Wie Carlos Forteza junge Leute und Touristen ins Teatre Principal locken will

Der Theaterchef ist kaum ein Jahr im Amt und hat schon viel verändert.

21.02.2017 | 10:14
Weiß was er will: Carlos Forteza ist seit Mai 2016 Leiter des Teatre Principal.

Carlos Forteza wirkt wie jemand, der nichts dem Zufall überlässt. Man sieht ihn immer adrett gekleidet, ob es nun bei einer Oper in dem von ihm geleiteten Teatre Principal ist, abends im Ausgehviertel Santa Catalina oder auch bei einem Besuch im alternativen Kulturzentrum Casa Planas. Er geht dahin, wo Kultur stattfindet. Bei Pressekonferenzen oder auch beim Interview hat er immer eine Mappe mit allen relevanten Statistiken zu seiner Arbeit dabei. Seit Mai vergangenen Jahres ist der 1975 in Palma geborene Kulturmanager verantwortlich für das größte Theater auf Mallorca. Zuvor hatte er anderthalb Jahrzehnte auf dem Festland in verschiedenen Bereichen der Kultur gearbeitet. Zuletzt war er ab 2009 Kommunikationschef und Assistent der Geschäftsführung des Nationalen Instituts für Bühnenkünste und Musik INAEM in Madrid. Das ist unter anderem für Staatsorchester, Zarzuela und die Nationale Tanzkompanie verantwortlich.

Herr Forteza, Sie waren vor Ihrer Anstellung auf Mallorca lange auf dem Festland. In welchem Zustand haben Sie die hiesige Kultur- und Theaterszene vorgefunden?
Nun, wir haben gleich nach Amtsantritt eine Ausschreibung für erste eigene Produktionen gemacht und haben 47 Bewerbungen bekommen, von denen wir drei ausgewählt und mit drei weiteren kooperiert haben. Das zeugt davon, dass hier viel Gestaltungswille und Kreativität vorhanden ist. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir mit solchen Produktionen dem kleinen Saal die Bedeutung wiedergegeben haben, die er verdient. Wir bieten dort einen Raum für Experimente.

Was heißt das genau?
Das junge Theater vermischt häufig die Genres. Es greift auf Comics oder Kino zurück, die Darstellern singen und tanzen. In Paris, Berlin oder London passiert genau das. Es geht längst nicht mehr um das klassische Texttheater. Wir hatten eigentlich mit einer Übergangssaison geplant. Aber uns sind einige Sachen gelungen, die wir sicherlich so weiterführen werden.

Das Teatre Principal war nicht immer für Innovation bekannt.
Ich habe die Menschen vor allem am Anfang nach ihrem Bild vom Theater gefragt, und der allgemein vorherrschende Eindruck war, dass hier vor allem Oper und institutionelle Veranstaltungen wie Preisverleihungen stattfinden. Das wollten wir ändern. Der Besuch des Teatre Principal sollte auch für 20- bis 40-Jährige zum Alltag werden, ohne darüber unser älteres Publikum zu vergessen. Im besten Fall schaffen wir es, dass sich das Publikum der verschiedenen Sparten mischt.

Klappt es denn?
Zumindest mit den Besucherzahlen sind wir sehr zufrieden. Im kleinen Saal liegt die Auslastung bei über 80 Prozent, im Hauptsaal bei knapp 70 Prozent. Und das in unserer ersten Spielzeit.

Eine Ihrer wichtigsten Änderungen war die Preispolitik.
Wir wollten ein einheitliches System schaffen, das den Besucher zudem nicht abschreckt. Bei uns können Sie etwa eine Oper schon ab zehn Euro sehen. Das hat zwei Gründe: Zum einen sind wir von keiner Gewinnmaximierung
abhängig, sondern müssen für die Gesellschaft arbeiten. Zum anderen wollen wir die Politik der
Gratiskarten beenden. Immer wenn der Verkauf nicht lief, wurden vor meiner Leitung die Karten im großen Stil verschenkt. Das lässt den, der sein Ticket bezahlt hat, dumm dastehen. Und Kultur hat ihren Preis, den sollen die Leute auch bezahlen. Und auch die Bezahlung der Künstler haben wir neu
geregelt.

Inwiefern?
Früher wurde das Risiko an der Kasse mit dem Künstler geteilt, so wie es auch im privaten Theater üblich ist. Das ziemt sich meiner Meinung nach nicht für ein öffentliches Haus. Der Künstler bekommt seine Gage bezahlt, unabhängig vom Publikumsandrang.

Wie schafft man es, ein Programm für ein breites Publikum zusammenzustellen, ohne es zu verwässern?
Ein entscheidender Punkt ist, dass wir ganz klar zwischen unserem eigenen Programm und dem Fremdprogramm unterscheiden. Letzteres stammt von Leuten, die unsere Säle für ihre Aktivitäten mieten. Das kann in der Qualität sehr schwanken. Wenn man da keine Unterschiede macht, verwirrt man sein Publikum. Deshalb trennen wir ganz deutlich das eigene vom externen Programm. Noch ein weiterer Aspekt ist dabei wichtig: Unser eigenes Programm muss die größtmögliche Qualität haben – seien es eigene Produktionen oder solche, die wir vom Festland oder aus dem Ausland holen.

Welche Rolle spielen ausländische Residenten und Touristen bei Ihrer Programmplanung?â€?
Sie sind uns sehr wichtig. Wir können entscheidend dazu beitragen, die Wahrnehmung Mallorcas als Kulturdestination zu verändern. Deshalb versuchen wir abseits des Theaters, das ja meist auf Spanisch oder Katalanisch ist, viele Produktionen anzubieten, die ohne Sprache funktionieren, wie etwa Musik oder Tanz. In der Oper führen wir zudem in dieser Saison Untertitel auf Englisch ein. Und wir wollen jedes Jahr mindestens eine internationale Produktion verpflichten. Wie etwa die renommierte britische Kompagnie Cheek by Jowl, die am 20. Mai Shakespeares „Winter´s Tale" im Hauptsaal aufführt.

Bisher gab es keine eigenen Produktionen im Hauptsaal. Wie kommt das?
Wir wollen das nicht über das Knie brechen. Es gibt auf Mallorca nicht viele Kompanien, die von sich aus ein Programm für den großen Saal produzieren können. Also müssen wir das mit ihnen erarbeiten. Das kostet Zeit, weil wir es gerne richtig machen wollen. In der zweiten Jahreshälfte ab September wird es bereits zwei Produktionen im Hauptsaal geben. Und im Frühjahr 2018 weitere zwei. Wir waren alles andere als untätig, aber alles braucht seine Zeit.

Im vergangenen Jahr wurden Vorwürfe in der Presse laut, dass die Atmosphäre unter den Mitarbeitern seit Ihrer Ankunft vergiftet sei. Hat sich die Stimmung gebessert?
Nun, es ging in den Berichten vor allem um zwei Mitarbeiter, den Produktionschef und den Leiter der Wartung, die unabhängig voneinander beschlossen hatten, einen neuen Karrierepfad einzuschlagen. Den Wartungschef hatten wir zudem gebeten, bei den Vorstellungen immer anwesend zu sein, da gab es ein bisschen Ärger. Ich bin hergekommen, um die Dinge anders zu machen. Das hier soll ein Theater auf der Höhe des 21. Jahrhunderts sein, mit den entsprechenden Vorgaben und Abläufen. So eine Professionalisierung bedingt auch für die Mitarbeiter Veränderungen. Allerdings sind wir mit 27 Kollegen deutlich unterbesetzt, also haben wir eigentlich keine Zeit, um nicht miteinander klarzukommen.

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