Whatsapps, und die Gräueltaten von ISIS werden ebenso erwähnt wie das Lied „Grün, grün, grün sind alle meine Kleider". Das Bemerkenswerte ist, dass diese Elemente völlig unangestrengt wirken, sie fügen sich nahtlos in die Geschichte ein, die von diesem Mädchen erzählt, das eine neue Kultur und sich selbst besser kennenlernt – und sich mit der Welt beschäftigt.

Eine Woche hat der Autor für die Recherche in Bonn und Köln verbracht, es war seine erste Reise nach Deutschland. „Bis auf einen Freund, einem Koch, habe ich aktuell keinen Kontakt zu Deutschen." Aber er sei schon als kleiner Junge von den Menschen aus dem Norden beeindruckt gewesen. „Es gab eine Familie aus Köln, die unsere Finca kaufen wollte. Große, blonde Menschen. Verkauft haben wir nicht, aber unsere Familien haben sich angefreundet." Ein wenig scheint es, als könne er sich selbst nicht erklären, warum er die Handlung von „Hotel Tancat" nach Deutschland verlegt hat.

Bei den Mallorquinern jedenfalls scheint der Roman anzukommen. Obwohl er erst im Juni erschienen ist, bereitet der Verlag bereits die zweite Auflage vor. Mateu Mas gibt sich bescheiden: „Ich glaube, das waren alles Bekannte, die mein Buch gekauft haben, nach dem Motto: Ach schau mal, Mateu hat ein Buch geschrieben."

Mateu Mas, Hotel Tancat, Katalanisch, La Vocal de Lis, 288 S., 16 Euro

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