Fabrizio Plessi: Feuer und Wasser in Venedig

Im Opernhaus La Fenice inszeniert der Mallorca-Künstler eine Performance mit Musik, Lichtern und Videoprojektionen. Die MZ war dabei

01.08.2017 | 15:52
Fabrizio Plessi: Feuer und Wasser in Venedig

Dieses Mal sei man froh gewesen, das Feuer in La Fenice gesponsert zu haben, sagt Philippe Donnet lachend. Der Chef der Versicherungsfirma Generali hat die Performance-Ausstellung „Fenix DNA" von Fabrizio Plessi in Venedigs bekanntestem Opernhaus finanziert. Wie Phoenix aus der Asche ist das Theater im Zentrum Venedigs immer wieder erwacht. Daher hat es seinen Namen – es war 1774 gebaut worden, nachdem das bisherige Opernhaus ebenfalls ­abgebrannt war.

„1836, beim ersten Brand, waren wir das erste Mal dran mit den Zahlungen", sagt Donnet unter Applaus des Publikums bei der Eröffnung der Installation des Mallorca-Fans Fabrizio Plessi am Dienstagabend (25.7.). „Damals haben wir 240.000 österreichische Lire bezahlt." Fünf Jahre gab es damals die Versicherungsgesellschaft. 1996 war das zweite Feuer deutlich teurer. „Da haben wir 240 Milliarden italienische Lire gezahlt." Jetzt also, nach zwei Wiedergeburten, wird das Theater, in dem sowohl Rossini als auch Verdi Uraufführungen feierten, zum ersten Mal zum Schauplatz zeitgenössischer Kunst.

An 14 Biennalen teilgenommen

Fabrizio Plessi, der seit über 20 Jahren in Santanyí ein Haus hat und zwischen Mallorca und Venedig pendelt, hat vom Markusplatz bis zu den wichtigsten Museen schon fast überall in Venedig ausgestellt. Er hat an 14 Biennalen teilgenommen. Dennoch habe er gezögert, als er das Angebot bekam, in der Oper auszustellen, erzählt der 77-Jährige, einer der großen Pioniere der Videokunst, der an diesem Morgen neonorangene Sneaker trägt und knallrote am Abend. „Ich wollte nicht einfach meine Kunst ausstellen", sagt er zu den internationalen Journalisten, die wie auch die MZ nach Venedig zur Premiere eingeladen wurden. „Entweder ich würde etwas Spezielles für diesen Ort schaffen, oder ich würde mich vom Projekt zurückziehen. Ich habe mir selbst zwei Monate Zeit gegeben, um etwas zu entwickeln."

Eines Tages besuchte der Künstler mit den wehenden Haaren das Lager des Theaters, in dem unter anderem die Bühnenbilder aus dem 19. Jahrhundert zu finden sind. Dort fand er, verstaut in Kisten, die Gipsnegative, die bei der Restaurierung nach dem letzten Brand für die Reliefs im Theater verwendet wurden. Sie stehen nun mitten im großen Opernsaal. Plessi hat alle 370 Stühle entfernen lassen und die Gipsmodelle in Holzrahmen auf einer Art ­künstlicher Asche zu einem Labyrinth aufgestellt.

170 LED-Lampen in den Logen

Manch Mallorquiner wird sich an die letzte große Plessi-Ausstellung in der Lonja in Palma erinnert fühlen. Vor sechs Jahren stellte er dort 14 traditionelle Fischerboote, llaüts, aus, ließ sie blau wie das Meer beleuchten und unterlegte die Installation mit Meeresgeräuschen. Das Licht spielt auch in „DNA Fenix" eine große Rolle. 170 LED-Lampen hat Plessi in den Logen des Theaters platziert.

Jeden Abend, bis zum 6. August, gibt es hier um 19 Uhr eine Performance. Die Mezzosopranistin Francesca Gerbasi läuft durch das Labyrinth, bevor sie auf die Bühne geht und regungslos stehen bleibt. Musikalisch begleitet wird sie vom Quintett Pourqui-Pas-Ensemble. Streichinstrumente und Fagott lassen außerhalb des Sichtfeldes des Publikums eine Komposition von Giovanni Sparano erklingen, die unabhängig von Plessi von La Fenice in Auftrag gegeben wurde. „Das ergibt einen interessanten Kontrast", sagt der Künstler. Ohnehin solle die Performance eher Emotionen auslösen als eine Geschichte erzählen.

Hommage an das klassische Theater

Zunächst ist das Theater weiß beleuchtet, bevor die Lichter langsam ins Rote übergehen und auch das in den Logen stehende Publikum erleuchten. In gewisser Weise seien die Besucher auch Teil der Performance, lässt Plessi wissen. Dass keine Sitzplätze angeboten werden, sei Teil der Hommage an das klassische Theater, als das der Künstler die Inszenierung verstanden wissen will. „Bei Shakespeare hat man auch im Theater gestanden", sagt er mit einem Grinsen.

Plessi lässt im Hintergrund einen riesigen Feuerkreis auf eine Leinwand werfen. Das ist das Feuer, von dem Generali-Chef Donnet sprach. Das Feuer verändert sich, es wird kleiner und größer, nimmt verschiedene Formen an, bis es sich am Ende zu den Lettern „DNA" formt. Die Mezzosopranistin Gerbasi greift nur selten mit ihrem Gesang in die eher zerfräste und sphärische Musik des Quintetts ein. Die Lichter wechseln wieder ins Weiße – und danach ins Blaue. Feuer und Wasser.

Die Plessi-DNA

„Es sind die Elemente dieses Theaters", sagt Plessi. „Gebaut in der Stadt des Wassers, mehrfach zerstört durch das Feuer. Und da es auch die Elemente sind, die sich durch meine gesamte künstlerische Laufbahn ziehen, ist dieses Stück nicht nur 'Fenix DNA', sondern auch 'Plessi DNA'." Zum Abschluss der rund 30-minütigen Performance, die der Künstler als „minimalistisch" bezeichnet, singt Gerbasi die Arie „Lascia ch'io ­pianga" von Georg Friedrich Händel aus der Oper „Rinaldo": „Lass mich beweinen mein grausames Schicksal und beseufzen die ver­lorene Freiheit."

Auch tagsüber soll der Theaterraum dem Publikum offen stehen. Da gibt es eine 18-minütige Inszenierung mit Licht, Klang und Bildern. Ohne Sängerin und Musiker. „Das ist eine sehr softe Darbietung", sagt Plessi.

Die Natur des Südens

Er selbst wird in den kommenden Tagen wieder auf Mallorca sein, erzählt er. Zum ersten Mal war er 1989 auf der Insel. Damals hatte er eine Ausstellung im Casal Solleric in Palma. „Videosal" hieß sie, eine Videoinstallation auf Fernsehern. Zwei Jahre später zeigte er im Kulturzentrum Sa Nostra „Plessi a Mallorca", in der er sich mit der Natur rund um Santanyí auseinandersetzte. „Als wir nach Mallorca kamen, gefiel uns die Natur des Südens, die rote Erde, die Johannisbrotbäume, der Stein", erklärte Plessis Frau Carla einmal in einem Interview die seither ungebrochene Faszination für die Insel.

Farben und Licht, das sind die Leitmotive von Fabrizio Plessi. In Zukunft könnte La Fenice häufiger zum Ort von Kunstperformances werden, glaubt er. „Wenn das Projekt hier erfolgreich ist, wird man sicherlich darüber nachdenken. Und es wird erfolgreich sein." Eindrucksvoll inszeniert ist es allemal.

Fabrizio Plessi, Fenix DNA, La Fenice, Venedig, Karten 15 Euro unter www.teatrolafenice.it

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