Film-Insel Mallorca: "Attraktive Angebote machen"

Es gibt wieder eine Film Commission. An deren Spitze: ein motivierter Pedro Barbadillo

05.10.2016 | 08:40
Zurück auf dem alten Posten: Pedro Barbadillo.

Auf ein Neues. Vier Jahre nachdem die Mallorca Film Commission durch den damals PP-geführten Inselrat nach nur zweijährigem Bestehen wieder aufgelöst wurde, wird sie wieder ins Leben gerufen. Der neue Leiter ist auch der alte: CineCiutat-Chef Pedro Barbadillo gibt seinen Posten beim Programmkino auf und übernimmt wieder das Filmförderungsbüro, dem er schon von 2010 bis 2012 vorstand. Der gebürtige Andalusier mit deutschen Großeltern wirkt zuversichtlich und ist voller Tatendrang. Immerhin scheint der politische Wille da zu sein – und Wahlen sind erst in drei Jahren. Genug Zeit also, um tatsächlich etwas in Gang zu bringen.

Herr Barbadillo, ist das die Chance zur Fortsetzung eines Projekts oder ein Neuanfang?
Eine Mischung aus beidem. Was ich unbedingt zu Ende führen möchte, ist die Vereinfachung und Vereinheitlichung der Anträge, um Drehgenehmigungen auf Mallorca zu bekommen. Jede Gemeinde hat eigene Regeln, zudem sind die Verfahren sehr langwierig. Das müssen wir entschlacken. Statt mehrerer Wochen sollen die Genehmigungen in kurzer Zeit ausgestellt werden können. Weiterhin setzten wir uns zur Aufgabe, mallorquinische Filmproduktionen zu fördern. Inwieweit da auch finanzielle Unterstützung möglich ist, wird sich zeigen, sobald unser Budget verabschiedet ist.

Was hat sich an der Situation der mallorquinischen Filmbranche in den vergangenen vier Jahren
verändert?

Ein großer Unterschied ist, dass es jetzt in Spanien Steuervergünstigungen für Filmproduktionen gibt. Das erleichtert unseren Stand gegenüber anderen Ländern mit vielen Produktionen wie Frankreich oder auch Malta. Zum anderen gibt es immer mehr Formate, die mit dem Film verwandt sind, das reicht von Techniken wie Virtual Reality über diverse Formate im Internet bis hin zu Videospielen. Die Mallorca Film Commission wird versuchen, auch solche Projekte zu fördern und
voranzutreiben.

Vor wenigen Monaten hat sich die Illes Balears Film Commission neu aufgestellt. Wie werden Sie eine Überschneidung von Kompetenzen verhindern?
Unser Kerngebiet werden die territorialen Fragen sein, vor allem also die Drehgenehmigungen. Die
Vermarktung des balearischen Films im Ausland wird eher der Illes Balears Film Commission zufallen. Wir werden uns da absprechen und zusehen, dass wir keine doppelte
Arbeit machen.

Stehen Sie schon in Kontakt zu Àngela Bosch, der Leiterin der Illes Balears Film Commission?
Ja, wir haben vor wenigen Tagen gesprochen und wollen uns in Zukunft alle zwei Wochen treffen.

Wie kann Mallorca gegen etablierte Drehorte wie Malta und Kroatien bestehen, die eine ähnliche Landschaft bieten?
Beim Dreh von Werbevideos, die nirgendwo Steuervergünstigungen bekommen, ist Mallorca schon jetzt sehr beliebt. Wir müssen nun zusehen, dass wir weitere attraktive Angebote machen. Spaniens einziges Wasserbecken für Filmaufnahmen wurde in Valencia geschlossen, und das in Malta ist erneuerungsbedürftig. Mit so einem Projekt könnte man sicher Filmemacher überzeugen. Es gibt da ein paar Ideen.

Ein Schandfleck in der Geschichte der Filmförderung Mallorcas ist, dass vereinbartes Fördergeld nicht oder zu spät gezahlt wurde. Wird man verhindern können, dass sich das wiederholt?
Das darf nicht wieder vorkommen. Die Schulden gegenüber der US-Produktion „Cloud Atlas" sind ja mittlerweile getilgt. Einer meiner ersten Schritte als Leiter der Mallorca Film Commission wird nun sein, auch der dänischen Produktion „The Stranger Inside" sobald wie möglich das zu zahlen, was vereinbart wurde.

Die balearische Regierungspartei Més hat kürzlich eine Steuer auf die Internetnutzung vorgeschlagen, die der Filmförderung zugutekommen soll. Wäre das Ihrer Ansicht nach wünschenswert?
Ich glaube, hier muss man einen wichtigen Punkt beachten: Das Internet ist unter anderem dadurch so populär geworden, weil man sich dort audiovisuelles Material kostenlos herunterladen kann. Der Erfolg des Netzes nährt sich aus den Verlusten der Filme- und Fernsehmacher. Deshalb finde ich die Idee einer Steuer, die dem Film zugute kommt, genauso sinnvoll und gut wie die Touristensteuer, die dazu beiträgt, die Orte zu verbessern, die von Touristen genutzt werden. Ob man die Steuer für den Film allerdings auf die Rechnung des Kunden aufschlagen sollte oder doch eher auf den Gewinn der Internet­provider, mag ich nicht beurteilen.

Inwieweit sind Produktplazierungen für Sie eine Option, um den mallorquinischen Film in Zukunft zu finanzieren?
Die Zeit, in der Filme nur mit öffentlichen Geldern gefördert werden, sind vorbei. Private Investi­tionen werden immer wichtiger und können höchstens mit öffentlichen Geldern kombiniert werden. Ich finde alles gut, was der Arbeit von Filmemachern dienlich ist. Die künstlerische Arbeit darf nur nicht an den Produktplatzierungen leiden.

Vergangenes Jahr erzählten Sie im MZ-Interview von Ihren Plänen für ein Filmfestival. Daraus wird jetzt erst einmal nichts, oder?
Nein, das Projekt liegt auf Eis. Es war nicht möglich, eine ausreichende Finanzierung zustande zu bekommen. Mallorca hat aber mit dem Evolution! Mallorca International Film Festival und dem Atlántida Film Fest zwei hochkarätige Festivals, die wir von Seiten der Mallorca Film Commission auf jeden Fall unterstützen werden. Zumal gerade das Evolution!-Festival ein starkes kulturelles Angebot in der
Nebensaison ist.

Wie geht es mit dem CineCiutat weiter?
Ich habe meinen Rücktritt eingereicht. Es gäbe zu viele Interessenskonflikte. Eine Nachfolgelösung gibt es noch nicht, aber ich mache mir da keine Sorgen. Das Kino ist gut aufgestellt.

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