Theater auf Mallorca: Res de Res i En Blanc machen Schluss

Die Theaterkompagnien hören nach 20 Jahren auf. Der ewige Kampf um Subventionen hat die preisgekrönten Bühnenkünstler zermürbt

09.09.2017 | 11:00
Szene aus dem letzten Stück von En Blanc, "Abans que arribi l´alemany".

Irgendwann gibt man einfach auf. „Wir feiern in diesem Jahr unser 20. Jubiläum", sagt Biel Jordà. „Und da haben wir festgestellt, dass wir uns in den gleichen prekären Verhältnissen befinden wie bei unseren Anfängen." Also haben der Regisseur Jordà und die Schauspielerin und Dramaturgin Marta Barceló die Reißleine gezogen. Die Theatergruppen Res de Res und En Blanc machen Schluss. Die aktuelle Tour zu ihrem hochgelobten Alzheimer-Stück „Abans que arribi l'alemany" (Bevor der Deutsche kommt), die noch bis ins kommende Jahr geht, soll die letzte sein. Der Titel basiert auf einem Witz: „Wie heißt der Deutsche, der immer die Sachen versteckt? – Alzheimer, Opa, Alzheimer."

Gemeinsam stark

Mallorca verliert damit zwei ihrer profiliertesten Theaterkompanien, die seit dem Jahr 2000 in der gemeinsamen Produktionsfirma „Res de Res i En Blanc" zusammengefasst sind. Res de Res mit ihrem von Zirkuselementen geprägten Gestentheater. Und die Texttheaterkompanie En Blanc. „Die Kombination hat es uns erlaubt, uns in unseren Ausdrucksformen nicht einschränken zu müssen", sagt Barceló.

Und die Arbeit war erfolgreich. Dreimal wurde die Produktionsfirma für den spanischen Theaterpreis Max nominiert, sie gewann für das Stück „Tempo" den Publikumspreis im Teatre del Mar und den Total Theatre Award beim Fringe Festival in Edinburgh (für das Stück „Remor").

Egal, welche Politiker an der Macht sind

Doch das hat nicht gereicht. Barceló und Jordà haben es satt, zu kämpfen. Um die Subventionen, die seit über zehn Jahren stagnieren, wenn sie nicht gar sinken. „Es ist egal, welche Politiker gerade im Inselrat an der Macht sind", sagt Jordà. „Manchmal sind die Linken fast schlimmer, obwohl man immer sagt, dass der konservativen PP Kultur weitgehend egal ist." Vor allem die Krise habe dem Theater, wie der gesamten Kulturszene, hart zugesetzt, so Barceló.

„Das hat uns gezwungen, unser Glück immer mehr im Ausland zu suchen. Und was ist passiert? Da wir so viel draußen waren, wurden uns hier die Subventionen gekürzt." Dass Res de Res ohne Worte auskommt, habe sicherlich bei den internationalen Touren geholfen, sagt Mart Barceló. „Aber auch En Blanc hat viele Stücke ins Ausland gebracht. In Südamerika konnten wir auf Spanisch aufführen. Und woanders benutzt man zum Beispiel Untertitel. Heute gibt es wirklich keine Ausrede, um Stücke
nicht im Ausland aufzuführen."


Ein Raum für die Zukunft

Ein Projekt, das aus „Res de Res i En Blanc" entstanden ist, wird allerdings weitergeführt. Vorerst. Seit 2016 betreiben Barceló und Jordà das Centre d'Investigació Escènica (C.I.N.E., Zentrum für Bühnenforschung) im ehemaligen Kino von Sineu. Das Gebäude bietet einen groben und einen kleinen Proberaum für Zirkus- und Theatergruppen. „Ein Jahr läuft das Projekt sicherlich noch weiter. Bisher sind die Räumlichkeiten immer ausgebucht." Doch auch hier müsse man sehen, dass sich das Projekt rechne. Obwohl die Nachfrage bei nationalen und internationalen Kompagnien groß ist und das Projekt durch Subventionen von der balearischen Tourismusagentur ATB und dem Kulturinstitut Illenc gefördert wird, bezuschussen es die beiden Theatermacher immer noch aus eigener Tasche. „Das kann auch nicht ewig so weitergehen", sagt Jordà.

Auf der Insel wurde das Ende von „Res de Res i En Blanc" mit Bestürzung aufgenommen. Die Journalistin Elena Vallés, eine der gewichtigsten Stimmen der mallorquinischen Kulturszene, bezeichnete es als „traurige Nachricht" für die Insel und diagnostizierte es als symptomatisch für ein versagendes Kulturmodell auf der Insel. Der Schweizer Theaterhistoriker

Ludovic Allenspach, der erst kürzlich das Buch „Die Theatergeschichte einer Insel" veröffentlicht hat, sagt zur MZ, das Ende sei für die Insel sehr schade. „Res de Res gehörte Ende der 90er-Jahre zu den ersten Kompanien, die auf Mallorca vom Schreiben bis zu Regie und Schauspielerei alles selbst gemacht haben." Es sei bedauerlich, dass der Kampf um die finanzielle Unterstützung am Ende nicht die verdienten Früchte getragen habe, so Allenspach.

Wer En Blanc mit „Abans que arribi l'alemany" noch sehen möchte, hat noch mehrmals in diesem Jahr die Chance. Die nächste Gelegenheit ist bei der Kulturmesse „Fira B!" vom 20. bis 24.9. in Palma.

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